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Lebensmittel: Der Preis des Profits

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Milliarden von Menschen auf der Welt leiden entweder an Unterernährung oder an Fettleibigkeit.

Dieser Artikel erschien am 27. August in englischer Sprache auf der Webseite socialistworld.net

von Iain Dalton, „Socialist Party“ (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in England & Wales)

„Bitte, Herr, kann ich ein bisschen mehr haben?“ – Heute müssen nicht nur die Waisen darum kämpfen genug zu essen zu bekommen, wie Charles Dickens es so eindringlich beschrieb. Sogar in den sogenannten entwickelten, kapitalistischen Ländern ist das Profitsystem nicht fähig, für eine ausgeglichene Ernährung zu sorgen. Iain Dalton befasst sich mit den Auswirkungen, die der Kapitalismus auf die Ernährungssituation hat, und stellt sozialistische Lösungsansätze vor.

Steigende Lebensmittelpreise

Momentan ist das Leben von 18 Millionen Menschen in der Sahelzone Westafrikas aufgrund von schlechten Ernten und hohen Lebensmittelpreisen bedroht. 2011 berichtete die „Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation“ der UNO (FAO), dass die Weltlebensmittelpreise sich auf dem höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1990 befanden.

2010 schätzte die Weltbank, dass rund eine Milliarde der insgesamt sieben Milliarden Menschen, die auf der Welt leben, unterernährt sind. Jedes Jahr sterben sechs Millionen Kinder an Unterernährung, bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben.

In Großbritannien, wo sogenannte Sparprogramme von der Regierung mit steigenden Preisen zusammenkommen, nutzte 2011 eine Rekordzahl von 129.000 Menschen die dortigen Essensausgaben. Das zeigt, wie eine steigende Zahl von Menschen sich entscheiden muss, ob sie Lebensmittel oder Heizung brauchen. Regierungsangaben zufolge sind die Lebensmittelpreise in Großbritannien zwischen Juni 2007 und 2011 um 26 Prozent angestiegen.

Dürre in den USA

Ein Grund für die momentan in die Höhe schnellenden Preise ist die anhaltende Trockenheit in den USA. In einem Artikel, der mehr nach einer Beschreibung aus der Subsahara klingt als nach den USA, berichtet die Tageszeitung „The Guardian“: „Einige Halme sind Kopf-hoch, tragen aber keine Kornähren. Andere sind so gedrungen wie Ananasblätter. Sojabohnen, die bis zu den Knien wachsen sollten, streifen gerade einmal das Schienbein.“

Annähernd ein Drittel der USA gelten derzeit offiziell als Notstandsgebiet. Im Juli ermittelte das „National Climatic Data Centre“, dass 55 Prozent des US-amerikanischen Festlands von mittlerer bis extremer Dürre betroffen sind. In Utah und Colorado sind zudem Lauffeuer ausgebrochen.

Die US-Regierung schätzt, dass ein Drittel der Mais- und Sojaernte sich in minderwertigem Zustand befindet. Diejenigen, die vor Ort sind, gehen aber davon aus, dass die Folgen weit gravierender sind. Ein Farmer sagte gegenüber dem „Guardian“: „Bei einigen Ländereien lohnt es sich rein technisch gar nicht, überhaupt mit der Ernte zu beginnen. Die Kosten wären höher als der Ertrag.“

Am 23. Juli durchbrach der Preis für ein Bushel (Gewichtseinheit für Getreide) Mais die Rekordmarke von acht US-Dollar. 2006 lag der Preis für ein Bushel noch bei zwei Dollar! Das hat einen Dominoeffekt und wird sich auf auf die Milch- und Fleischpreise auswirken, da Mais ein wichtiger Bestandteil der meisten Tierfuttermittel ist. Mittlerweile gibt es Berichte, wonach einige FarmerInnen damit begonnen haben, ihren Viehherden Zucker beizufüttern.

Ganze Bestände werden geschlachtet, weil US-FarmerInnen die gestiegenen Kosten für das Futter nicht tragen können. Unterstände für Pferde werden nun auch für andere Tieren genutzt und in Teilen des Mittleren Westens der USA sind die Verkaufszahlen von Traktoren und Landmaschinen um 70 Prozent zurückgegangen. Ein Händler meinte dazu: „Wir hatten hier schon Leute, die bereits eine Anzahlung geleistet hatten, das Geld aber haben verfallen lassen, nur um aus dem Kaufvertrag wieder herauszukommen.“

In den USA ist es zu dieser Situation gekommen, nur ein Jahr nachdem Russland die schlimmste Dürre seit 130 Jahren in der Schwarzmeer-Region erlebt hat. Das hatte dazu geführt, dass die Weizenpreise abhoben. Weil der Klimawandel zu immer häufiger vorkommenden extremen Klimaereignissen wie Dürren, Tsunamis und Überschwemmungen führt, werden auch die verheerenden Folgen für die Lebensmittelproduktion immer spürbarer.

Weil 40 Prozent der US-amerikanischen Maisernte mittlerweile in die Ethanolproduktion fließen, ist eine Debatte um sogenannten Biosprit entbrannt. Einige Bundesstaaten berichten, dass Anlagen zur Produktion von Ethanol und Bio-Diesel runtergefahren oder zeitweise ganz geschlossen werden. Zahllose Gipfeltreffen haben gezeigt, dass die konzernfreundlichen Politiker nicht in der Lage sind, gegen die mächtige Lobby der Energiewirtschaft vorzugehen.

Die Spekulation

Es gibt aber noch weitere Faktoren, die sich auf die Lebensmittelpreise auswirken. Als die Banken Ende 2007 / Anfang 2008 in die Krise gerieten, türmte sich im Bereich der Warentermingeschäfte eine Spekulationswelle auf, was auch den Handel mit Rindern oder Nahrungsmitteln wie Zucker betraf. Der Gesamtwert in diesem Bereich stieg von unter zwei Billionen US-Dollar im Jahr 2004 auf neun Billionen Dollar im Jahr 2007. Große Firmen, die Waren kauften und auch über längere Zeiträume einlagerten, bevor sie diese weiterverkauften, begannen nun damit, in die Blase der Warentermingeschäfte zu investieren. Das führte nicht nur dazu, dass die Preise stiegen, sondern hatte auch zur Folge, dass die zur Verfügung stehenden Ressourcen geringer wurden. Vor allen anderen traf das die sogenannten Entwicklungsländer.

Auf die jüngste Krise reagierten die Spekulanten in großem Umfang abermals mit Wetten auf Lebensmittelpreise. Ihre Haltung gegenüber steigenden Preisen wurde von einem Fond-Manager so zusammengefasst: „Es ist, als würde ein riesiger, Geld speiender Wasserhahn aufgedreht.“ (Bloomberg, 23 Juli 2012).

Doch, wie das brit. Wirtschaftsmagazin „The Economist“ jüngst verriet, „nicht nur hohe Lebensmittelpreise lasten schwer auf den Einkünften der Armen, sie führen auch zu mehr politischen Unruhen in der ganzen Welt“.

2008 ist es in Westafrika, Haiti, Marokko, Bangladesch und den Philippinen zu Lebensmittel-Aufständen gekommen. Nach einem Generalstreik, der wegen der Brotpreis-Entwicklung in der ägyptischen Stadt Malhalla ausgerufen wurde, wurde die Armee gerufen, um beim Backen zu helfen und subventioniertes Brot zu verteilen, damit weitere Proteste, die loszubrechen begannen, gestoppt würden.

Während Anfang 2011 Tunesien und Ägypten das Herz der revolutionären Erhebungen ausmachten, zu denen es teilweise auch aufgrund von steigenden Lebensmittelpreisen gekommen war, kaufte Algerien 800.000 Tonnen Weizen auf und Indonesien kaufte dieselbe Menge an Reis. Mit diesen Maßnahmen versuchten die jeweiligen herrschenden Eliten beider Ländern, Aufständen auch in ihren Staaten zuvorzukommen.

Allerdings kann man auf derartige Möglichkeiten zur Abwendung von Aufständen nur in begrenztem Maß zurückgreifen. Viele Länder haben ihre Getreidevorräte stark verringert, weil sie sie als nutzlos erachtet haben.

Von verschiedenen Seiten ist die Lebensmittelproduktion ernstlich bedroht. Das liegt vor allem am Klimawandel, aber das größte Problem besteht darin, auf welche Art und Weise Lebensmittel hergestellt werden. Während die Lebensmittelindustrie von privaten Unternehmen kontrolliert wird, deren Ziel der Profit ist, und Spekulanten die Preise diktieren, werden weiterhin Millionen von Menschen verhungern oder an Unterernährung leiden. Im Westen nimmt das Phänomen der Unterernährung in armen Familien zu, während Millionen anderer unter Gesundheitsproblemen wie Fettleibigkeit aufgrund von ungesunden und in höchstem Maße weiterverarbeiteten aber gewinnbringenden Lebensmitteln leiden.

Die „Socialist Party“ fordert, dass die Lebensmittelproduktion (wie auch andere Produktionszweige) im Interesse aller von den Beschäftigten und den Armen demokratisch geplant und kontrolliert wird. Wenn die kapitalistische Profit-Logik erst einmal überwunden ist, dann wird es auch voll und ganz möglich sein, den Hunger zu beseitigen.

Unsere Forderungen lauten unter anderen:

Für Komitees unter Einbeziehung von Gewerkschaftsstrukturen und Verbraucherinitiativen, um die Preise zu kontrollieren und das wirkliche Ausmaß der erhöhten Lebenshaltungskosten für erwerbstätige Menschen zu ermitteln.

Offenlegung der Geschäftsbücher der Großkonzerne, die die Lebensmittelbranche und die Wirtschaft dominieren, um deren wirkliche Kosten, Gewinne, Vorstandsgehälter und Boni etc. zu eruieren.

Für eine umgehende Anhebung des Mindestlohns auf acht brit. Pfund pro Stunde, mit regelmäßigen Lohnerhöhungen, die die Preisanstiege abdecken. Beträchtliche Anhebung der Renten und anderer Sozialleistungen, um die Lebenshaltungskosten decken zu können. Investitionen in ein umfassendes Arbeitsbeschaffungsprogramm.

Neben den Banken und Finanzinstitutionen müssen auch die großen Agrar-, Groß- und Einzelhandelsunternehmen sowie die Vertriebsgesellschaften verstaatlicht werden. Entschädigungszahlungen dürfen nur bei nachgewiesener Bedürftigkeit geleistet werden.

Für umfangreiche Investitionen in die Forschung und Entwicklung von sicheren, alternativen Quellen für erneuerbare Energieträger. Es müssen Technologien entwickelt werden, die den Einsatz umweltschädlicher Agrartechniken allmählich überflüssig machen können.

Für eine geplante Agrarproduktion und -vertrieb, um sicherzustellen, dass es nahrhafte Lebensmittel für alle gibt, die nachhaltig hergestellt wurden, anstatt kurzfristigen Profit-Zielen von wenigen aus der Oberschicht zu folgen.

Dem Markt-Wahn ein Ende setzen!

Wollte dir schon mal jemand erzählen, Sozialismus würde nicht funktionieren? Oder dass Planwirtschaft nicht klappt und der einzige Weg, wie die Wirtschaft funktionieren kann, darin besteht, dass die „unsichtbare Hand“ des Marktes alles regelt?

Als ich beim Lebensmitteldiscounter „Morrison“ in der „Ofen-Frisch“-Abteilung gearbeitet habe, war ganz klar, dass man den Profit nicht dem Zufall überlassen wollte. Auf der Grundlage von aktuellen Verkaufszahlen, langfristigen Verkaufstrends aus der Industrie und den Ergebnissen aus Sonderangeboten mussten wir täglich neue Produktionspläne darüber aufstellen, wie viel wir von jedem Produkt verkaufen würden.

Wir hatten Verkaufsziele, die täglich wechselten und an denen sich die Herstellungsraten orientierten, die gleichwohl ein wenig höher als diese Zielzahlen lagen, sollte die Nachfrage kurzfristig steigen.

Verbunden damit arbeiteten wir mit einem halb-automatischen Bestellsystem, mit dem die Warenbestände wieder aufgefüllt wurden. Nachdem wir am Nachmittag eines jeden Tags die meisten unserer Produkte gekocht und zubereitet hatten, mussten wir eine kurze Inventur durchführen und damit war gesichert, dass am nächsten Morgen die etwaige Fehlgröße ausgeglichen sein würde.

Weil sich die Produktion aber nach dem Profit richtete, fielen andere Fragestellungen durchs Raster: z.B. die der Hygiene. Personelle Unterbesetzungen in der Lebensmittelabteilung und an den Kassen wurden behoben, indem man Reinigungskräfte und MitarbeiterInnen aus der Instandhaltung abzog. Als bei uns neue Technologien wie etwa die Selbstbedienungskassen eingeführt wurden, wurden diese als Grund dafür angeführt, dass KassiererInnen nicht ersetzen wurden, die den Betrieb verlassen hatten.

Die großen Lebensmittel-Discounter, zu denen in Großbritannien auch „Tesco“, der größte Arbeitgeber und profitträchtigste Konzern des Landes, gehört, zahlen ihren Beschäftigten nur wenig mehr als den gesetzlichen Mindestlohn. Und kleinere Konkurrenten werden erbarmungslos plattgemacht.

Dieser Industriezweig schreit förmlich danach, in öffentliches und demokratisch geführtes Eigentum überführt zu werden, damit der in diesem Bereich erwirtschaftete Reichtum den Bedürfnissen aller Mitglieder der Gesellschaft entsprechend eingesetzt werden kann – statt zum Wohle nur einer Handvoll von Super-Reichen.

Der Reichtum ist dazu da, um für eine ausreichende Personaldecke in den Geschäften als auch einen Lohn für alle Beschäftigten zu sorgen, der angemessene Lebensbedingungen ermöglicht. Solche Maßnahmen würden die Plackerei im Einzelhandel beenden.

Neue Technologien könnten eingesetzt werden, um die Wochenarbeitszeit für alle herab zu setzen, ohne dass dabei die Löhne gekürzt werden, damit den ArbeiterInnen die Zeit eingeräumt wird, die sie brauchen, um sich an der Organisation von Industrie und Gesellschaft zu beteiligen. Auf der Grundlage von sozialistischer Planung würde sich ein ganzer Reigen an Möglichkeiten auftun, der vom Kapitalismus bisher nur niedergehalten wurde.

Filmbesprechung: „The Men Who Made Us Fat“, BBC 4

In Großbritannien ist das Durchschnittsgewicht seit den 1960er Jahren um 21 Kilogramm gestiegen. Rund zwei Drittel der Erwachsenen in Britannien haben Übergewicht und ein Viertel sind fettleibig. Das führt dazu, dass das britische öffentliche Gesundheitssystem NHS jedes Jahr 4,9 Milliarden brit. Pfund aufbringen muss, um mit den Folgen zurecht zu kommen. Diese Fakten stellt Jacques Perreti seiner dreiteiligen Dokumentation „The Men Who Made Us Fat“ (dt.: Der Mann, der uns fett machte) voran.

Peretti macht sich auf die Suche nach den Gründen für diese Veränderungen, indem er der Frage nachgeht, wer dafür verantwortlich zeichnet. Ist es die individuelle Wahl der einzelnen Menschen oder handelt es sich um das Ergebnis von Regierungshandeln und dem Vorgehen der Konzerne?

Dabei geht Peretti mit den Entscheidungen von Regierungen und Unternehmen der letzten 40 Jahre hart ins Gericht. Er fängt damit an, die politische Situation der USA in den frühen 1970er Jahren zu untersuchen, als es zu einem starken Anstieg der Lebensmittelpreise und dazu kam, dass 1971 Earl Butz zum Landwirtschaftsminister berufen wurde, um Lösungsvorschläge zu erarbeiten.

Butz förderte die Ausweitung der Produktion von Ernteerzeugnissen wie Mais und rief dazu auf, „landauf, landab“ die landwirtschaftlichen Nutzungsflächen auszuweiten und sagte an die FarmerInnen gerichtet, ihre Aufgabe bestünde darin, „größer zu werden oder den Betrieb aufzugeben“. Außerdem hob er Regierungsprogramme auf, die geschaffen worden waren, um die Überproduktion von Mais und die daraus resultierenden sinkenden Preise in den Griff zu bekommen.

Um dem neuen Überschuss Herr zu werden, favorisierte Butz ein ganz neues Produkt: Maissirup mit hohem Fruchtzuckergehalt. Damit wurde das herkömmliche, aus Rüben- und Rohrzucker hergestellte Süßungsmittel weitgehend verdrängt. Dieser Wandel wurde auch dadurch beschleunigt, dass 1977 Zölle und Quoten auf Zucker eingeführt wurden. Als „Coca-Cola“ 1984 dann dazu überging, auch auf Maissirup zurückzugreifen, war dieser um ein Drittel billiger zu haben als herkömmlicher Zucker.

Heute steckt Maissirup in einer ganzen Reihe von Verarbeitungserzeugnissen wie z.B. in Limonaden, Tomatenketchup, Krautsalat und Pizzabelägen. Selbst die Hamburger-Brötchen in den Fast-food Restaurants werden unter Zugabe von Maissirup hergestellt, um sie haltbarer zu machen.

Das führt deshalb zu einer Art von Kettenreaktion, weil Fruchtzucker leicht in Fett umwandelbar ist und auch die Freisetzung des Hormons Leptin unterbindet, das normaler Weise für das Sättigungsgefühl eines Menschen verantwortlich ist. Peretti verbindet beide dieser Faktoren mit der Zunahme an Körperfett und Fällen von Fettleibigkeit.

Übergrößen

Peretti liefert verschiedene weitere Beispiele, wie die Profite von Lebensmittel- und Getränkeindustrie gesteigert werden. So schildert er, wie die Portionen immer größer geworden und „Snack foods“ (Zwischenmahlzeiten) eingeführt worden sind. Dabei wird im Kapitalismus nicht bewusst nach Wegen gesucht, ungesunde Lebensmittel an den Mann und die Frau zu bringen. Alle Waren und Lebensmittel werden von den „einfachen“ Leuten im Wesentlichen nach zwei Kriterien beurteilt: a) nach ihrem Nutzwert und b) danach, wie viel sie kosten.

So lang die Großkonzerne ihren Profit machen können, ist es ihnen im Großen und Ganzen auch egal, für welchen Nutzen die Waren hergestellt werden und welche Qualität sie dabei haben. Deshalb ist jede Veränderung, die dabei am Produkt vorgenommen wird, nur insofern von Bedeutung, wie der Profit davon betroffen ist.

Mit Blick auf den Nährwert macht das aber einen enormen Unterschied. Portionen mit „Übergröße“ enthalten mehr Kalorien. Und dass der natürliche Zucker durch Maissirup ersetzt ist, führt dazu, dass die Fett-Aufnahme massiv zugenommen hat.

Bislang ist es unter den PR-Beratern der Lebensmittelindustrie üblich, alles als Frage von Lifestyle-Entscheidungen darzustellen und dass die Leute einfach nicht genug dafür tun, um ihren Kalorienhaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. An einer Stelle im Dokumentarfilm ist eine Vertreterin des Getränke-Multis „American Beverage Association“ zu sehen, wie ihr Gesicht sich zu verschiedenen Grimassen verzieht, als sie zu behaupten versucht, dass es keinen Zusammenhang gibt zwischen dem Verzehr von Limonade und dem Auftreten von Adipositas.

Selbst einige Konzerne haben diese Verbindung anerkannt. So führte der Süßwarenhersteller „Cadbury’s“ eine Werbekampagne, bei der man eine bestimmte Anzahl an Bonbon-Verpackungen sammeln sollte, um diese später gegen Sportartikel eintauschen zu können – eine Art von Verrechnung der Gewichtszunahme wie man es sonst nur von Industriebetrieben kennt, die sogenannte Emissionsrechte kaufen können, um mehr Kohlendioxid in die Luft jagen zu dürfen. Dieser Werbefeldzug wurde klammheimlich wieder eingestellt, als die Medien ans Licht brachten, wie viel Schokolade man essen muss, bevor man Anspruch auf irgendeinen der in Aussicht gestellten Sportartikel hat.

Trotz der Darstellung zahlloser Beispiele, die zeigen, dass das kapitalistische Streben nach immer höheren Profiten für die Unzahl an ungesunden Lebensmitteln verantwortlich ist, kommt Jacques Perretti zu der Schlussfolgerung, dass eine Handvoll Männer dafür zur Verantwortung gezogen werden kann und dass es um Lösungen – wie etwa der Einführung einer Sondersteuer auf ungesunde Lebensmittel – geht, die im Rahmen des Kapitalismus umzusetzen sind.

Dabei weist Richard Ayre, ein früheres Mitglied der Geschäftsführung der brit. Gesundheitsbehörde „Food Standards Agency“, auf folgende Tatsache hin: „In den letzten 20 Jahren haben die Politiker aller Parteien gesagt, dass sie Regulierungsmaßnahmen nicht befürworten […]“. Kapitalistische Konzerne werden jeden Versuch abzuwehren wissen, der ihre Profite beschneiden könnte.

Sozialistische Alternative

Wenn die großen Lebensmittelkonzerne weiterhin mit dem Ziel geführt werden, den größtmöglichen Profit für einige wenige an der Spitze dieser Unternehmen zu erwirtschaften, dann wird das weiterhin auf Kosten unserer Gesundheit gehen. Wie in der oben besprochenen Reportage dargestellt, ist eines der größten Probleme für Leute, die sich gesund ernähren wollen, dass uns die tatsächlichen Inhaltsstoffe der Lebensmittel häufig nicht bekannt gemacht werden.

Doch auch jenseits des kapitalistischen Wettbewerbs um den größten Profit gibt es eine ganze Reihe von Wegen, die SozialistInnen vorschlagen würden, mit diesen Aspekten besser umgehen zu können.

So könnte ohne weiteres eine Kette von günstigen, gesunden, in öffentlicher Hand befindlichen und demokratisch geführten Restaurants aufgebaut werden, wie es die Bolschewiki nach der Russischen Revolution von 1917 bereits zu tun versuchten. Über das NHS könnten präventive Ansätze zur Bekämpfung von Adipositas und anderen ernährungsbedingten Problemen in die Wege geleitet werden. Dazu könnten dann auch Aufklärungskampagnen und pädagogische Programme gehören, um beispielsweise kostenlose Kochkurse für eine gesündere Ernährung mit nährwertreichen Lebensmitteln anzubieten.

Entscheidend ist, dass wir es mit einer in öffentlichem Besitz befindlichen und demokratisch geführten Lebensmittelindustrie zu tun haben müssen. Es muss Kontroll-Komitees geben, in denen auch ErnährungswissenschaftlerInnen und VertreterInnen der VerbraucherInnen sitzen müssen, und die die Aufsicht darüber haben, welche Inhaltsstoffe in unsere Lebensmittel gelangen, wo und wie diese zum Verkauf angeboten werden und welche Portionsgrößen es gibt.