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Bundeswehr raus aus den Schulen!

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Interview mit Julia Range, Bundessprecherin von Linksjugend [’solid]

Im Mai 2011 hat der Bundeskongress der Linksjugend [`solid] beschlossen, sich für bundeswehrfreie Schulen stark zu machen. Julia Range ist Sprecherin der seitdem laufenden Kampagne „Bundeswehr raus aus den Schulen“, die bundesweit gegen das Werben fürs Sterben durch Jugendoffiziere aktiv ist.

Warum braucht es eine Kampagne gegen Bundeswehr an Schulen?

Seit einigen Jahren ist die Bundeswehr verstärkt an Schulen, Berufsschulen und Bildungsmessen präsent, um für ihr Berufs- und Studienangebot zu werben und um ihr angeschlagenes Image aufzubessern. In zahlreichen Bundesländern wurden Kooperationsvereinbarungen zwischen Bundeswehr und Bildungsministerien geschlossen, die den systematischen Zugang und Ausbau der Besuche mit einem entsprechenden Budget ermöglichen.

Wir kritisieren diese Entwicklung scharf, da die Bundeswehr an Schulen nichts zu suchen hat: Bildung sollte zu einer friedlichen Gesellschaft beitragen, statt ganze Unterrichtsstunden bis hin zu mehrtägigen Ausflügen an Jugendoffiziere und ihre einseitige, Krieg beschönigende und als notwendiges Mittel von Politik darstellende Propaganda abzugeben.

Vor allem darf die Bundeswehr nicht die mangelhaften Zukunftsperspektiven für junge Menschen missbrauchen, indem sie mit guten Löhnen, Arbeitsplatzsicherheit und kostenlosem Studium all diejenigen anspricht, die im Bildungssystem und auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt abgehängt sind. Wir sind sehr besorgt darüber und haben deswegen die Kampagne ins Leben gerufen.

Ist es ist Konsens, dass das Militär nichts an Schulen zu suchen hat? Von wem erfahrt ihr Unterstützung in eurer Sache?

Leider ist es noch kein Konsens, dass Militär an Schulen nichts zu suchen hat. Aber immerhin haben sich mittlerweile bereits fünf deutsche Schulen zur „Bundeswehrfreien Zone“ erklärt. Das heißt, dass sie keine Besuche von Jugendoffizieren mehr zulassen. Viele weitere Schulen planen auch solche Beschlüsse. Das ist ein großer Erfolg und zeigt, dass das Bewusstsein und die Unterstützung für unser Anliegen wachsen.

In vielen Bundesländern haben sich in den letzten Monaten außerdem Bündnisse gegen das „Werben für’s Sterben“ zusammengetan, die gemeinsam aufklären und Aktionen starten und in denen auch wir mitarbeiten. Dort sind neben SchülerInnen, Jugendverbänden und Friedensinitiativen oft auch Eltern und LehrerInnen aktiv. Unser gemeinsames Ziel ist es, dass die Kooperationsvereinbarungen zurückgenommen werden.

Mit welchen Aktionen versucht ihr die Leute zu erreichen und die Bundeswehr von den Schulen fern zu halten? Ist ein diesjähriger Kampagnenhöhepunkt geplant?

Die Kampagne ist vor allem dezentral und als Mitmachkampagne angelegt. Sie lebt von den Aktionen, die vor Ort laufen und davon, dass sich möglichst viele einbringen. In zahlreichen Städten fanden und finden flächendeckend Aktionen an Schulen und bei Messen statt. Wir verteilen Material und kommen mit den Menschen ins Gespräch. Hierzu organisieren viele Gruppen auch Vorträge. Denn oftmals wissen SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen nichts von den Kooperationsvereinbarungen, den Folgen der Ausbildung bei der Bundeswehr und ihren eigenen Möglichkeiten, sich zu wehren.

Für September hat ein großes Bündnis eine bundesweite Aktionswoche gegen die Werbung an Bildungseinrichtungen geplant, an der auch wir uns beteiligen werden. In der Woche werden wir in jedem Bundesland die Schule mit einer goldenen Beinprothese „auszeichnen“, die die meisten Besuche von Werbeoffizieren zu verzeichnen hatte. Außerdem werden wir vor allem die Schulen belohnen, die sich zur „bundeswehrfreien Zone“ erklärt haben und keine Besuche von der Bundeswehr mehr zulassen.

Die Bundeswehr will an meiner Schule oder an der von FreundInnen werben. Was kann ich tun?

Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich zu wehren. Die Wenigsten wissen, dass die Bundeswehrbesuche nicht hingenommen werden müssen, sondern das Militär auch wieder ausgeladen werden kann.Versucht im Vorfeld, Schulleitung, Eltern- und SchülerInnenvertretung zu überzeugen. Im Internet finden sich die Termine der Bundeswehr und Vorlagen für Beschlüsse.

Wenn die Bundeswehr doch kommt sollte versucht werden Friedensinitiativen einzuladen, damit die Meinung des Jugendoffiziers nicht allein im Raum stehen bleibt und ihr Unterstützung beim Argumentieren habt. Man kann sich übrigens auch für die Stunde(n) freistellen lassen, wo die Bundeswehr in der Klasse ist.

Was sich immer anbietet und die Aufmerksamkeit Vieler auf sich zieht, sind Aktionen auf dem Schulhof oder vor der Schule. Gebt euch interessiert und greift massenhaft Bundeswehr-Material bei ihrem Infostand ab und schmeißt es anschließend offensichtlich weg, macht ein Die-In, Flashmobs, oder malt ein großes Transparent und hängt es in der Schule auf. Auch hier gilt: Lasst eurer Kreativität freien Lauf!

www.bundeswehr-raus.de