DIE LINKE hat die Aufgabe, Menschen über die radikale Linke hinaus zu mobilisieren
Die Eurokrise wirft viele Fragen auf. Was ist die Ursache dafĂŒr, dass LĂ€nder in SĂŒdeuropa so tief in die Krise gerutscht sind? Sind âdie Griechenâ wirklich faul? Gibt es eine Alternative zum harten Sparkurs, der Griechenland, Italien und Irland aufgezwungen wurde? DIE LINKE muss Antworten auf diese Fragen liefern, um den Widerstand politisch zu stĂ€rken und in der Breite fĂŒr die Blockupy-Aktionstage zu mobilisieren.
von Sebastian Rave, Bremen
Das bundesweite BĂŒndnis, das auf einer Aktionskonferenz Ende Februar die âBlockupyâ-Aktionstage in Frankfurt beschlossen hat, verzichtete leider darauf, konkrete Forderungen aufzustellen, die mobilisierend unter LohnabhĂ€ngigen und Erwerbslosen in Deutschland wirken können. Zudem konnte sich die Mehrheit bei der Konferenz nicht dazu durchringen, die zentralen Forderungen der griechischen Linken wie zum Beispiel die Streichung der Schulden und die Verstaatlichung aller Banken zu unterstĂŒtzen. Man wollte sich im Aufruf nur auf eine Zustandsbeschreibung der Krise und der Bewegungen dagegen sowie einen Aktionsplan fĂŒr die Protesttage einigen.
Aufgaben der LINKEN
Vor dem Hintergrund steht DIE LINKE jetzt vor der doppelten Aufgabe, in der Breite zu mobilisieren, und in die Diskussion ĂŒber die Antworten auf die Krise einzugreifen. Der Parteivorstand der LINKEN hat die UnterstĂŒtzung der Blockupy-Aktionen beschlossen und dafĂŒr Flyer und Plakate zur VerfĂŒgung gestellt. In vielen StĂ€dten finden Veranstaltungen der LINKEN im Vorfeld statt. Bei der GroĂdemonstration am 19. Mai soll es einen eigenen Block der Partei geben. Die LINKE hat die Möglichkeit, den nötigen BrĂŒckenschlag zu den LohnabhĂ€ngigen und Erwerbslosen in Deutschland herzustellen und ĂŒber die radikale Linke hinaus Menschen fĂŒr die Besetzungen, Blockaden und GroĂdemonstration zu erreichen. Sie kann dieses Potenzial jedoch nur nutzen, wenn sie auf der StraĂe und in den Betrieben sichtbar wird und deutlich macht, dass sie sich von allen anderen Parteien grundlegend unterscheidet. In der Mobilisierung und auf der Demonstration sollte DIE LINKE mit Slogans und Forderungen sichtbar sein, die eine wirkliche Antwort auf die Krise darstellen. Slogans nach Umverteilung wie âAlle schĂŒtzen die Banken â Wir wollen die MillionĂ€rssteuerâ reichen nicht aus. Forderungen wie die Verstaatlichung der Banken gehören nicht nur in Grundsatzprogramme, sondern mĂŒssen auch bei den Aktionstagen zum Ausdruck kommen.
Rostocker ErklÀrung
SAV-Mitglieder haben in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern der AKL (Antikapitalistische Linke) und weiteren Parteilinken in einigen Orten dafĂŒr die politische Initiative ergriffen. In Rostock wurde auf dem Kreisparteitag eine Resolution mit dem Titel âNein zur kapitalistischen EU â fĂŒr ein sozialistisches Europa!â verabschiedet. Sie wurde in fast gleichem Wortlaut auĂerdem auf dem Landesparteitag in Bremen sowie in den KreisverbĂ€nden Kassel und Göttingen beschlossen. Dieser Aufruf geht auf die Fragen ein, vor denen die Bewegung jetzt steht. Er benennt das kapitalistische System als Ursache fĂŒr die Krise der Eurozone und erklĂ€rt, dass die sogenannten Rettungsprogramme nur dazu da sind, auf Kosten der Masse der Bevölkerung âBanken, Konzerne und das kapitalistische System zu rettenâ. Der zunehmenden Aushöhlung demokratischer Rechte durch das Diktat der Troika aus IWF, EZB und EU wird der âgemeinsame, internationale Widerstand von ArbeiterInnen und sozial Benachteiligtenâ entgegengestellt. Zudem wird die Streichung der Staatsschulden und die Verstaatlichung aller privaten Banken gefordert. Die Verbindung zur Lage in Deutschland wird in der Resolution erklĂ€rt und mit Forderungen untermauert nach einem Nein zur Schuldenbremse, fĂŒr eine MillionĂ€rssteuer, ArbeitszeitverkĂŒrzung bei vollem Lohnausgleich, einem gesetzlichen Mindestlohn von mindestens zehn Euro und einem staatlichen Investitionsprogramm in Bildung, Gesundheit, Umwelt und Soziales. Wir schlagen vor, mit diesem Aufruf in Frankfurt aufzutreten und in allen StĂ€dten öffentliche Veranstaltungen zu organisieren, auf denen ĂŒber die Fragen und Antworten der Krise diskutiert wird. Dazu können, wie vom Parteivorstand geplant, auch Aktivisten aus SĂŒdeuropa eingeladen werden. Auf solchen Mobilisierungsveranstaltungen lassen sich erfahrungsgemÀà auch am besten Tickets fĂŒr gemeinsame Busfahrten verkaufen, die die Partei auch organisieren und bezuschussen sollte. Sebastian Rave ist Mitglied des Landesvorstands DIE LINKE Bremen

