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Tarifrunde Metall: Reine Provokation

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Angebot der Metall-Unternehmer liegt vor


 

Das bei den Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie am Mittwoch und Donnerstag vorgelegte Unternehmerangebot ist in jeder Hinsicht eine Provokation. Die als »spürbare Reallohnsteigerung« verkaufte Entgeltofferte ist alles andere als das. Denn drei Prozent mehr Lohn und Gehalt in 14-Monaten dürften, wenn überhaupt, gerade mal die Preiserhöhungen ausgleichen. Von einer Beteiligung der Beschäftigten an der Produktivitätsentwicklung – die gesamtwirtschaftlich bei 1,0 bis 1,3 Prozent pro Jahr, in der Metallindustrie weit darüber liegt – ist dabei keine Rede. Ebenso wenig von einer »Umverteilungskomponente«, die vor dem Hintergrund von auf Kosten der Beschäftigten erzielten Gewinnrekorden dringend geboten wäre.

von Daniel Behruzi

Keinerlei Bewegung gibt es bei den »qualitativen Themen« des diesjährigen Tarifkonflikts. Von einer vertraglich fixierten unbefristeten Übernahme der Azubis wollen die Konzerne partout nichts wissen. Daß sie sich »das Ziel« setzen wollen, Ausgebildete »möglichst auch unbefristet einzustellen«, ist ein nutzloses Lippenbekenntnis. Es geht ja gerade darum, die Übernahme dort zu sichern, wo das Management das aus betrieblichem Interesse nicht ohnehin tun will.

Beim Thema Leiharbeit zeigen die Metallunternehmen ebenso wenig Entgegenkommen. Sie befürworten zwar, daß die IG Metall mit den Zeitarbeitsfirmen Branchenzuschläge vereinbart. Zum einen sitzen sie dabei aber nicht selbst am Verhandlungstisch, zum anderen verweigern sie den eigenen Betriebsräten weiterhin erweiterte Mitspracherechte beim Einsatz von Leiharbeitern. Daß sie sich von den betrieblichen Interessenvertretern nicht auf die Finger schauen lassen wollen kann nur eins heißen: Sie wollen Leiharbeit weiterhin massenhaft zum Lohndumping und zur Verdrängung regulärer Beschäftigung nutzen. Gerade deshalb hätten sie gern »eine Befriedung der Zeitarbeit« über Branchenzuschläge, die sie angesichts der gewerkschaftlichen Aktivitäten zumindest in den Großbetrieben ohnehin nicht mehr verhindern können.

Richtig dreist wird es bei den Gegenforderungen von Gesamtmetall. Um auf die »wachsende Volatilität der wirtschaftlichen Entwicklung« reagieren zu können, bräuchten die Betriebe »unbedingt mehr Flexibilität im Personaleinsatz«, erklärte der Präsident des Unternehmerverbands, Martin Kannegiesser. Soll heißen: Die krisenhafte Entwicklung des Kapitalismus soll auf dem Rücken der Beschäftigten ausgeglichen, der Arbeitskräfteeinsatz vollends an die Schwankungen des Marktes mit seinen heftiger werdenden Ausschlägen nach oben und vor allem unten angepaßt werden. Die 35-Stunden-Woche will Gesamtmetall über eine Ausweitung der 40-Stunden-Verträge weiter aushebeln. Und sachgrundlose Befristungen – die eigentlich komplett abgeschafft gehören – sollen länger möglich sein. Auf solcherlei Provokationen gibt es nur eine Antwort: massenhafte und flächendeckende Arbeitsniederlegungen. Klotzen, nicht kleckern ist angesagt.