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Warum ich Sozialist geworden bin

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„Ich kümmere mich nun um meine Angelegenheiten, die zugleich die Angelegenheiten meiner Klasse sind.“


 

Ich war Zeit meines Lebens ein politisch denkender Mensch. Ein
politisch handelnder meistens nicht.

Die Idee des Sozialismus war war für mich erledigt. Denn mir standen die
Verbrechen der Herrschenden in den nichtkapitalistischen Ländern
buchstäblich vor Augen. Ich bin im Schatten der Mauer groß geworden.

von L.H., Tellerwäscher

Ich hatte keine politische Heimat. Bürgerliche Parteien kamen nie in
Frage. Über die Grünen machte ich mir einige Zeit Illusionen. Die
Sumpfblüten der linken Szene waren entweder stalinistisch, maoistisch
oder einfach nur gaga.

Dann der Streik an der Charité (CFM).

Dort lernte ich die ersten SAV“ler kennen. Aufmerksam, nie bevormundend,
dennoch selbstbewusst. Nach ein paar Wochen besuchte ich ein
Ortsgruppentreffen. Schließlich fand ich mich auf den Aachener
Sozialismus-tagen wieder.

Informiert über die SAV hatte ich mich da schon. Da standen schöne
Sachen drin. Zum Beispiel ein makellos demokratisches Statut. Ich dachte
mir: Papier ist geduldig. Theoretisch war die DDR ja sozialistisch. Nun
erlebte ich aber zu meinem Erstaunen, dass das kein Gequatsche war.
Demokratie ist gelebte Realität in der SAV und essentielle Bedingung des
Klassenkampfes. Die SAV ist kein Kaninchenzüchterverein, es geht um die
Macht. Es geht um die Selbstermächtigung der sich neu formierenden
Arbeiterklasse. Ohne eine vernünftige Organisation, ohne ein klares Ziel
vor Augen, werden die besten Ideen und Absichten scheitern müssen.

Dieses menschenfressende System muss weg! Auf der einen Seite stehen
exemplarisch Textilarbeiterinnen aus Bangladesh, die an ihrem „Lohn“ von
ca. 30 Euro monatlich, krepieren. Auf der anderen Seite gibt es
Millionärsmessen, wo Weihnachtsbäume mit Diamantstaub verschönert werden.

Eine Bande von Schmarotzern saugt uns aus und schlägt auf uns ein. Dies
werden sie in alle Ewigkeit tun, wenn wir sie nicht selbst daran
hindern. Deshalb kümmere ich mich nun um meine Angelegenheiten, die
zugleich die Angelegenheiten meiner Klasse sind. Nun, liebe Leute, wisst
ihr, warum ich in die SAV eingetreten bin.

L.H. ist Arbeiter bei der Charité Facility Management GmbH
(CFM) und war Mitglied der Streikleitung während des 89 Tage dauernden
Streiks für einen Tarifvertrag im letzten Jahr.