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Internationaler Tag gegen Gewalt gegen Frauen

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Trotz Frauenbewegung und Gleichstellungsgesetzen sind Frauen hier und weltweit auch heute noch massenhaft von Gewalt betroffen.


 

Seit 30 Jahren organisieren am 25. November, dem „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“, Frauen- und Menschenrechtsorganisationen Veranstaltungen oder Aktionen, um auf Gewalt gegen Frauen und ihre Schlechterstellung aufmerksam zu machen.

Es ist wichtig, nicht nur an diesem Tag, auf Gewalt gegen Frauen und vor allem auf eine Zunahme von häuslicher Gewalt in vielen Ländern hinzuweisen.

von Jenni Wörl, Aachen

Trotz Frauenbewegung und Gleichstellungsgesetzen sind Frauen hier und weltweit auch heute noch massenhaft von Gewalt betroffen. Laut einer EU-Studie aus dem Jahr 2005 gibt es z.B. international ca 150 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt worden sind. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellte 2004 fest, dass jede vierte Frau in Deutschland im Alter von 16-85 Jahren im Verlauf ihres Lebens mindestens einmal körperliche und/oder sexuelle Übergriffe durch einen Beziehungspartner erlebt hat. Caren Lay von DIE LINKE weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass insgesamt 40 Prozent aller Frauen in Deutschland sexuelle und körperliche Gewalt erleben.

Mit Brötchen gegen Gewalt?

Auch bürgerliche Politiker versuchen diesen Tag zu nutzen, um uns weiszumachen, sie würden etwas gegen die Diskriminierung von Frauen unternehmen. Dabei sind sie es, die die Schlechterstellung von Frauen vorantreiben. Da verkaufen Bürgermeister und Bezirksverordnete in Berlin Backwaren in Tüten mit der Aufschrift „Gewalt kommt nicht in die Tüte“, in Köln findet das Thema in der künstlerischen Installation „Angst trifft Mut“ seinen Ausdruck und in verschiedenen anderen Städten werden von Politikern Informationsmaterialien über Gewalt gegen Frauen und Unterstützungsmöglichkeiten für die Betroffenen verteilt.

Aufklärung ist wichtig. Aber dieselben Politiker, die am 25.11. Informationen gegen Gewalt verteilen sind es, die am nächsten Tag umfassenden kommunalen Kürzungen zustimmen, die auch und vor allem Frauen treffen.

Geld für Banken …

In den letzten Jahren wurden Hunderte Milliarden Euro und US-Dollar in Programme zur Bankenrettung gesteckt. Dem Euro-Rettungsschirm stehen 250 Milliarden Euro zur Verfügung, um die Profite der europäischen Banken in Griechenland, Portugal und Italien zu sichern.

…Kürzungen in den Kommunen

Nicht gesichert wird dagegen der Schutz von Frauen und Kindern vor Gewalt. Die Zuschüsse für Frauenhäuser werden gekürzt oder wie im Fall von Wedel (Schleswig-Holstein) mit der Begründung, der Anteil der Frauen aus anderen Bundesländern wäre zu hoch und Schleswig-Holstein wäre für diese Frauen nicht zuständig, sogar ganz gestrichen. Es sind die Politiker derselben Parteien, die mit Hartz IV die ökonomische Abhängigkeit der Frauen von ihren Männern verschärft und damit eine Befreiung aus einer gewalttätigen Beziehung erschwert haben. Mit diesen Leuten lässt sich die Gleichberechtigung von Frauen nicht erreichen.

Um eine ausreichende Finanzierung von Frauenhäusern und weiteren Anlaufstellen, ein Ende von Hartz IV, gleiche Löhne für gleichwertige Arbeit und die Diskriminierung von Frauen zu beenden, müssen sich Frauen und Männer unabhängig von bürgerlichen Parteien organisieren, die den Sozialabbau vorantreiben und ein System verteidigen, das uns spaltet nach Geschlecht, Herkunft und sexueller Identität.