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Der Protest der "Schlampen"

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Engagement gegen Sexismus mit sozialen Kämpfen verbinden!


 

Nachdem im April erstmals sogenannte Slutwalks in Kanada statt fanden, folgten Proteste in den USA, Australien, England und Indien. Nun ist auch in Berlin ein Slutwalk geplant. Hauptsächlich junge Frauen schlossen sich dem "Schlampen-Marsch" bisher an, aber auch einige junge Männer nahmen daran teil. Es waren Menschen verschiedenen Alters und sexueller Orientierung, die auf die Straße gingen, um gegen sexuelle Gewalt zu protestieren. Diese Proteste rücken das Problem der sexuellen Gewalt gegen Frauen wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein.

von Steffi Berkemeyer, Dortmund

Die Welle der Proteste wurde ausgelöst durch einen Vortrag des Polizisten Michael Sanguinetti aus dem kanadischen Toronto, der von einer dortigen Universität eingeladen wurde, um über Präventionsmaßnahmen gegen Verbrechen zu referieren.

Wie es zu den Slutwalks kam

In seinem Vortrag sagte der Polizist aus Toronto: "Frauen sollten sich nicht wie Schlampen kleiden, um nicht schikaniert zu werden." Diese Aussage suggeriert, dass Opfer sexueller Gewalt selber Schuld seien. Das ist fatal, denn so bekommen viele Frauen Schuldgefühle und zeigen den Täter nicht an.

In Deutschland werden jährlich etwa 12.000 bis 13.000 Fälle von Vergewaltigung und sexueller Nötigung angezeigt. Die Dunkelziffer soll bis zu hundertfach höher liegen.

Seit den Äußerungen des Polizisten gehen Tausende Frauen auf die Straßen für ihr Recht, sich kleiden zu dürfen, wie es ihnen gefällt – ohne dabei Gefahr zu laufen, belästigt oder gar vergewaltigt zu werden. Die Kleidung oder das Verhalten einer Frau darf nie die Legitimationsgrundlage sein, ihr Gewalt anzutun!

Sexuelle Gewalt

Bei Vergewaltigungen geht es weniger um Sex als um die Ausübung von Macht, sie sind ein Mittel zur Demütigung und Unter-werfung von Mädchen und Frauen. Die verschiedenen Formen sexueller Gewalt gegen Frauen sind ein Ausdruck von Ungleichheit in der auf Klassenunterschieden basierenden kapitalistischen Gesellschaft. Dadurch, dass Frauen bis heute gegenüber Männern benachteiligt werden – schlechtere Bezahlung, sexistische Darstellungen in den Medien, Rollenbilder von der Frau als Mutter und Hausfrau -, wird die Vorstellung geschürt, dass Männer über Frauen bestimmen könnten, auch über deren Körper.

Die Aufrechterhaltung der heutigen Macht einer Minderheit über die Mehrheit stützt sich auf die Spaltung der Mehrheit: "Teile und Herrsche". Sexismus ist ein Spaltungsinstrument. Im Kapitalismus haben die Herrschenden kein Interesse daran, dass Männer und Frauen sich auf gleicher Augenhöhe begegnen und womöglich sogar gemeinsam für die Verbesserung ihrer Lebensstandards kämpfen.

Gegenwehr

Um gegen die Unterdrückung der Frau anzugehen, muss auch ein flächendeckendes Angebot an gut ausgebauten, selbstverwalteten Frauenhäusern, Frauenberatungsstellen und -notrufen erkämpft werden. Und auch die Gewerkschaften müssen in die Pflicht genommen werden, Kampagnen gegen häusliche Gewalt, Vergewaltigung in Ehe und Partnerschaften und gegen Frauendiskriminierung am Arbeitsplatz zu organisieren und diese mit anderen Kämpfen zu verbinden.