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Portrait von Jürgen Großmann

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„Weil die, die die Welt bewegen, hinten an der Elbe leben“ (Holger Burner)


 

RWE-Vorstandschef und Atomlobbyist Jürgen Großmann ist einer dieser Menschen, die in einer Villa in der Elbchaussee leben, es sich gut gehen lassen und über unser Leben bestimmen. Seine Lebensverhältnisse, das Vermögen, der Einfluss in Politik und Wirtschaft, vergegenwärtigen, wie pervers, absurd und verlogen dieses System ist.

von Linda Fischer, Hamburg

Jürgen Großmann verdient jährlich circa neun Millionen Euro, bei einem Bruttolohn von 2.500 Euro müsste man dafür 300 Jahre arbeiten. Im Jahre 2008 besaß er ein Vermögen von 1,4 Milliarden Euro.

Überall die Finger drin

Neben seinen Tätigkeiten als RWE-Vorstandschef ist er Besitzer eines 44 Unternehmen zählenden Imperiums: der Georgsmarienhütte Holding. Als das Stahlwerk marode war, konnte er sich auf das Kapital seiner Gattin Dagmar Sikorski stützen, die 30 Musikverlage geerbt hat. In der Georgsmarienhütte wird vor allem Metall für die Autobranche hergestellt. In diesem Zusammenhang ist es für Großmann naheliegend, dass er bis vor kurzem fünf Jahre lang im Aufsichtsrat der Volkswagen AG saß – auf dem Ticket des Großaktionärs: das Land Niedersachsen. Unterstützt wurde Großmann vom ehemaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff, der es „schön“ findet, dass es solche Manager gibt. Die Verquickung von Politik und wirtschaftlichen Interessen des Atomkonzerns RWE und Volkswagen könnte nicht deutlicher sein.

Sich einfach nehmen, was man mag

„Ich mag gutes Essen, guten Wein und gute Gespräche.“ Das ist an sich noch nichts besonderes, doch für Jürgen Großmann bedeutet das nicht, ab und zu mal essen zu gehen. Er besitzt lieber gleich ein ganzes Weingut in Australien und ein Zwei-Sterne-Restaurant in Osnabrück. Und weil er auch Autos und Urlaub mag, besitzt er außerdem eine Flotte von einem Dutzend Oldtimern, ein Fünf-Sterne-Hotel in Arosa und ein Haus am Tegernsee inklusive eines eigenen Jagdreviers. Ein niederrheinischer Landsitz darf natürlich auch nicht fehlen. Doch wir können beruhigt sein: „Für mich sind Dankbarkeit und Demut keine bloßen Worte“, versichert er im Capital-Online-Interview.

Ein Freund, ein guter Freund…

„Gute Gespräche“ haben für Großmann eine besondere Bedeutung. In seinem Restaurant fanden bei luxuriösen Essen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche (der wiederum auch im RWE-Aufsichtsrat sitzt!), mit Christian Wulff oder Bahn-Chef Hartmut Mehdorn diskrete Unterhaltungen statt. Da ist es auch kein Wunder, dass das Metall der Georgsmarienhütte in ICE-Zügen steckt.

Kanzlerin Angela Merkel ließ sich per Helikopter zur 150-Jahr-Feier der Georgsmarienhütte einfliegen, und Ex-Kanzler Gerhard Schröder kommt gern zu einer Runde Skat vorbei. Der ehemalige NRW-SPD-Chef und Ex-Wirtschaftsminister Harald Schartau wurde in die Villa nach Hamburg eingeladen und von Großmann zum Arbeitsdirektor der Stahlhütte gemacht. Eberhard Holl, ehemaliger Gemeinde-Chef des Kreises Osnabrück, sitzt nun im Aufsichtsrat von RWE und des Stahlimperiums.

Die große weite Welt

Großmann ist Organisator und wichtiger Teilnehmer von Treffen internationaler „Entscheider“ aus Wirtschaft und Politik, wie zum Beispiel dem Young-Leaders-Treffen der Atlantik-Brücke, was in seinem Domizil an der Elbchaussee stattfand. Junge Führungskräfte aus Deutschland und den USA trafen sich dort, um über neue Markterschließungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Auch beim Weltwirtschaftsforum, einem Forum der führenden kapitalistischen Eliten, mischt er mit und organisiert Veranstaltungen. Auf den jährlichen Treffen der internationalen Wirtschaftsbosse und Politiker werden Entwicklungen im Interesse der Maximierung der Unternehmensprofite vorangetrieben.

Parallelgesellschaft

Das Leben von Jürgen Großmann ist völlig abgehoben – ein Leben in einer Parallelgesellschaft der Kapitalisten und ihrer Verbündeten in der Politik. Großmann ist nur ein Beispiel dafür, wie dieses System für einige Wenige unvorstellbaren Reichtum auf Grundlage von Ausbeutung und Unterdrückung der Mehrheit erzeugt. Es wirkt wie Realsatire, wenn Großmann stolz verlautet, dass die Arbeiter seines Stahlwerks 3.500 Euro Gewinnbeteiligung erhalten, während er jährlich das 2.571-fache dessen verdient. Leider ist es die Realität, dass Menschen wie Großmann über unser Leben bestimmen.

„Wenn es der feste Wille der Mehrheit der deutschen Bevölkerung und der sie vertretenden Politik ist, zukünftig auf Kernkraft zu verzichten, werden wir uns dem nicht verschließen. Es gilt klar das Primat der Politik.“ Meint Großmann zur aktuellen Atomdebatte. Das lässt sich ja auch leicht sagen, wenn man die Politik bestimmt. Doch die Mehrheit der Bevölkerung ist bereits seit Jahrzehnten gegen Atomkraft. Wir müssen Großmann und Co. enteignen, den Ausstieg selber durchsetzen und endlich den vorhanden Reichtum auf alle Menschen verteilen.