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Aldi macht in Griechenland dicht

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Beschäftigte kämpfen um Arbeitsplatzerhalt


 

Nach nur zwei Jahren gibt Aldi-Süd seine Filialen in Griechenland wieder auf. 700 Arbeitsplätze sollen dem Rückzug zum Opfer fallen. Doch unter den griechischen Beschäftigten des deutschen Discountriesen entwickelt sich Widerstand. Für diese Woche ist eine erste Arbeitsniederlegung geplant.

von Daniel Behruzi

Mit hochfliegenden Plänen war Aldi-Süd im Herbst 2008 in Griechenland gestartet: Jährlich rund 40 Märkte sollten eröffnet werden. Langfristig wollte der Konzern landesweit auf 400 Standorte und einen Marktanteil von 20 Prozent kommen. Das Investitionsvolumen wurde seinerzeit auf etwa eine Milliarde Euro beziffert. Bis heute ist das Unternehmen aber nur mit 38 Filialen vornehmlich in Nordgriechenland vertreten – die nun vor der Schließung stehen. Im Sommer gab die Konzernspitze bekannt, man werde die Aktivitäten in Griechenland einstellen. Man wolle sich verstärkt der Expansion in den Ländern widmen, in denen der Konzern bereits früher präsent war, teilte das Management mit. Neben Deutschland, Österreich und der Schweiz sind dies Slowenien, Ungarn, Großbritannien, Irland, die USA und Australien. Branchenkennern zufolge ist es der erste Rückzug von Aldi aus einem Land mit bestehendem Filialnetz.

Warum der Konzern sein Geschäft in Griechenland gerade jetzt aufgibt, ist unklar. Denn eigentlich begünstigt die tiefe Wirtschafts- und Haushaltskrise des Landes die Billigangebote der Discounter gegenüber traditionellen Einzelhandelsunternehmen. Während der Umsatz mit Markenprodukten in dem Mittelmeerstaat zuletzt um 2,2 Prozent zurückgegangen ist, hat das Geschäft mit Eigenmarken um 5,1 Prozent zugenommen. Einige Analysten meinen, Aldi-Süd habe die Konkurrenz durch den ewigen Rivalen Lidl unterschätzt, der mit mehr als 200 Filialen in Griechenland vertreten ist.

Auch die Beschäftigten gehen davon aus, dass Managementfehler eine entscheidende Ursache für die Schwierigkeiten sind. So seien Filialen in den falschen Gegenden gebaut und Subunternehmen zu deutlich überhöhten Preisen engagiert worden. Das neu gewählte Beschäftigtenkomitee bei Aldi in Griechenland fordert die Offenlegung der Geschäftszahlen, um nachvollziehen zu können, ob die ökonomische Lage des Unternehmens tatsächlich so schlecht ist, wie vom Management behauptet. »Die Angestellten haben die Probleme nicht verursacht. Warum sollen gerade sie nun darunter leiden?«, fragte Panayiota Vekiari vom Beschäftigtenkomitee im Gespräch mit jW. Die Konzernspitze zeige keinerlei Interesse am Erhalt der Arbeitsplätze. Im Gegenteil: Gerüchten zufolge steht Aldi-Süd in Verkaufsverhandlungen mit der Supermarktkette Alfa-Beta. Das zum belgischen Delhaize-Konzern gehörende Unternehmen ist die Nummer drei im griechischen Einzelhandel und konnte seine Umsätze im vergangenen Jahr um mehr als zehn Prozent auf etwa 1,5 Milliarden Euro steigern. Allerdings will Alfa-Beta dem Vernehmen nach nur die Filialen und Logistikzentren von Aldi-Süd übernehmen – nicht aber die Mitarbeiter, die mit Monatseinkommen von 800 bis 1000 Euro bessergestellt sind als ihre Kollegen bei Alfa-Beta. Daher wolle Aldi die Beschäftigten noch vor dem Verkauf »loswerden«, heißt es.

Doch die wollen sich das nicht so einfach gefallen lassen. Ein niedriges Abfindungsangebot des Managements empfinden sie als »Provokation«, insbesondere weil externe Vertragspartner zugleich mit hohen Summen entschädigt werden. Am Dienstag findet eine erneute Verhandlungsrunde statt. Falls sich die Konzernleitung dann nicht bewegt, soll am Mittwoch auf einer Betriebsversammlung über Streik entschieden werden. »Wir werden für den Erhalt unserer Arbeitsplätze kämpfen«, betonte Vekiari. Angesichts der Wirtschaftskrise könnten sich weder die Angestellten noch die Region die Jobverluste leisten. »Die Aldi-Eigentümer haben mehr als genug Geld, um ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Beschäftigten nachzukommen«, findet die Aktivistin. Aldi-Süd-Besitzer Karl Albrecht liegt mit einem geschätzten Vermögen von 23,5 Milliarden Dollar auf Platz zehn der vom Wirtschaftsmagazin Forbes veröffentlichten Liste der reichten Menschen der Welt. In Deutschland hält er seit Jahren die Spitzenposition. Selbst im Krisenjahr 2009 konnte der Konzern laut Lebensmittel Zeitung eine »ungewöhnlich erfolgreiche Jahresbilanz« vorlegen.

An ihre deutschen Gewerkschaftskollegen appellieren die griechischen, sich solidarisch zu zeigen und dabei zu helfen, die Unternehmensspitze unter Druck zu setzen. »Gerade in international agierenden Konzernen wie Aldi ist es notwendig, dass sich die Beschäftigten über Ländergrenzen hinweg zusammenschließen«, sagte Vekiari.

Solidaritätsadressen an: vekiari_p@hotmail.com

Dieser Artikel erschien zuerst in der Tageszeitung junge Welt.