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Sarrazin und das deutsche Bildungssystem

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Der Blick eines Lehrers


 

Sarrazin genoss noch die klassische, kleinbürgerliche Bildung, lernte in der Schule Hebräisch und Latein, hält sich für belesen und muss all das immer wieder mitteilen. Ob das seine Intelligenz gefördert hat, bleibt nach der Lektüre seines Buches „Deutschland schafft sich ab“ fraglich.

von Steve Kühne, Lehrer und Mitglied der GEW in Dresden

Es gibt Menschen über die wurde schon alles gesagt und Thilo Sarrazin gehörte dazu. Nachdem er als Berliner SPD-Finanzsenator dank seiner unwürdigen Äußerungen über Hartz-IV-Empfänger und Niedriglohn-Jobber zum „Dieter Bohlen der Politik“ gekürt wurde konnte man hoffen, dass er nach seiner Ernennung zum Bundesbanker wenigstens nicht mehr in den Nachrichten auftaucht.

Es gibt aber auch Menschen, die sich stets neu erfinden und dazu gehört Thilo auch. Nach seinen netten Tipps für Hartz-IV-Empfänger, sie sollten doch Pullover anziehen, wenn ihnen kühl sei, oder dem Hinweis, dass man für Dumpinglöhne zu arbeiten habe, da auch Sarrazin selbst jederzeit für 5,00 Euro arbeiten gehen wolle, kam schon letztes Jahr der unnachahmliche Ausspruch: „Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert.“

Schon zu dieser Zeit war Thilos philosophische Welt ein unerschöpflicher Born der Weisheiten. Doch erst mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ wird aus dem „Dieter Bohlen der Politik“ endlich ein offener Rassist, oder um es mit der Begrifflichkeit der NPD zu schildern ein progressiver Ethnopluralist – heißt das selbe, ist aber eloquenter, dürfte Sarrazin also gefallen! Ja, das war er schon vorher, wer seinen Werdegang verfolgt hat weiß das, aber erst das Buch half ihm seine rassistischen Versatzstücke systematisch „wissenschaftlich“ zu hinterlegen. Und wissenschaftlich ist wichtig, wo käme man sonst hin. Auch die Ideologie der NSDAP war „wissenschaftlich“ belegt …

Und Sarrazin ist nach Goethe das letzte deutsche Universalgenie. Er kennt sich in allem aus. Er weiß bescheid über die deutsche Soziologie, die deutsche Wirtschaft und das deutsche Bildungssystem und natürlich über die Auswirkungen der ImmigrantInnen auf diese Bereiche. Es sei daher erlaubt einige Anmerkungen zu Sarrazins Thesen zum deutschen Bildungswesen zu machen.

Die Motivation zu lernen

Tatsächlich, es gibt Dinge, da hat Sarrazin recht. ImmigrantInnen sind in Deutschland besonders stark von Arbeitslosigkeit betroffen, sie leben überdurchschnittlich häufig von ALG II und man trifft sie häufig an den Bänken von Haupt-, Real-, Mittel- und Sekundarschulen. Und Sarrazins daraus folgende oberschülerhafte Erarbeitung ist einfach, naiv, eben klassisch kleinbürgerlich: Die Bildung eines Menschen beeinflusst seine soziale Stellung. Wer gern lernt wird klug, wer klug wird kriegt gute Jobs (für mehr als 5 Euro die Stunde). Wer gute Jobs hat wird reich. Wer reich wird, „produziert nicht ständig neue Kopftuchmädchen.“ Sarrazin, wir danken Dir!

Die ganze Argumentation ist etwa so gehaltvoll wie der Merksatz: Je mehr Feuerwehrwagen, desto schlimmer der Brand. Der ernst zu nehmende Flügel der modernen Bildungsforschung hat längst ergeben, dass Marx` Theorem, nach dem das soziale Sein das Bewusstsein bestimmt sehr wohl auch auf das Bildungswesen zutrifft. Man vollzieht fast immer den formalen Bildungsabschluss der Eltern nach. Klassen und Schichten innerhalb dieser reproduzieren sich im Wesentlichen aus sich selbst.

Sarrazins Erklärung dafür entspricht seinem intellektuellen Format. „Nicht jeder erbitterte Kleinbürger könnte ein Hitler werden, aber ein Stückchen Hitler steckt in jedem von ihnen“, schreibt Trotzki und zeigt so mit dem Finger auf den Bundesbanker. Dass, einfach gesagt, immer wieder Dieselben am unteren Rand des deutschen Bildungssystems stehen, stellt dieses und damit unsere gesamte Gesellschaft in Frage. Doch, um diese Frage, also auch die Frage nach der Heiligen Kuh, nach den Eigentumsverhältnissen, nicht zu stellen, sondern davon abzulenken, stürzt sich Thilo Sarrazin in dumpfen Rassismus. Damit spielt er die Rolle eines Nicolas Sarkozy, eines Pim Fortuyn, eines Jörg Haider und – zu einem Stückchen – eines Adolf Hitler!

Lernmotivation ist nichts, dass einem Menschen einfach so angeboren ist, sei dieser Mensch nun deutscher, türkischer, polnischer oder französischer Abstammung. Sie wird gesellschaftlich produziert, auch noch so gute LehrerInnen können sie nur hin und wieder erzeugen, nie aber konservieren. Der Wille zu lernen bildet sich in dem Spannungsfeld zwischen der alltäglichen sozialen Situation (habe ich überhaupt eine Chance), den Lehrplänen und Lehr- und Lernmitteln (nutzt mir das was ich in der Schule tue in meinem Leben), dem Aufbau des Bildungssystems und dem Glauben and den Nutzen von hoher formaler Bildung und der Selbstbestimmung der Lernenden.

Und genau dieses Spannungsfeld beleuchtet Sarrazin nicht und darin liegt einer seiner zahllosen Fehler, die er in ihrer Gesamtheit auch noch als politische Positionierung verkaufen will (und glaubt man den Absatzzahlen seines Buchs auch mit großem kommerziellem Erfolg verkauft).

Ohne Chancen keine Motivation

Das deutsche Recht kennt bei „AusländerInnen“ auch den Status der Duldung. Der kann sich auf eine Woche, drei Monate oder auch einen Tag erstrecken. Zahlreiche Menschen werden über Jahre geduldet, sie haben weder Anspruch auf ALG II, noch auf die Teilnahme an Integrationskursen. Sie können kein Bankkonto eröffnen und keine Zeitung abonnieren. Eine Zukunft hat derjenige, der gezwungen ist so zu leben nicht.

Aber die Kinder dieser Menschen sind der Schulpflicht unterworfen. Warum diese Kinder auch nur richtig Deutsch lernen sollen, wenn sie stets in der Gefahr schweben, dass nachts die Polizei kommen könnte, die sie – freundlich formuliert – sehr unsanft zum Flughafen bringt, um sie abzuschieben, erklärt uns Sarrazin nicht.

Wem alle Chancen verbaut sind, der ist nicht motivierbar, aber diese simple Wahrheit findet keinen Eingang in Sarrazins Thesen, denn die würden sein argumentatives Gebäude zum Einsturz bringen.

Abschreiben auf Raten

Die Dreigliedrigkeit des deutschen Bildungssystems (Haupt-, Realschule und Gymnasium) ist so alt wie sie verhängnisvoll ist. Verteidigt wird sie gern, wie beispielsweise durch den sächsischen Philologenverband (Vertretung der GymnasiallehrerInnen) als individuelle Förderung der SchülerInnen. In den Genuss individueller Förderung gelangt allerdings weder der Haupt-, noch der Real- und auch nicht der Gymnasialschüler. Die Tatsache ist: Das deutsche Schulsystem teilt die Kinder mit zehn Jahren in Kategorien ein, aus denen kaum eines mehr heraus kommt: die Superklugen gehen auf Hochbegabtengymnasien; die Klugen, werden an Gymnasien unterrichtet; die Dummen bekommen den Realschulabschluss und die absolut Unfähigen besuchen die Hauptschule. Und die SchülerInnen der verschiedenen Schularten wird diese Einschätzung zumindest suggeriert, wenn nicht wortwörtlich mitgegeben.

Wo soll noch Lernmotivation herkommen, wenn man die Wahl hat zwischen ALG II mit qualifizierendem oder nicht qualifizierendem Hauptschulabschluss? Was lösen andererseits Leistungsdruck und Misserfolgserlebnisse bei „hochbegabten“ SchülerInnen aus?

Deutschlands SchülerInnen – gleich welcher nationaler und sozialer Herkunft – erleben das Bildungswesen als fleischgewordene Fremdzuschreibung von intellektuellen und sozialen Kompetenzen und daraus folgenden Ansprüchen.

Wenn sie überhaupt noch lernen, so lernen sie entfremdet: Stur werden Fakten, Jahreszahlen und Merksätze ins Gehirn gedroschen, um schlechte Noten zu vermeiden. Wenn es für einen Gymnasiasten noch Sinn macht, gute Noten durch auswendig Lernen des von ihm Abverlangten zu erreichen, so ist das für Haupt-, und RealschülerInnen bestenfalls begrenzt sinnvoll. Sie befinden sich in einer Bildungssackgasse, aus der auch gute Noten keinen Ausweg weisen und die ihnen den weiteren Weg weitgehend verbaut. Sie wissen das, denn anders als das deutsche Schulsystem unterstellt sind sie keineswegs intellektuell unterentwickelt.

Intelligenz ist nur oberflächlich gesehen die entscheidende Zuordnungsgröße. Doch, es wäre so schön einfach, wenn sie es wäre! Sarrazin glaubt daran und bescheinigt den türkischen Immigrantenkindern eine geringere Intelligenz als den „deutschen“ Kindern, weshalb diese überdurchschnittlich häufig in Hauptschulen zu finden sind als jene. Leider schweigt er sich darüber aus in der wievielten Generation man „deutsch“ sein muss, um „klug“ und auf dem Gymnasium zu sein. Die Wahrheit ist, dass menschliche Intelligenz im Grunde nichts anderes darstellt als einen Reflex auf die Umwelt, in der ein Mensch lebt. Die soziale Situation formt den Menschen, das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein.

Die Haupt- und Realschulklassen sind voll von jungen Menschen, von Kindern und Jugendlichen, denen die kapitalistische Gesellschaft die weitere Entwicklung ihrer Intelligenz verwehrt. Sie leiden unter ADS und AHDS, werden notdürftig medikamentiert, sie haben Lese-, Rechtschreib- und andere Teilleistungsschwächen, sind funktionale Analphabeten und sind traumatisiert. Vielleicht ist bei ihnen einfach „der Knoten noch nicht geplatzt“ und vielleicht erleben sie auch, dass Vater und Mutter trotz guter Schulabschlüsse seit Jahren arbeitslos oder im Niedriglohnsektor beschäftigt sind. Die wirklichen Gründe für Haupt- und Realschul-„Karrieren“ interessieren niemanden, obwohl sie wesentlich sind. Wenn ein Kind nicht zur Schule geht oder sonst irgendwie nicht so funktioniert wie von ihm gefordert, dann liegt das Versagen eben bei ihm. Das eine moderne Gesellschaft wie die unsere die Verantwortung und auch die Mittel hätte diesen Kindern den Weg auch zu höherer Bildung zu bahnen, ihnen wirklich individuell zu helfen, interessiert nicht. Wer nicht funktioniert fällt durchs Rost, er wird auf Raten abgeschrieben – egal wie alt!

Diese Geschichte erzählt Sarrazin nicht. Denn dann müsste er sich der Frage stellen, warum deutsche Kinder und Immigrantenkinder von den inhumanen Auswirkungen des deutschen Bildungswesens betroffen sind. Dann müsste er zugeben, dass nicht die mitgebrachten Fähigkeiten den Bildungsweg determinieren, sondern das Schul- und Gesellschaftssystem die Intelligenz eines Menschen formen, dass das gesellschaftliche Sein das Bewusstsein bestimmt.

In den Gebieten mit geringem Ausländeranteil gehen vorrangig deutsche Kinder auf die Haupt- und Realschule. Sind die auch einfach weniger intelligent?

Nein, die Tatsache ist, dass der Kapitalismus eine Klassengesellschaft ist und das Klassen aus Schichten bestehen. Die unteren Schichten der Arbeiterklasse rekrutieren sich stets aus Menschen, die von den Unternehmern am besten ausgebeutet werden können und die schlechtesten Arbeiten haben, weil sie ausgeschlossen sind, kaum Kontakt haben, die Sprache nicht sprechen und die „Anderen“ sie fürchten, weil sie „Ghettos bilden“. Wenn die ImmigrantInnen Angst vor den deutschen ArbeiterInnen und diese wiederum Angst vor den ImmigrantInnen haben, wie sollen sie dann einander noch helfen? Wer einmal unten ist, der bleibt unten. Die Kinder vollziehen den Bildungsabschluss der Eltern nach.

Wo es keine ImmigrantInnen gibt müssen die unteren Schichten der Arbeiterklasse woanders her kommen. Deutsche BilligarbeiterInnen schließen die Lücke. Ihre Kinder treten in ihre Fußstapfen. Was Sarrazin als Charakteristikum insbesondere der türkischen ImmigrantInnen ausmacht ist weiter nichts als ein Charakteristikum der Gesellschaftsordnung, die Sarrazin mit rassistischen Parolen verteidigt.

Fremdbestimmt statt selbstbestimmt

Egal welche Nationalität die SchülerInnen an deutschen Schulen haben, sie lernen allesamt fremdbestimmt. Teilweise liegt dies in der Natur der Sache. Man kann nicht über Dinge bestimmen, die man nicht kennt, von denen man nichts weiß. Ein Schüler, der keine Ahnung von der Oktoberrevolution hat, nicht einmal weiß, dass sie stattfand, wird nichts über sie wissen wollen. So wird Fremdbestimmung wohl immer auch ein Teil von Lehr- und Lernprozessen sein. Doch das deutsche Bildungswesen hat die Fremdbestimmung zum Prinzip ernannt. SchülerInnen werden weder rechtlich, noch von ihrem Wissen her in die Lage versetzt über die Gestaltung der Lehrpläne und Lehr- und Lernmittel mitzubestimmen. Erstgenanntes ist fest in der Hand einer staatlichen Bürokratie, das Zweitgenannte liegt in der Hoheit privatwirtschaftlich agierender Konzerne.

Eine problematische Mischung, die letzten Endes dazu führt die Lebenswelt gerade der unteren Schichten der Arbeiterklasse und damit auch die Lebenswelt der Immigrantenkinder auszublenden.

Wer sich aber im Unterricht nicht wieder findet, wem der Unterricht nichts gibt mit dem er sein Leben gestalten kann, der wird kaum motiviert zu lernen. Er wird vielleicht erpresst zu lernen, erpresst mit seiner Angst vor schlechten Noten – die Psychologen nennen das extrinsisch motivieren. Aber er wird nicht innerlich angetrieben zu lernen, hat keine Lust zu entdecken und zu verstehen. Und da sind wir wieder an dem Punkt: Wer schlechte Noten nicht fürchtet, weil er ohnehin schon „unten“ ist, der lernt eben nicht, wenn ihn die Inhalte nicht dazu anregen.

Dieses „Phänomen“ findet sich bei türkischen und deutschen, bei polnischen und russischen SchülerInnen gleichermaßen. Die Erfahrungen des Autors in seinem Lehrberuf mögen hier als Beweis zugelassen sein.

Keine Zukunft

Selbst, wenn ImmigrantInnen nicht den Duldungsstatus haben, sind sie zum weit überwiegenden Teil gezwungen bittere Lebensverhältnisse hinzunehmen. Sie verrichten immer noch in der Regel dreckigere, schwerere und schlechter entlohnte Arbeiten, als ihre durchschnittlichen deutschen KollegInnen. Sie leben in Gegenden mit geringer Wohnqualität, weil sie zu niedrigen Löhnen arbeiten müssen, oder mit ALG II auskommen müssen.

Die Zukunft eines Deutschen auf einer Haupt- oder Realschule ist alles andere als rosig. Die eines Immigranten ist schlichtweg angsterregend. Warum sollen ImmigrantInnen lernen, wenn wir ihnen diese Zukunft bieten? Warum sollen sie ihre Intelligenz entwickeln, wenn die kapitalistische Gesellschaft sie in Ghettos treibt?

Irgendwie übersieht Sarrazin das. Oder sieht er es und will es nicht wissen? Oder sieht er es und will davon ablenken?

Kapitalismus und Sarrazin

Was in drei Teufels Namen haben Sarrazin und das Privateigentum an Produktionsmitteln miteinander zu tun? Einfach alles!

Jede menschliche Gesellschaft ist im Grunde nichts anderes als eine Organisationsform der zu erledigenden Arbeit. Ihr Ziel ist stets die Ausweitung der Produktivität, hierzu entwickelt sie die Produktivkräfte. Produktivkräfte sind im Grunde Produktionsmittel (Maschinen, Werkzeuge) und menschliche Arbeit (körperliche und geistige Arbeit). Die Ausweitung der Produktivkräfte ist somit zu großen Teilen mit der Ausweitung der menschlichen Intelligenz verbunden. Dies ist eine Aufgabe, der sich jede Gesellschaft stellen muss, wenn sie sich weiter entwickeln will.

Das Unvermögen des deutschen Bildungswesens Kinder und Jugendliche zum Lernen zu motivieren, zeigt wie wenig die kapitalistische Gesellschaft als Ganzes noch willens und in der Lage ist die Arbeiterklasse zu bilden und auf diese Weise die Produktivkräfte zu entwickeln.

Eine Gesellschaft aber, die das nicht mehr kann, hat ihren historischen Auftrag erfüllt, sie ist überlebt und nur noch ein Klotz am Bein der menschlichen Entwicklung, sie ist – einfach gesagt – erledigt.

Doch am weiteren Bestehen jeder Gesellschaft haben die Herrschenden, die Unterdrückenden, handfeste materielle Interessen: Häuser, Geld, Autos… Sie werden alles tun, um ihre Gesellschaft zu erhalten, eine herrschende Klasse, deren objektives Ende unwiderruflich eingeleitet ist, wird keine Lüge, keine Gemeinheit scheuen, um ihr Leben zu verlängern.

Sie wird auch einem Thilo Sarrazin helfen sein Buch – so krude es auch sei – so weit wie möglich und so auffällig wie möglich zu verbreiten. Das Problem ist nicht der schmierige Schreiberling mit dem Schnurrbart, sondern die Herren Bosbach (CDU) und Buschkowsky (SPD), die ihre Freude über Sarrazins „Tabubruch“ kaum verhehlen können und BILD und Spiegel, die den Medienhype um das Buch organisiert haben.

Rechtspopulist Sarrazin?

Inzwischen heißt es 18 Prozent würden die „Sarrazin-Partei“ wählen. Bedenklich! Sarrazins Thesen fallen auf einen fruchtbaren Boden, den haben die Etablierten mit ihrer rassistischen Hetze und Sozialabbau über Jahrzehnte hinweg bereitet.

Ob Sarrazin das Zeug um rechtspopulistischen Führer hat ist fraglich. Ausgeschlossen werden kann es nicht, dass er sich nach einem möglichen Ausschluss aus der SPD als Parteipolitiker eines neuen rechten Projekts versucht. Seine Beschimpfung auch von deutschen Hartz-IV-Empfängern würde allerdings die Gefahr mit sich bringen die soziale Demagogie der Rechten zu entlarven.

Das mag das einzige Verdienst Sarrazins zu sein: Er hat allen Unterdrückten gezeigt, was die kapitalistische Gesellschaft von ihnen hält: ImmigrantInnen, Hartz-IV-Empfänger, Niedriglohn-Jobber, jugendliche Arbeitslose, … – Sarrazin beschimpfte sie alle. Kaum ein kapitalistischer Politiker hat damit deutlicher gezeigt, dass sie alle gemeinsam kämpfen müssen, gegen eine Gesellschaft, die ihnen nichts mehr zu bieten hat außer blanken Hass!