Home / Themen / Bewegungen & Proteste / Antikapitalistische Bewegung / Antikapitalistische Praxis ohne Plan?

Antikapitalistische Praxis ohne Plan?

Print Friendly, PDF & Email

Bildungsstreik, Anti-Nazi-Proteste, Krisendemos und Castortransporte: Vor Linksjugend ["solid] liegen große Herausforderungen.


 

Eine sozialistische Jugendbewegung, die an die Wurzel dieser Übel geht, ist notwendig. Wie können wir sie aufbauen? Können wir einen Plan entwickeln, der über ein paar Aktionen hinaus geht und uns in die Lage versetzt, die Grenzen des Systems zu sprengen?

von Michael

Über die Frage, wie sich eine sozialistische Jugendorganisation aufbauen kann, diskutierte der Linksjugend ["solid] Bundeskongress Ende März. Der Hauptantrag des BundessprecherInnenrates beinhaltete „Unsere Perspektiven für eine antikapitalistische Praxis“. Der nur wenig diskutierte Abschnitt gab jedoch keine Antwort, wie wir sozialistische Ideen stärken.

Praxis ohne Programm

Der Abschnitt besagt, dass programmatische Vorschläge wie Vergesellschaftung nicht in den Vordergrund zu stellen seien, weil sie „den meisten Menschen, selbst wenn sie sie teilen, zunächst unrealistisch erscheinen.“ Aber wie bildet sich Bewusstsein? Vor allem in Kämpfen. Die Aufgabe ist es, bei den Kämpfen dabei zu sein und sozialistische Forderungen und ein Programm vorzuschlagen. Stattdessen beschränkt sich der Antrag vom BundessprecherInnenrat auf „eine Aneignungspraxis, die bestehende Herrschafts- und Eigentumsverhältnisse in Frage stellt“.

Das bedeute, sich auf kurzzeitige Besetzung von Plätzen oder kollektives Schwarzfahren zu konzentrieren. Diese Aktionen – ohne programmatische Vorschläge – seien „der Kern für unser Verständnis von sozialistischer Politik heute.“ Das reicht aber nicht.

Was ist das Problem?

Der Verband wird seinem Anspruch als sozialistische Jugendorganisation damit nicht gerecht. Mitglieder von Linksjugend ["solid] waren im Bildungsstreik und anderswo ganz vorne dabei, Hörsäle zu besetzen, Streiks zu organisieren und Leute dafür zu begeistern.

Aber Aktionen gibt es auch ohne uns: In Marburg besetzen im Mai wieder 600 Studierende die Stadtautobahn. In Neuendorf bei Elmshorn besetzten 155 Druckmaschinenhersteller zwei mal ihr Fabrikstor. Im Jahr 2009 wurden über 80 Hörsäle besetzt. Auch 2010 führen Tausende aus ihrer Wut heraus Besetzungen und radikale Aktionen durch. Das Problem ist, dass dann eine sozialistische Jugendorganisation erst richtig nötig ist. Wenn der Hörsaal besetzt ist, kommt die Frage auf: Wie können wir unsere Forderungen in der Krise finanzieren? Wie kann Bildung anders aussehen? Wie bauen wir die Bewegung auf? Hier müssen wir eine Antwort geben.

Praxis ♥ Programm

In den Workshops, Diskussionen und Freiräumen, die sich zum Beispiel in der Bildungsstreik-Bewegung eröffnen, sollten wir uns mit sozialistischen Ideen in die Diskussion einbringen. Das Rad muss nicht jedes Mal neu erfunden werden. Für gute Vorschläge und Ideen sind Viele dankbar.

Eckpunkte dafür könnten sein: Geld für Bildung statt für Banken und Konzerne: Wenn der Reichtum unser Eigentum und unter unser Kontrolle und Verwaltung ist, wäre genug Geld für alle Bedürfnisse der Allgemeinheit da. Deshalb müssen Banken und Konzerne verstaatlicht werden. Das war der programmatische Hintergrund für die symbolischen Banküberfälle im Jahr 2009.

Statt Bachelor/Master und Turbo-Abitur brauchen wir die Forderung nach der demokratischen Neugestaltung der Lerndauer und der Inhalte durch demokratische Komitees aus Lernenden, Lehrenden und Gewerkschaften. Die Frage zu beantworten durch wen und in wessen Interesse die Schulen, Unis, Berufs- und Fachhoschulen betrieben werden, ist unsere Aufgabe.

Das eröffnet den Kampf um eine Bildung, die in unserem Interesse und nicht im Interesse von Unternehmern und Profiten organisiert ist. Es eröffnet die Vision einer sozialistischen Gesellschaft, die für uns nicht die abgehobene Diktatur einiger Parteibürokraten ist, wie in der DDR.

Sozialistischer Jugendverband

Linksjugend ["solid] hat das Potential der sozialistische Jugendverband zu werden, der an die Wurzel von Bildungsabbau, Rassismus, Zukunftsklau und Umweltzerstörung geht. Die Vorschläge des BundessprecherInnenrates sind dafür unzureichend. Die Mitglieder der SAV treten für einen anderen Kurs ein: Für einen Kampf um Verbesserungen der Lage von Allen hier und jetzt sowie gegen die Angriffe der Unternehmer und Regierung. Unser Programm sollte kein Geheimgut der Mitglieder sein. SAV-Mitglieder bringen Forderungen ein, die den Weg in eine Gesellschaft eröffnen, die im Interesse der Mehrheit durch die Mehrheit wirtschaftet und lebt.