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Schmerz und Revolution

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Zur Frida-Kahlo-Retrospektive in Berlin


 

Am 30. April startet in Berlin die bislang umfangreichste Ausstellung über die mexikanische Künstlerin.

von Leonie Blume, Kassel

Frida Kahlo hatte ein bewegtes Leben. Bereits als Sechsjährige erkrankte sie an Kinderlähmung. Bei einem Busunglück 1925, Frida war gerade einmal 15, bohrte sich ein Stahlrohr durch ihre Hüfte. Infolge des Unfalls litt sie ihr Leben lang an Schmerzen. Sie war lange Zeit an das Bett beziehungsweise den Rollstuhl gefesselt. Die mehreren Fehlgeburten und ihr lebenslanges Leiden, das auch zu ihrem frühen Tod mit 47 Jahren führte, prägten ihre Bilder.

Der andere Unfall

1929 heiratete Frida Kahlo den berühmten mexikanischen Wandmaler Diego Rivera. Rivera liebte Frida, inspirierte und unterstützte ihre Malerei. Gleichzeitig verletzte er sie aber auch immer wieder durch sein notorisches „Fremdgehen“, unter anderem mit Fridas Schwester Cristina. „Ich bin in meinem Leben von zwei großen Unfällen betroffen worden“, sagte Frida Kahlo einmal. „Der eine geschah, als ich von einer Straßenbahn überfahren wurde, der andere ist Diego.“

Rivera war Generalsekretär der Kommunistischen Partei Mexikos, wurde jedoch 1929 von den Stalinisten aus der Partei geworfen. Frida, die ihrerseits im Bund Junger Kommunisten war, trat aus Protest ebenfalls aus. Rivera schloss sich 1936 der IV. Internationale an und setzte sich dafür ein, dass der Revolutionär Leo Trotzki und seine Frau Natasha Asyl in Mexiko bekamen. Bei ihrem Aufenthalt bei den Riveras entstand eine Liaison zwischen Trotzki und Frida.

von Sehnsüchten und Selbstbildnissen

Frida begann nach ihrem schweren Unfall zu malen, als sie monatelang ans Bett gefesselt war. Ihr Vater ließ einen Spiegel über ihrem Bett anbringen, so dass sie sich selbst Modell stehen konnte. Die Selbstbildnisse sollten später zu einer Art Markenzeichen werden.

In ihren Werken bezieht sich Frida Kahlo auf die frühe Kunst Mexikos. So kleidete sie sich auf ihren Bildern oft in der Tracht der Tehuantepec, einem indianischen Stamm, der in matriarchalen Strukturen lebte. Gleichzeitig lief sie auch maskulin in Hosenanzügen herum und feierte rauschende Parties. Ihre Arbeiten spiegeln soziale, politische und vor allem persönliche Aspekte ihres Lebens wider. Auch wenn das Leiden einen großen Stellenwert in ihren Werken einnahm, hatte Frida einen starken Willen und eine positive Einstellung zum Leben. So sind viele ihrer Werke doppeldeutig und auch humoristisch zu lesen.

Frida Kahlos Stil reicht von der Neuen Sachlichkeit, dem mexikanischen Estridentismus – einer Künstlerbewegung aus der Mexikanischen Revolution – bis hin zum Surrealismus und ihrem ganz eigenen Realismus. Frida Kahlo hatte Ende der dreißiger Jahre Einzelausstellungen in New York sowie Paris und erhielt später einen Lehrstuhl an der Schule für Malerei und Skulptur.

Selbstbildnis mit Dornenhalsband

Ein Werk, das im Martin-Gropius-Bau zu sehen sein wird, ist das Selbstbildnis mit Dornenhalsband aus dem Jahre 1940. Das Bild entstand nach der Scheidung von Diego. Die Dornen um ihren Hals symbolisieren ihre seelischen Qualen. Der tote Kolibri, der die Form ihrer zusammengewachsenen Augenbrauen – auch ein Markenzeichen von Frida – nachzeichnet, steht in Mexiko für Glück in der Liebe. Dagegen ist die schwarze Katze auf ihrer Schulter ein Symbol für Unglück und den Tod, der Affe – ein Geschenk von Diego – ein Zeichen des Teufels. Das Bild wollte Frida eigentlich einem damaligen Liebhaber schenken. Allerdings musste sie das Gemälde schließlich doch verkaufen, um Geld für den Scheidungsanwalt aufzubringen.

Frida-Kahlo–Retrospektive:

Ausstellung vom 30. April bis 9. August im Martin-Gropius-Bau in Berlin