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Großbritannien: Flugbegleiter im Streik

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British-Airways-Beschäftigte trotzen Einschüchterungskampagne


 

London. Es ist der erste Streik von British-Airways-Kabinencrews seit 13 Jahren, der am Samstag an den Londoner Airports Heathrow und Gatwick begonnen hat. Er soll zunächst am heutigen Montag ausgesetzt und am 27. März wieder aufgenommen werden, wenn es auch in dieser Woche nicht zu einer Tarifeinigung mit dem BA-Management kommt.

von Christian Bunke, London

Mit dem Ausstand protestieren die Flugbegleiter gegen die Streichung von Stellen, das Einfrieren ihrer Gehälter und die schlechtere Bezahlung für neu eingestellte Beschäftigte. Das BA-Management hatte die geltenden Tarifverträge im November aufgekündigt und will Nullrunden bei den Löhnen durchsetzen und neue Arbeitskräfte zu verschlechterten Bedingungen einstellen. Dabei haben Berufsanfänger bereits jetzt ein sehr niedriges Anfangsgehalt von lediglich 14000 Pfund pro Jahr. Nach Angaben von Tony Woodley, Generalsekretär der Gewerkschaft Unite, wollen die Manager die Gehälter ihrer Angestellten bis 2014 einfrieren.

BA-Chef Willie Walsh hat im Vorfeld alles in seiner Macht Stehende getan, um den Streik zu verhindern. Eigentlich hätte er schon in der Weihnachtszeit stattfinden sollen, aber der Konzern zog vor Gericht und ließ dies verbieten. Die Richter hatten angebliche Fehler im Urabstimmungsverfahren erkannt. Britische Gesetze zwingen den Gewerkschaften hier ein kompliziertes Procedere auf.

Als schließlich die Streiktage im März bekanntgegeben wurden, begann eine beispiellose mediale Hetzkampagne gegen Gewerkschafter und »unverantwortliche« BA-Mitarbeiter. Die Konservativen traten auf den Plan und erkannten in dem Streik eine »fatale Schwäche« der Labour-Partei. Deren Parlamentsfraktion sei von Unite-Mitgliedern unterwandert. Premierminister Gordon Brown will nun das Gegenteil beweisen, verhandelt täglich mit Unite um einen Streikabbruch und verurteilt den Ausstand lautstark.

In den Wochen vor dem Streik hatte die innerbetriebliche Repression gegen Gewerkschaftsmitglieder nach Unite-Angaben massiv zugenommen. Es kam zu einem rapiden Anstieg von Disziplinarverfahren. Dennoch beteiligten sich 80 Prozent der rund 20000 Flugbegleiter am Arbeitskampf. Die Folge: Langstreckenflüge starteten nur vereinzelt und mit Rumpfbesatzungen. Mehrere hundert Beschäftigte beteiligten sich an Streikkundgebungen (Foto hier am Samstag in Heathrow). Auch wenn Nachrichtenagenturen anderes behaupten: Das BA-Management konnte den Streik nicht behindern.

Ab dem kommenden Samstag soll vier Tage lang gestreikt werden, wenn die Verhandlungen diese Woche erneut scheitern. Zuletzt hatte Unite am Freitag sogar versprochen, den Streik abzusagen, wenn BA ein in der vorangegangenen Woche zurückgezogenes Angebot erneut auf den Tisch lege. Statt dessen unterbreitete der Konzern unter Verweis auf bereits erlittene Verluste ein noch ungünstigeres Angebot.

Dieser Artikel erschien zuerst in der jungen Welt vom 22.3.2010