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Aktuelles aus der Reinigungsbranche

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Tarifvertrag endlich wirksam


 

Seit heute gilt in Deutschland wieder ein Mindestlohn in der Gebäudereinigung. Der im Oktober letzten Jahres erkämpfte Tarifvertrag wurde allgemeinverbindlich erklärt. Die zwei Monate bis dies geschah, nutzten Firmen zum Lohnbetrug.

von Krischan Friesecke, Berlin

Im Oktober letzten Jahres erkämpften sich mit einem gut zweiwöchigen Streik die GebäudereinigerInnen einen neuen Tarifvertrag. Das Bedeutende an diesem Streik war die komplett fehlende (es war der erste bundesweite GebäudereinigerInnenstreik überhaupt) Kampferfahrung und die Symbolkraft, dass auch „prekär“ Beschäftigte sich wehren können. Schon während der Streikmaßnahmen griffen verschiedene Unternehmen zu repressiven Aktionen, bis hin zu Kündigungen wegen Warnstreikbeteiligung. Nachdem der Streik gewonnen war, herrschte erstmal Ruhe. Erstmal, denn viele Gebäudereinigungsfirmen enthielten den KollegInnen die erkämpfte Lohnerhöhung vor. Als Rechtfertigung diente die fehlende Allgemeinverbindlichkeit des neuen Tarifvertrages. Arnulf Piepenbrock, Chef des gleichnamigen Unternehmens, berief sich in einer Pressemitteilung darauf, das nur Koalitionspartner, sprich Mitglieder der IGBAU, Anrecht auf den höheren Lohn hätten. Als wenn es normal wäre zum Chef zu gehen und zu verkünden, man sei Gewerkschaftsmitglied. Wer die Branche etwas kennt, der weiß, das Gewerkschafter dort keine guten Karten haben, nicht wenige Firmen pfeifen auf das Arbeitsrecht. Die Lohnvorenthaltung ist nichts anderes als der Versuch auf den Schultern der KollegInnen Extraprofit zu machen. Es war nach vergangenen Tarifrunden Gang und Gäbe, dass die Tariflöhne auch denen gezahlt wurde, die nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Jetzt geht es um viel Geld, nur rund zehn Prozent der Beschäftigten der Reinigungsbranche sind Gewerkschaftsmitglieder.

Mit der jetzt erklärten Allgemeinverbindlichkeit ist diesem Lohnbetrug erstmal der Riegel vorgeschoben. Das nächste Problem, das angegangen werden muss sind die miesen Arbeitsbedingungen in der Branche, da ist die IG BAU gefordert dran zu bleiben.

Krischan Friesecke ist erwerbsloser Gebäudereiniger und war aktiv im Streik im letzten Jahr.