Interview mit einer Gruppe von Tekel Arbeitern aus Diyarbakir

von SAV-Reportern in Ankara


 

Frage: Wieviele Arbeiter sind aus Diyarbakir von der Tekel Schliessung betroffen und wieviele von euch sind hier?

Antwort: 1000 Arbeiter sind betroffen und 400 sind hier.

Wie begann euer Kampf?

Eigentlich begann alles schon 2002, als die Regierung anfing zunächst den Alkoholbereich von Tekel an einen ihrer Kapitalisten-Freunde aus der Tuerkei abzugeben, der dann mit Gewinn weiterverkaufte. 2006 wurde der Tabakbereich für 1,7 Milliarden Dollar an American Tabacco verkauft. Schon die ganze Zeit gab es Konflikte, aber als wir dann die Briefe bekamen, die uns dieses Gnadenangebot machten haben wir begonnen zu kämpfen. Dies war auch der Beginn der Neuerwachung der Arbeiterklasse.

Wie bilanziert ihr den Streik vom 4. Februar?

Zwei Millionen waren im Streik, 5 von 6 Gewerkschaftsdachverbände haben sich beteiligt. Schon vorher gab es Streiks, die Tag für Tag gesteigert wurden.

Am 12. Februar kommen die Gewerkschaftsverbände zusammen um über weiteres Vorgehen zu beraten. Was erwartet ihr von diesem Treffen?

Es sollte wieder einen Generalstreik (der Kollege weist uns, nachdem er den Begriff verwendet hat, darauf hin, dass Generalstreik verboten ist in der Türkei und daher auch oft der Begriff Generalaktion verwendet wird) geben. Eintägig und dann erweitert auf zwei, drei oder mehr Tage.

(Unterbrechung, weil Bananen und Kuchen gebracht und verteilt werden.)

Wir hat sich euer Verhältnis zur AKP verändert?

Von uns Arbeitern haben 70 Prozent AKP gewählt. Die Abgeordenten haben uns ein Ehrenwort gegeben, dieses haben sie gebrochen (Anmerkung: gemeint ist das Versprechen, dass Tekel Arbeiter auch nach der Privatisiserung zu gleichen Bedingungen weiterbeschäftigt werden) und die Wut darüber ist natürlich riesig. Wir werden uns nicht mehr als Wahldepot der AKP behandelt lassen.

Eine Besonderheit eures Kampfes, ist, dass Türken und Kurden zusammenstehen. Was bedeutet das für euch?

Als wir herkamen waren wir Arbeiter verschiedener Herkunft. Hier sind wir nun nun alle zusammen. Lazen, Türken, Kurden, Çerkessen… Wir haben uns gegenseitig unsere Tänze beigebracht und diese zusammen getanzt. Dies hier ist für uns eine Schule der Brüderlichkeit geworden.

Die AKP hat uns die “demokratische Öffnung” (Anmerkung: Die Regierung kündigte im Spätsommer letzten Jahres Reformen in Bezug auf die kurdische Frage an, was sich schnell als heisse Luft herausstellte) versprochen. Nichts ist passiert. Die “demokratische Öffnung” findet nun hier statt.

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