Diskussionen über weiteren Generalstreik in der Türkei

Bericht vom Kampf der TEKEL-ArbeiterInnen


 

von SAV-Reportern in Ankara

Wie schon berichtet werden die Gewerkschaftsverbände am Freitag über weitere Schritte verhandeln. Dies ist sehr spät – eine Woche nach dem Generalstreik von rund zwei Millionen ArbeiterInnen vom 4. Februar. Dahinter steckt offensichtlich nicht nur die Angst beziehungsweise der Unwillen weitere Kampfmassnahmen organisieren zu müssen – sondern auch die Hoffnung den Konflikt schnell lösen zu können. So sind die Gewerkschaftsführungen auf die Regierung zugegangen und haben um Gespräche gebeten. Gestern hat Erdogan dann verkündet, dass er nur bereit ist mit Kumlu (dem Führer von Tuerk İş) zu reden. Unsere Erfahrung ist, dass wirklich alle mit denen wir sprechen eine Steigerung der Kampfmassnahmen erwarten oder fordern.

Die Antwort ist immer die gleiche: Generalstreik. Und der Punkt, den die ArbeiterInnen immer wieder betonen, dass weitere Branchen einbezogen und vor allem Themen, die die gesamte Arbeiterklasse betreffen aufgegriffen werden.

Alle hier sprechen von sich als Teil der Klasse. Mehrmals haben wir jetzt von ArbeiterInnen gehört, das sie von sich selbst sagen, dass sie durch den Kampf die Verhältnisse verstehen gelernt haben. „Früher haben wir kein Bewusstsein gehabt, durch diesen Kampf sind uns die Augen geöffnet worden“ oder „Wir haben so lange geschlafen, jetzt sind wir erwacht. Wir haben keine Heimat mehr unsere Heimat ist dieser Kampf.“

Wie wir schon geschrieben haben gab es unter den ArbeiterInnen klare Reaktionen auf den Versuch der Spaltung durch die Behauptung die PKK unterwandere den Protest. Viele der Parolen von gestern und heute waren eine Antwort darauf: „Kein Überleben alleine. Alle zusammen oder niemand“. Interessant ist, dass die Regierung in dieser Frage offenbar so unter Druck geraten ist, dass sich der Arbeitsminister öffentlich entschuldigen musste.

Die Regierung versucht allem Anschein nach den Konflikt mit Demoralisierung und Spaltung zu lösen – indem sie über die Presse verbreitet – viele der Arbeiter hätten inzwischen die Abfindungen angenommen. Allerdings kam heraus, dass Arbeiter ohne ihre Einwilligung die Abfindungen überwiesen bekommen haben.

Trotzdem besteht die Gefahr der Demoralisierung. Nicht nur wegen der Regierungspropaganda sondern auch weil die Gewerkschaften sich so viel Zeit lassen. Eigentlich hätte es schon diese Woche weitere Massenstreiks beziehungsweise Generalstreik geben müssen. Die Entschlossenheit der Tekel-ArbeiterInnen ist groß, aber sie können nur erfolgreich sein, wenn die Solidarität, die sie erfahren auch weitere Kampfmassnahmen der Beschäftigten anderer Bereiche nach sich zieht. Dies so schnell wie möglich zu organisieren wäre die Aufgabe der Gewerkschaften.