Home / Themen / Bewegungen & Proteste / Antikapitalistische Bewegung / Polizeibrutalität beim Klimagipfel

Polizeibrutalität beim Klimagipfel

Print Friendly, PDF & Email

Gespräch mit Ongoo Buyanjargal, die in Kopenhagen mitdemonstrierte. Die Fragen stellte Aron Amm


 

Am 12. Dezember wurden fast 1.000 Demonstranten verhaftet. Warum kam es zu den Festnahmen?

Anlässlich des Klimagipfels wurde ein Gesetz erlassen, nach dem die dänische Polizei befugt ist, präventiv Aktivisten festzunehmen.

Wir sind als CWI-Block mitgelaufen, haben Slogans wie „Save the planet, smash the system, what we need is socialism“ gerufen. Die Demonstration mit 100.000 Teilnehmern war friedlich. Wir wurden ganz plötzlich von der Demo getrennt und eingekesselt, es wurden vorher weder Steine geschmissen noch gab es andere Provokationen seitens der Demonstranten.

Wie verhielt sich die Polizei, als sie Euch verhaftete?

Unsere Taschen wurden durchsucht, dann wurden unsere Hände auf dem Rücken mit Kabelbindern gefesselt und wir wurden in einer Reihe nach Geschlecht getrennt hingesetzt. Bezugsgruppen wurden weit auseinander gesetzt.

Es war bereits dunkel, die Temperatur sank dementsprechend auf fast null Grad, wir mussten in V-Form ineinander verkeilt auf dem kalten Betonboden sitzen. Die Kabelbinder wurden zum Teil so fest um die Handgelenke gebunden, dass sie sich ins Fleisch schnitten und die Hände taub wurden. Mein Daumen ist noch immer taub.

Wir hatten weder Informationen über den Grund noch über die Dauer und den Verlauf der Festnahme, wir durften nicht auf Toilette und von Essen, Trinken und Wärme konnte man nur träumen. Du saßt unschuldig gefesselt auf dem kalten Boden und musstest mitansehen, wie Leute um dich herum geschlagen wurden. Viele weinten, einige bekamen Schockanfälle. Viele, die nicht zur Toilette gelassen wurden, mussten in die Hose machen und harrten in ihrem eigenen Urin weiter aus.

Nach vier Stunden wurde man abtransportiert. Dort mussten wir abermals in der selben Stellung ausharren. Absolute Willkür entschied, ob und wann man frei kam oder in die „Hühnerkäfige“ gesteckt wurde.

Wie haben die CWI-Mitglieder auf die Polizeigewalt reagiert?

Als wir eingekesselt wurden, haben wir sofort Ketten und eine Sitzblockade gebildet. Wir waren friedlich, wollten den Polizisten keine Möglichkeit zum Zuschlagen geben. Slogans wie „This is what democracy looks like“ wurden schnell von den anderen Demonstranten übernommen.

Joe Higgins, EU-Parlamentsmitglied und CWIler, übte noch am selben Abend auf die dänische Polizei Druck aus. Nach der Verhaftung wurde eine gutbesuchte Pressekonferenz von der schwedischen Sektion des CWI organisiert. Es sprachen unter anderem auch Vertreter von Friends of the Earth.

Welche Schlussfolgerung ziehst du aus den Ereignissen?

Klar ist, dass solche Gipfel immer mehr genutzt werden, um Ausnahmezustände zu legitimieren. Ziel ist die Einschüchterung der Bevölkerung: Wer sich mit dem Staat anlegt, kriegt eins in die Fresse.

Während die Umweltzerstörung immer bedrohlichere Ausmaße annimmt, setzen sich als Staatsoberhäupter getarnte Lobbyisten zusammen und zeigen sich unfähig, die Umweltkrise zu stoppen. Wie auch? Profite gehen nun mal vor Mensch und Natur. Höchste Zeit, dieses System zu ändern.