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Bildung mal anders

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Besetzung der Aula 1 in Köln


 

Seit Dienstagabend halten Studierende die Aula 1 im Hauptgebäude der Kölner Uni besetzt.

Toni, Student an der Uni Köln, schildert im Interview seine persönlichen Eindrücke von der Besetzung.

Wie verhält sich die Leitung der Hochschule?

Die haben gleich am Anfang gesagt, dass sie bei einigen Punkten ja mit uns übereinstimmen. Als der Prorektor heute Morgen in die Aula kam, wollten wir wissen, welche Punkte das seien. Er meinte aber nur, darüber würde er erst mit uns sprechen nachdem wir in einen anderen Raum umgezogen wären. Angeboten wurde ein Seminarraum oder ein Hörsaal im Keller. Das haben wir abgelehnt. Daraufhin ist er abgezogen und hat dabei mit Räumung gedroht. Inzwischen hat er wohl auch Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch gestellt.

Angeblich wird die Aula als Hörsaal für andere Vorlesungen benötigt. Tatsächlich wurden aber schon gestern ein leer stehender Hörsaal als Ausweichquartier genutzt. Offensichtlich geht es nur darum, die Besetzung zu beenden.

Was soll mit der Hörsaal-Besetzung erreicht werden?

Meiner Meinung nach ist das zunächst mal ein symbolischer Akt, um unseren Protest zu zeigen. Außerdem haben wir mit dem Saal jetzt einen Raum, in dem wir unsere Vorstellungen von einer anderen Bildungspolitik diskutieren können.

Die Uni-Leitung macht uns Druck, wir sollen sagen was wir von ihr wollen und dann unsere Sachen packen. Genau diesen Druck lehnen wir aber ab. Wir haben in unserem Studienalltag immer Druck. Jetzt wollen wir diskutieren, welche Bildung wir wollen und zwar bewusst ohne Druck.

Bekommt ihr Unterstützung von anderen Organisationen?

Es waren verschiedene Mitglieder politischer Gruppen und Parteien da. Die Versammlung hat allerdings beschlossen, dass in der Aula keine Parteifahnen aufgehängt werden dürfen, damit sich niemand dadurch abgestoßen fühlt.

Am Dienstag die große Demo, dann eine lange Vollversammlung, die in einen unbefristete Besetzung überging. Du warst von Anfang an dabei, ziemlich anstrengend?

Ich habe seit Montagmorgen bis jetzt, Donnerstagnachmittag, nur 12 Stunden geschlafen. Vielen anderen geht es ähnlich.

Wie läuft die Organisation der Besetzung?

Irgendeiner macht die Moderation. Wir haben Arbeitsgruppen gebildet, für die Mobilisierung, Presse, Essen, Forderungen… . Im Plenum, also im Hörsaal, machen die Anwesenden Vorschläge, die werden dann diskutiert oder als Aufgabe an die Arbeitsgruppen weitergegeben. Später berichten die, was sie gemacht haben. Über praktisch alles wird abgestimmt. Schriftliche Sachen, wie eine Pressemitteilung, werden an die Wand projiziert, damit alle sie lesen und ihre Meinung dazu sagen können. Über Änderungen und Ergänzungen wird dann abgestimmt.

Welche Erfahrungen hast Du gemacht?

Mir persönlich gefällt die lockere Atmosphäre. Es wird nämlich trotzdem konstruktiv gearbeitet und es kommt dabei etwas heraus. Ein kleines Beispiel: Ich habe mich einfach mal neben den Redner vorne auf einen Stuhl gesetzt, um den Hörsaal mal aus dieser Perspektive zu sehen, während er sprach. So etwas dürfte ich in einer normalen Vorlesung nicht machen. Man erlebt gerade, dass es auch ganz anders laufen könnte.