Streiks bei Royal Mail

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Widerstand gegen drohende Privatisierung der britischen Post


 

Von Donnerstag bis Samstag fand in Großbritannien die zweite landesweite Streikserie im Arbeitskampf bei Royal Mail statt.

Von Christian Bunke, Manchester

Bis kurz vor Streikbeginn fanden Gespräche zwischen der Communication Workers Union (CWU) und Royal-Mail-Management statt. Über den genauen Inhalt der Gespräche wurde nichts bekannt. Jedoch beschuldigte die CWU das Royal Mail Management, zum wiederholten Male eine mögliche Einigung sabotiert zu haben. Die Gewerkschaft erklärte in einer Mitteilung, sie wolle Arbeitsniederlegungen über die Weihnachtszeit vermeiden. Trotzdem wurden bereits zwei weitere Streiktage für den kommenden Freitag und Montag bekanntgegeben. CWU-Generalsekretär Billy Hayes erklärte: »Wir sind frustriert über die konstante Blockade der Unternehmensführung, jedoch hoffen wir auf eine Einigung in dieser Woche. Dieser Streik ist nicht unausweichlich.«

Derweil strengt die CWU ein Gerichtsverfahren gegen Royal Mail an. Das Unternehmen hat 30000 Leiharbeiter angestellt, um den Streik zu brechen. Dies ist nach Auffassung der CWU rechtswidrig. Die CWU fordert ein Ende dieser Praxis. Royal Mail hat außerdem drei sogenannte Streikbrecherzentren eingerichtet. Diese sind ausschließlich mit Leiharbeitern besetzte Depots. Damit will Royal Mail auch während Streiks arbeitsfähig bleiben.

Die bisherigen Streiks verliefen sehr erfolgreich für die CWU. Laut Gewerkschaftsangaben gibt es mittlerweile einen riesigen Rückstau an unausgelieferter Post. Bis zu 100 Millionen Briefe und Pakete wurden noch nicht ausgeliefert.

Royal-Mail-Manager zeigten sich von der Solidarität für den Streik aus der Bevölkerung überrascht. In vielen Städten gründen sich erste Solidaritätsgruppen. In London unterstützte die Transportarbeitergewerkschaft RMT den Arbeitskampf von Anfang an.

Die Royal-Mail-Manager wollen längere Arbeitszeiten und Entlassungen durchsetzen. Mittelfristig soll die Privatisierung der Post vorbereitet werden. Vielerorts werden Manager nach »Leistung« bezahlt: Für weggemobbte Arbeiter gibt es Bonuszahlungen.

CWU-Mitglieder fordern ein sofortiges Ende solcher Methoden. Sie verlangen außerdem Verhandlungen über jede geplante »Modernisierungsmaßnahme«. Die Postler sind außerdem wütend über das Einfrieren ihrer Löhne, während Royal-Mail-Manager die am besten bezahlten Führungskräfte im öffentlichen Sektor sind. Chief-Executive Adam Crozier verdient weit über fünf Millionen Pfund pro Jahr, Boni eingeschlossen. Zugleich gibt es bei Royal Mail ein 60-Millionen-Defizit in der Rentenkasse für die Beschäftigten.

Möglicherweise kommt ein zeitweiliger Waffenstillstand auf Druck der Labour-Regierung zustande. Zwar streben alle im Parlament vertretenen Parteien mittelfristig die Privatisierung der Royal Mail an. Aber spätestens im Mai sind Parlamentswahlen, unpopuläre Arbeitskämpfe kommen da ungelegen. Die große Konfrontation bei Royal Mail könnte Aufgabe einer neuen Tory-Regierung werden.

Dieser Artikel erschien zuerst in der jungen Welt von heute.