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„Das Angebot ist blanker Hohn…“

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Bericht vom Erzieherstreik in Kassel


 

…wir woll’n Gesundheit und mehr Lohn!“ So schallte es durch die Kasseler Innenstadt und das Rathaus.

KollegInnen von GEW und ver.di zogen am 28.05.09 im Rahmen ihres Aktionstages spontan von der Streikkundgebung mit einer lauten und bunten Demonstration durch die Fußgängerzone.

„Was tut den Arbeitgebern weh? – Der Streik von ver.di & GEW!“, hörten die PassantInnen und während der kleinen Zwischenkundgebungen wurde darauf aufmerksam gemacht, unter welch katastrophalen Bedingungen die Kita-Beschäftigten arbeiten. Es gab positive Rückmeldungen von den PassantInnen und als der Demozug durch das Rathaus ging sah man neben staunenden Gesichtern im Rathaus auch solche die applaudierten und sichtlich erfreut über die Aktion waren.

von Eckhard Geitz, Kassel

In Kassel wird das Pfingstwochenende traditionell mit dem Stadtfest begangen.

Was für die KasselänerInnen ein wenig Zerstreuung in die Innenstadt bringt, hat für politische Versammlungen eine unangenehme Begleiterscheinung: Infostände und Kundgebungen müssen schon während der Tage vor dem Wochenende aus dem hochfrequentierten Innenstadtbereich ausweichen. Das galt auch für die ver.di-Streikkundgebung am 28.05.09. Unter dem Eindruck von kühlem Regenwetter kamen ca. 150-200 KollegInnen zusammen und applaudierten, als von den RednerInnen berichtet wurde, dass die Verhandlungen mit den Arbeitgebern abgebrochen seien, weil diese sich nicht bewegen.

Während allerdings die Reden sehr knapp und eher unpolitisch gehalten wurden, verteilten die KollegInnen Flugblätter der Gewerkschaften GEW und ver.di. Über die Lautsprecheranlage tönte aufgenommener Kinderlärm und auf dem Kundgebungsplatz konnten sich die wenigen vorbeikommenden PassantInnen an Informationsständen im Dialog mit den Beschäftigten der Erziehungs- und Sozialdienste ein Bild von den schwierigen Arbeitsbedingungen machen.

Die ca. 30 KollegInnen der GEW wurden zwar von Seiten der Kundgebungsleitung per Mikrophon begrüßt, allerdings war ihre Teilnahme aufgrund der eigenen Initiative zustande gekommen. Sie sind von ver.di nicht eingeladen worden und so hatten einige KollegInnen den Eindruck, dass ver.di scheinbar organisationspolitische Interessen vor den gemeinsamen Kampf stellt.

Erhärtet wurde der Eindruck dadurch, dass bereits am 26.05.09, als 5000 KollegInnen in Fulda zu einer Streikdemonstration zusammenkamen, der hessische GEW-Vorsitzende Jochen Nagel nicht auf der Kundgebung hatte reden können, obwohl er darum gebeten hatte.

Eine Barriere, wie sie von Seiten von ver.di aufgebaut wird existiert unter den KollegInnen nicht: „Wir arbeiten tagein, tagaus in den selben Einrichtungen. Unsere Interessen sind nicht unterschiedlich. Wo soll das hinführen. Sollen wir demnächst auch sagen, hier ist die ver.di-Bastelecke. Geh Du in die GEW-Spielecke. Das ist doch Quatsch.“

Nicht nur die Frage des Umgangs der Gewerkschaften miteinander, sondern auch die Frage der Streiktatktik wurde unter den KollegInnen besprochen. Die Tatsache, dass in der Woche nach Pfingsten erstmal wieder nicht gestreikt wird, wurde von vielen KollegInnen sehr kritische betrachtet, weil sie darum fürchten, dass durch diese Streiktaktik der Streik gerade zu einem Zeitpunkt abgebrochen wird, an dem er beginnt Wirkung zu zeigen.

Die teilweise ein wenig gedämpfte Stimmung verflog schnell, als die KollegInnen der GEW an ihren Besuch der Streikkundgebung eine Spontandemo anschlossen.

Unter Sprechchören verließen zunächst die 30 GEWlerInne die Kundgebung in Richtung Innenstadt. Unabgesprochen schlossen sich in sehr kurzer Zeit mindestens ebenso viele ver.di-KollegInnen an und machten sich auf dem Weg durch die Fußgängerzone zum Rathaus. Begleitet von einer Trommelgruppe wurde die kleine Demonstration lauter und deutlich wahrnehmbar in der Innenstadt.

Bei den Zwischenkundgebungen wurde vor allem thematisiert, was bei der Hauptkundgebung fehlte: Der Erfolg des Streiks ist mehr als nur ein Erfolg für die Kita-Beschäftigten. Gerade, weil er von den Forderungen her offensiv ist, wirkt ein Erfolg auch auf die Beschäftigten anderer Branchen. Unter dem Eindruck der Krise gilt für einen Misserfolg dasselbe.

Kompensationen und faule Kompromisse fallen mit verstärkter Intensität auf alle KollegInnen zurück, die in kommende Auseinandersetzungen gehen.

Der Bildungsstreik am 17. Juni wurde bekannt gemacht und die KollegInnen aufgerufen teilzunehmen und ruhig mit Kindergruppen dem Streik einen Besuch abzustatten. Es sei denn, der eigene Streik läuft noch. Dann, so der Vorschlag, müssen so oder so gemeisame Aktionen organisiert werden.

Diskussionen um das Für- und Wider eines Generalstreiks waren nicht polarisiert unter den KollegInnen, weil die Frage weniger war, ob es der Vorbereitungen auf einen Generalstreik bedarf, sondern die Frage stellte sich eher so: Auf welche Art und Weise ist ein Streik für alle Werktätigen zu organisieren.

Einhellig begrüßt wurde der Vorschlag, die Streikwoche mit einer gemeinsamen Streikversammlung von GEW und ver.di zu beginnen. Das spiegelt auch die Stimmung unter den KollegInnen wider. Gemeinsam kämpfen!