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Zum Fund von Rosa Luxemburgs Leichnam in der Charité

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Für eine ehrenhafte Beisetzung unter Kontrolle der Arbeiterbewegung


 

Der wahrscheinliche Fund des Leichnams von Rosa Luxemburg im Berliner Universitätsklinikum Charité bestimmte die Schlagzeilen der Tageszeitungen am Wochenende. Für Sozialistinnen und Sozialisten ist es ein Schock und stellt sich die Frage, wie dieser Skandal über Jahrzehnte – in DDR wie BRD – unentdeckt oder verschleiert bleiben konnte. Vor allem aber muss nun ein Weg für eine ehrenhafte Beisetzung des Leichnams gefunden werden.

Und die Entdeckung sollte zur öffentlichen Diskussion der politischen Ideen von Rosa Luxemburg führen. Das wäre die einzige Art und Weise, die Rosa selber, als einen angemessenen Umgang mit einem solchen Ereignis betrachten würde. Angesichts der weltweiten Krise des Kapitalismus könnte es keinen besseren zeitpunkt für eine Auseinandersetzung mit der Aktualität der Ideen Rosa Luxemburgs und des revolutionären Marxismus im allgemeinen geben.

Wir dokumentieren hier Presseerklärungen der SAV-Bundessprecherin Lucy Redler und des ver.di-Betriebsgruppenvorsitzenden an der Charité, Carsten Becker. Außerdem findet sich hier ein ausführlicher Artikel über die Ideen Rosa Luxemburgs.

Presseerklärung von Lucy Redler (SAV):

„Rosa Luxemburgs Ideen sind lebendiger denn je“

Zum Fund der Leiche von Rosa Luxemburg in der Berliner Charité erklärt Lucy Redler, Bundessprecherin der SAV (Sozialistische Alternative):

"Welche Ironie der Geschichte. Die Entdeckung von Rosa Luxemburgs Leichnam mitten in der tiefsten Krise des Kapitalismus seit 80 Jahren scheint eine Bestätigung ihres berühmten Ausspruchs "Ich war, ich bin, ich werde sein!" und sollte zur Anklage des immer noch herrschenden kapitalistischen Systems genutzt werden.

Ich fordere eine ehrenhafte Beerdigung für Rosa Luxemburg. Diese darf nicht durch diejenigen in Bundesregierung und Berliner Senat durchgeführt werden, die in der Tradition derjenigen politischen Kräfte stehen, die die politische Verantwortung für die Ermordung Rosas tragen. Sie muss unabhängig, aber auf Staatskosten, von den Gewerkschaften, der Partei DIE LINKE und anderen sozialistischen und linken Organisationen gestaltet werden.“

Der Fund des Leichnams solle laut Redler vor allem Anlass sein, Luxemburgs politischen Ideen und Werken zu gedenken: „Rosa Luxemburgs sozialistische Ideen sind lebendiger denn je. Ihr unermüdlicher Einsatz für die Interessen der Arbeiterklasse und ihr Kampf für einen unversöhnlichen Bruch mit dem Kapitalismus sind angesichts der kapitalistischen Krise von bedeutender Aktualität.“

Zwanzig Jahre nach dem Ende der DDR wollen uns die bürgerlichen Ideologen weis machen, dass es keine Alternative zum Kapitalismus gäbe, so Redler. „Wir verweisen als Sozialisten und Sozialistinnen heute auf Rosa Luxemburg, die zu ihren Lebzeiten für eine sozialistische Gesellschaft kämpfte, in der die Freiheit auch die Freiheit der Andersdenken ist. Der Kampf für die Abschaffung des krisengebeutelten Kapitalismus und für eine sozialistische Gesellschaft, die nichts mit den bürokratisch-stalinistischen Staaten des Ostblocks gemein hat, steht heute erneut auf der Tagesordnung.“

Rosa Luxemburg trat zudem für den Aufbau einer sozialistischen Arbeitermassenpartei ein und war eine der ersten, die Beteiligungen an prokapitalistischen Regierungen ablehnte.

Redler: „Diese Lehre ist angesichts der verheerenden Bilanz der Beteiligung der Berliner LINKEN am rot-roten Senat von hoher Brisanz aber auch angesichts der bundesweiten Entwicklung der LINKEN und dem Streben nach weiteren Regierungsbeteiligungen mit der prokapitalistischen SPD.

Eine Beschäftigung mit den Ideen und Theorien Rosa Luxemburgs einerseits und ihrem unerschrockendem Kampfeswillen andererseits sind von hoher Bedeutung für die Entwicklung von Widerstand und politischen Alternativen zum kapitalistischem System.“

Presseerklärung von Carsten Becker (ver.di-Betriebsgruppe Charité):

“Eine ehrenhafte Bestattung ist das Mindeste”

Die Bekanntgabe über die vermutliche Entdeckung der sterblichen Überreste von Rosa Luxemburg traf ein als unglaublicher Schock.

Wie konnte es über all die Jahrzehnte unentdeckt bleiben, dass ein falscher Leichnam beerdigt wurde und der Körper Rosa Luxemburgs an der Charité unerkannt zur Anschauung und Versuchen zur Verfügung stand.

Ver.di Charité fordert eine unverzüglich Aufklärung des gesamten Vorganges und bei Feststellung, dass es tatsächlich ihr Leichnam ist, eine ehrenhafte Bestattung!

Rosa Luxemburg war und ist nicht einfach nur eine Person des öffentlichen Interesses, sondern eine, wenn nicht die herausragende Persönlichkeit der deutschen, polnischen, ja internationalen Arbeiterbewegung.

Carsten Becker, Vorsitzender von ver.di Charité und Personalrat an der Charité: “Muss man verwundert sein, dass dieses nicht zu DDR-Zeiten aufgedeckt wurde? Damals wurde alles versucht, Rosa Luxemburg zu verherrlichen. Sie sollte damit benutzt werden, um Kritik und Veränderung zu verhindern – ganz gegen die Überzeugung dieser streitbaren Marxistin. Ein wirkliches Interesse an ihren Ideen gab es von Seiten der Herrschenden in der DDR nicht, denn sie stand nicht nur für die Abschaffung des Kapitalismus. Sie stritt für sozialistische Demokratie, soziale Gleichheit und die

Selbsttätigkeit der arbeitenden Menschen.

Doch man muss auch nicht verwund ert sein, dass dieses erst 20 Jahre nach dem Mauerfall aufgedeckt wurde, wo doch die alte und neue Bundesrepublik sich in der Rechtsnachfolge der Weimarer Republik sieht, deren Gründung mit der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht einher ging. Weder die einen noch die anderen hatten Interesse, die Worte, die Taten und das Leben Rosa Luxemburgs wirklich aufzuarbeiten.

Es bleibt unsere Aufgabe als Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, als Teil der internationalen Arbeiterbewegung dieses immer wieder durch unsere Arbeit erneut zu leisten.

"Ich war, ich bin, ich werde sein" – wie sehr gelten diese ihre Worte für sie selbst und für ihr Werk”, sagt Carsten Becker, Vorsitzender von ver.di Charité und Personalrat an der Charité. “Eine ehrenhafte Bestattung für diese Kämpferin der Arbeiterbewegung organisiert durch die Gewerkschaften und der LINKEN – das ist das mindeste", so Becker.