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Krisenerscheinungen in der Gastronomie

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Bericht eines Beschäftigten


 

Die Wirtschaftskrise lässt auch das Gastgewerbe nicht unbehelligt. Laut dem Unternehmerverband DEHOGA lagen die Umsätze 2008 in Restaurants, Bars und Kneipen preisbereinigt 3,2 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

von Erik Waldmann*, Beschäftigter in einem Steakrestaurant

Vor allem im vierten Quartal gingen sie in den Keller. Im Dezember gar um 6,2 Prozent.

Die Erklärung der wirtschaftlichen Situation ist aus Sicht vom DEHOGA verblüffend einfach: „Täglich neue Hiobsbotschaften in den Medien und negative Vorhersagen drückten die Konsumlaune der Verbraucher.“ Für die mangelnde Konsumlaune der Verbraucher sind also nicht etwa die Unternehmer mit ihren Hungerlöhnen verantwortlich, sondern die Konsumenten, die sich von den Medien beeinflussen lassen. Wer solche Ökonomen als Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

Stellenabbau bei Maredo

Auf ähnlich einfache Art und Weise lief eine Personalversammlung der Steakhauskette Maredo in Dresden ab. Kurz und schmerzvoll wurden der Belegschaft sinkende Umsätze und zu hohe Personalkosten mitgeteilt, was eine Halbierung der Beschäftigten unumgänglich mafürche. Um nicht vollständig das Gesicht zu verlieren, dürfen die Kollegen, welche nicht das Glück haben jetzt für zwei zu arbeiten, in das neue Prestigeobjekt von Maredo an der Frauenkirche, das im Mai eröffnet, malochen gehen. Von den Übriggebliebenen wird größere „Flexibilität“ verlangt. Ein paar wenige Teilzeitkräfte dürfen sich auf paradiesische Arbeitsbedingungen freuen und stocken die halbierte Belegschaft geringfügig auf.

Arbeitsplatzabbau trotz Gewinnen

Die Wirtschaftskrise war selbstverständlich Teil der Argumentation und musste als Vorwand für die Einschnitte herhalten. Neben dem ganzen Gejammer fiel völlig unter den Tisch, dass die Filiale Dresden weiterhin schwarze Zahlen schreibt, was nichts anderes bedeutet als eine Gewinnmaximierung auf Kosten der Kollegen zu betreiben.

Warum die Krise in dem einen Betrieb zu Umsatzrückgängen führt, im Neueröffneten aber für sprudelnde Profite sorgen soll wird wohl das Geheimnis von Maredo bleiben.

Weiterhin unklar ist, warum denn der Satz „Gäste sichern unsere Arbeitsplätze“ (welcher aus verständlichen Gründen ausnahmsweise mal nicht ausgesprochen wurde) plötzlich nichts mehr wert ist. Stattdessen machte der Regionaldirektor klar worum es denn nun eigentlich geht: „Maredo ist ein Unternehmen und will wirtschaftlich arbeiten. Das müssen sie verstehen.“ Deutlicher kann man das kapitalistische Primat kaum mehr zum Ausdruck bringen.

Gegenwehr organisieren

Ob nun bei Maredo, VW oder Continental, überall müssen die Beschäftigten für die Krise im kapitalistischen System gerade stehen. Damit dies nicht auf ewig so weiter geht sind die Demos am 28. März in Frankfurt und Berlin unf die DGB-Demo am 16. Mai wichtige erste Schritte. Allein von Demonstrationen lassen sich die Herrschenden allerdings nicht beeindrucken. Notwendig sind als schnell darauf folgende Schritte Generalstreiks wie in Frankreich und Griechenland.

* Name geändert