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Tarifrunde: Metall-Arbeitgeber drohen mit „Absturz“

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KollegInnen wollen Metall-Tarifrunde zum Ausgleich der Preissteigerung nutzen


 

Gesteigerte Erwartungen und eine kämpferische Stimmung der Beschäftigten prallen auf eine harte Haltung der Kapitalseite am Beginn der Krise.

von Stephan Kimmerle, Berlin

Eine Forderung von 13,5 Prozent schlägt der IG-Metall-Vertrauenskörper der GKN-Aerospace München für die 3,2 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie vor, so das LabourNet. 9,5 Prozent mehr verlangen die Vertrauensleute des Mercedes-Benz-Werkes Untertürkheim. Die Vertrauensleutevollversammlung der Daimler-Zentrale fordert darüberhinaus einen Sockelbetrag – im Gespräch waren 200 oder 300 Euro, „um die unteren Entgeltgruppen überdurchschnittlich anzuheben, da sie am meisten von den höheren Lebenshaltungskosten betroffen sind“.

Am 6. September will der IG-Metall-Vorstand eine Forderungsempfehlung veröffentlichen. Am 31. Oktober endet die Friedenspflicht.

Die IG-Metall-Führung versucht, die Erwartungen zu dämpfen: IG-Metall-Chef Berthold Huber spricht von einer Forderung von mehr als 6,5 Prozent – um dann von einem Ergebnis zu reden, bei dem für die Beschäftigten vier Prozent nicht genug wären.

Aufsteigende Linie bei Tarifkämpfen

Neben der Inflation trägt auch die Verschärfung gewerkschaftlicher Kämpfe zu einer gewachsenen Erwartungshaltung bei: Der Lokführerstreik zeigte, dass etwas zu holen ist, wenn man nur kämpft. Das veränderte die nachfolgenden Tarifrunden.

Diese Zunahme von Selbstbewusstsein und Kampfbereitschaft trifft nun auf eine geänderte wirtschaftliche Situation: Gerade die Arbeitgeber der Autoindustrie sehen sich vor harten Konkurrenzschlachten angesichts der ökonomischen Krise. Die US-Autokonzerne wanken. Aber auch BMW kündigte die Vernichtung von Tausenden von Stellen an und Daimler will in diesem Jahr 45.000 Autos weniger bauen als geplant.

„Wir werden uns von den Unkenrufen über die angeblich schlechten Aussichten nicht abhalten lassen“, versucht Huber im Interview (Süddeutsche Zeitung, 13. August) die Lage zu beschönigen. Ein wachsender Teil der KollegInnen erlebt dagegen im Betrieb, wie die Drosselung der Produktion auf ihre Kosten umgesetzt wird.

Der Chef der Arbeitgebervereinigung Gesamtmetall, Martin Kannegießer droht schon, man dürfe „jetzt nicht überziehen, sonst sind wir schneller wieder im Tal, als manche meinen. Aus dem Abschwung wird dann ein Absturz.“

Für eine kämpferische und transparente Tarifrunde

Die Rekordgewinne der letzten Jahre landeten ausschließlich in den Taschen der Kapitalbesitzer. Nun beginnt eine Rezession. Erneut sollen Beschäftigte zahlen. Die Gewerkschaftsbewegung braucht ein Programm, die Krise und ihre Folgen zu bekämpfen.

Stephan Kimmerle ist Mitglied der SAV-Bundesleitung

Die SAV schlägt folgende Forderungen für die kommende Tarifrunde vor:

Kein Verzicht, sondern endlich ein Ausgleich für die Preissteigerungen der letzten Jahre und die Schlechterstellungen durch ERA.

– Für eine mobilisierende Forderung, zum Beispiel zehn Prozent, aber mindestens 300 Euro dauerhaft monatlich mehr bei einer Laufzeit von zwölf Monaten

– Vorbereitung eines bundesweiten Streiks zur vollen Durchsetzung der Forderung

Verteidigung der Jobs und Schaffung neuer Arbeitsplätze, vor allem für Junge.

– Keine Kompensationen: Für eine Altersteilzeitregelung ohne dafür Verschlechterungen bei den Löhnen hinzunehmen. Keine Begrenzung des Anrechts zur Altersteilzeit auf zwei Prozent der Belegschaft, sondern Anrecht für alle ab 55 ohne spätere Einbußen bei der Rente. Das wäre auch ein Durchbruch im Kampf gegen die Rente mit 67.

– 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn, um die Reduzierung der Produktion nicht in eine Reduzierung der Arbeitsplätze münden zu lassen.

Kein Abschluss und kein Aussetzen des Arbeitskampfes ohne vorherige Diskussion auf Mitgliederversammlungen und darauf basierender Entscheidung.