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USA: Streik bei General Motors

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Am Montag den 24.09. traten zum ersten Mal seit 1970 auf nationaler Ebene die 73.000 Mitglieder der Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) die bei General Motors arbeiten, in den Streik.


 

von Katie Quarles, Minneapolis

Auslöser des Streiks war vor allem die Rettung der Betriebspensionen. G.M. will, dass die Gewerkschaft die Verantwortung für die sich in einer Krise befindenden Betriebspensionen übernimmt, in die G.M. jahrzehntelang nicht genug Geld gesteckt hat.

Allerdings sieht es nach anderthalb Tagen Streik so aus, als würde die Gewerkschaftsführung um Ron Gettelfinger bei dieser Hauptforderung schon einknicken (als Gegenzug für das Versprechen von dem Erhalt von Arbeitsplätzen) und die Arbeiter zurück an die Arbeit schicken. Wundern dürfte das allerdings niemanden, denn schon vor dem Streik meinte er “im Prinzip” mit dieser Forderung der Bosse übereinzustimmen.

Krise der Arbeiterbewegung

Dieser Streik findet vor dem Hintergrund einer Krise in der Arbeiterbewegung in den USA statt. In den letzten Jahrzehnten haben die Gewerkschaften in den USA es nicht geschafft, gut bezahlte Arbeitsplätze in der Industrie vor der Auslagerung zu retten. Es gab in letzter Zeit wenig Erfolge für die Arbeiterbewegung. Besonders in der Industrie sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen und Angriffe auf den Lebensstandard hingenommen worden, teilweise trotz betrieblicher Kämpfe. Gewerkschaften, besonders die die KollegInnen in industriellen Branchen vertreten, sehen sich mit einem großen Mitgliederverlust konfrontiert. Vor 50 Jahren waren ein Drittel aller ArbeitnehmerInnen in den USA gewerkschaftlich organisiert. 1983 waren es 20 Prozent. Heute sind es nur noch 12Prozent. Dieser Mitgliederverlust spielte eine grosse Rolle bei der Spaltung des Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO im Jahr 2005. Daraus gründete sich ein neuer Gewerkschaftdachverband, Change to Win, der eher aus Gewerkschaften des Dienstleistungsbereichs besteht.

UAW

Diese Krise wird in der UAW widerspigelt. Während 1979 die UAW 1,5 Millionen Mitglieder zählte, sind es heute nur noch 576.000. Über die letzten Jahre hat die UAW viele Angriffe auf Arbeitsplätze und den Lebensstandard ihrer Mitglieder hingenommen ohne ernsthafte Kämpfe zu organisieren, wie zum Beispiel bei Delphi, wo KollegInnen einen Stundenlohnverlust von $27 auf $14,50 bis $18 hinnehmen mussten.

Die Wut unter den Mitgliedern der Gewerkschaften zeigt sich zum Beispiel in der Gründung der Soldiers of Solidarity, einer radikalen oppositionellen Gruppe innerhalb der UAW.

Diese spürbare Wut unter den KollegInnen setzte die Führung der UAW unter genug Druck, dass sie sich gezwungen sah, diesen Streik zu führen um Dampf abzulassen und das Vertrauen der KollegInnen (bzw. was noch davon übrig ist) nicht weiter zu verlieren.

Wie kann es weitergehen?

Neue Zeiten erfordern eine neue Herangehensweise. Der Kampf um den Erhalt von Arbeitsplätzen, Pensionen und der Krankenversicherung kann nicht nur auf betrieblicher Ebene erfolgreich geführt werden. Wenn die Verlagerung von Betrieben bzw. von Arbeitsplätzen verhindert werden soll, muss der Kampf auch auf politischer Ebene weitergeführt werden – für die Verstaatlichung von Betrieben, den Ausbau der staatlichen Rente und für die Verstaatlichung der Krankenkassen und der gesamten Gesundheitsindustrie. Dazu ist in den USA eine neue Partei nötig, die die Interessen der arbeitenden Menschen, RentnerInnen, Jugendliche und Arbeitslose vertritt.

Katie Quarles ist Mitglied von Socialist Alternative, der US-amerikanischen Schwesterorganisation der SAV