Home / Themen / Bewegungen & Proteste / Antikapitalistische Bewegung / G8: „Wir fühlten uns an die Bilder aus Guantanamo erinnert“

G8: „Wir fühlten uns an die Bilder aus Guantanamo erinnert“

Print Friendly, PDF & Email

Verheerende Zustände im Rostocker Sammelgefängnis. Gespräch mit Michael Kronawitter
Der in Berlin tätige Arzt ist aktiv in der linken und antifaschistischen Bewegung. Bei einer G8-Blockade vor Heiligendamm wurde er festgenommen, während er als Mediziner im Einsatz war.


 

Zum Zeitpunkt der Verhaftung war er gerade auf dem Weg zu einem Journalisten, der bei Bad Doberan Atemprobleme hatte. Das Gespräch führte Aron Amm.

Wie kam es zu deiner Festnahme?

Berliner Zivilpolizisten behaupteten, ich hätte Demonstranten durch Polizeisperren geführt. Dabei war ich deutlich erkennbar in Rettungsweste als Arzt tätig. Die Beamten sprachen von schwerem Landfriedensbruch und beauftragten uniformierte Kollegen, mich festzunehmen.

Bei den beschlagnahmten angeblichen Tatwaffen handelte es sich um mein Funkgerät und mein Handy. Beides diente der Kommunikation zwischen Ärzten und Sanitätern, um bei Notfällen zu helfen. Die Polizei behauptet, ich hätte damit Aktionen der G8-Gegner koordiniert.

Dann bist du in die Gefangenensammelstelle in der Industriestraße in Rostock gebracht worden. Was hast du da erlebt?

Das lässt sich kaum beschreiben. Viele der Gefangenen fühlten sich an die Bilder aus Guantanamo erinnert. Wir waren wirklich in Käfigen, etwa fünf mal fünf Meter, die von allen Seiten einsehbar und von oben mit einem Netz abgedeckt waren. Von der Galerie aus filmte ständig ein Beamter in die „Zellen“. Es gab keine Waschmöglichkeiten. Dauernd, auch nachts, brannte Neonlicht. Durch die Lüftungen dröhnten Propellergeräusche. Es gab unzureichend zu essen und kaum Decken.

Bis zur Verhaftung bist du als Arzt vor Ort gewesen. Wie fällt deine Bilanz aus?

Die Lage an den Blockadepunkten glich teilweise einem Bürgerkriegsszenario: Knüppel und Wasserwerfer, dazu Hubschrauberstaffeln, die über den Leuten hingen. Es war gespenstisch und einschüchternd. Und dennoch: Die Menschen haben sich nicht beirren lassen. Das bewegte sich natürlich auf einer symbolischen Ebene. Es wäre naiv, zu glauben, an dem Gipfel wirklich etwas ändern zu können. Aber es war klar: Es gibt Widerstand, der Gipfel wird nicht einfach hingenommen.

Wirst du die Festnahme auf sich beruhen lassen?

Nein, gegen die bewusst falsche Verdächtigung, die von Berliner Zivilbeamten des Landeskriminalamtes geäußert wurde, werde ich strafrechtlich vorgehen. Die Beamten waren übrigens codiert, also namenlos.

Darüber hinaus werde ich versuchen, mit möglichst vielen, die diese Guantanamo-ähnlichen Zustände über sich ergehen lassen mussten, rechtliche Schritte einzuleiten. Schließlich war das Körperverletzung.