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ver.di schließt Streiks nicht aus

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Telekom: Gespräche zwischen Gewerkschaft und Management über Ausgliederung von Betriebsteilen haben begonnen
 

von Daniel Behruzi, zuerst veröffentlicht in der jungen Welt, 23.3.07

Zum Auftakt der Verhandlungen über die geplante Ausgliederung von rund 50.000 Beschäftigten bei der Deutschen Telekom hat ver.di-Verhandlungsführer Lothar Schröder das Vorhaben der Unternehmensspitze als »Zumutung« bezeichnet. »Den Konzern auf dem Rücken der Beschäftigten sanieren zu wollen, ist ein Unding«, sagte er am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin.

Die Auslagerung der Service- und Call-Center-Bereiche sei »unsinnig und unnötig«, kritisierte Schröder . Sollten die Pläne dennoch umgesetzt werden, müßten wenigstens die Löhne und Arbeitsbedingungen gesichert sein, forderte er. Konkret will ver.di im Rahmen eines »beschäftigungspolitischen Stabilitätskonzepts« einen Ausschluß betriebsbedingter Kündigungen, den Erhalt der Standorte und wohnortnaher Arbeitsplätze sowie der Beschäftigungsbedingungen und die Sicherung von 4000 Ausbildungsstellen durchsetzen. Die Konzernspitze fordert hingegen eine »Anpassung in Richtung Marktniveau« – und meint damit die Kürzung der Löhne und Gehälter um bis zu 50 Prozent. In den drei zu gründenden Gesellschaften – die die Call Center, den technischen Kundendienst und das operative Geschäft der technischen Infrastruktur umfassen werden – soll die Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich von derzeit 34 auf »mindestens« 38 Stunden verlängert werden. 2004 war die Arbeitszeit bei der Telekom mit dem »Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung« reduziert worden – bei Einkommensverlusten von 6,7 Prozent. »Und diesen Beschäftigten soll jetzt wieder in den Geldbeutel gefaßt werden. Man wirft ihnen sogar öffentlich vor, sie würden zu kurz arbeiten, obwohl sie große Teile ihrer Arbeitszeit aus der eigenen Tasche finanziert haben. Das wird die Gegenwehr der Beschäftigten finden«, erklärte Schröder. Auch einen Arbeitskampf wollte der ver.di-Funktionär nicht ausschließen. Dies sei allerdings das letzte Mittel, betonte er.

Der Unmut in der Telekom-Belegschaft wächst. Das zeigten nicht zuletzt die Reaktionen auf den von einem Berliner Mitarbeiter verfaßten Protestbrief an Konzernchef René Obermann, der in jW dokumentiert wurde. Obermann sah sich nun zu einer Replik gezwungen. Darin beklagt der Manager weinerlich, daß er Mails bekommen habe, in denen die »Beleidigungsgrenze mehrfach überschritten« worden sei. Der Telekom-Boß bekräftigte laut Agenturberichten vom Donnerstag zugleich seine Pläne zur »Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit«. Dietmar Welslau, Vorstandsbeauftragter für Personalumbau, argumentierte, das Unternehmen habe insbesondere in den personalintensiven Bereichen »derzeit eine Kostenstruktur, die weit über der der Wettbewerber liegt und konkret Arbeitsplätze gefährdet«.

Um sowohl ihre Jobs als auch Löhne und Arbeitsbedingungen zu verteidigen, gingen auch am Donnerstag wieder Arbeiter und Angestellte des Konzerns auf die Straße. Ver.di hatte in mehreren Städten Bayerns zu Kundgebungen aufgerufen.