Israel: Postbeschäftigte stürmen Gewerkschaftszentrale

Bis zu einhundert mit Zeitverträgen ausgestattete Arbeitskräfte des israelischen Postdienstleisters Do`ar Israel haben gestern zusammen mit Mitgliedern von Maavak Sotzialisti und anderen AktivistInnen vor der Zentrale des Gewerkschaftsverbands Histadruthh in Tel Aviv protestiert.


 

von Shahar Ben-Khorin, 20. Februar 2007

Grund für den Protest war die große Wut und Empörung der ArbeiterInnen über den Verrat ihres Kampfes durch die Histadruth-Führung. Die ArbeiterInnen kämpfen für unbefristete Arbeitsverträge, das Ende der prekären Arbeitsbedingungen und gegen die Schikanen des Managements, das die ArbeiterInnen als „Deppen“ bezeichnete.

Die Belegschaft der Firma besteht sowohl aus jüdischen wie arabischen Israelis. Viele von ihnen haben Zeitverträge mit einer Höchstlaufzeit von 15 Jahren, was zunehmend für israelische ArbeiterInnen zutrifft, die von profitgeilen, ausbeuterischen Zeitarbeitsfirmen vermittelt werden. Diese Beschäftigten werden nach der Zahl der von ihnen ausgeteilten Briefe und nicht nach Arbeitsstunden bezahlt. Die meisten von ihnen bringen um die 3000,- NIS (545,- €) monatlich mit nach Hause. Der offizielle Mindestlohn liegt in Israel bei 3585,- NIS (650,- €), womit nicht einmal die Kosten für den Grundbedarf an Lebensmittlen und Mietkosten bestritten werden können.

Der Gewerkschaftsverband Histadruth hat immer behauptet, gegen Zeitarbeitsagenturen zu sein, die momentan 10 Prozent der israelischen ArbeiterInnen beschäftigen. Dennoch haben sie keinen ernsthaften Kampf dagegen geführt. Im Gegenteil hat Histadruth vor drei Jahren sogar eine Vereinbarung mit den Zeitarbeitsfirmen unterschrieben, welche einen bestimmten Prozentsatz festlegt, der den Beschäftigten mit Zeitverträgen von ihrem Einkommen abgezogen wird. Diese Regelung findet auf die nun kämpfenden Postbeschäftigten ebenfalls ihre Anwendung. Allerdings werden sie von der Histadruth nicht einmal als volle Gewerkschaftsmitglieder anerkannt. Der derzeitige Vorsitzende der Histadruth, Ofer Eyni, versprach, dass die Gewerkschaft für unbefristete Verträge für die PostkollegInnen kämpfen wird. Trotzdem hat Histadruth nichts unternommen, um dieses Versprechen einzulösen. Im vergangenen Jahr handelte die Histadruth-Führung einen Deal mit der Geschäftsführung der Postfirma aus, worin vereinbart wurde, dass die ArbeiterInnen nicht zum ständigen Personal gezählt werden, sollten juristische Schritte zur rechtlichen Gleichstellung durch die Belegschaft unternommen werden.

Die ArbeiterInnen (darunter viele Frauen) überkam die Angst entlassen zu werden, weil sie an einer Protestaktion während der Arbeitszeit teilgenommen hatten. Sie entschieden sich daher dafür, ihren Kampf vor die vornehme Zentrale der Bürokratie des Gewerkschaftsverbands Histadruthh zu tragen.

Gewerkschaftsführer versteckt sich in seinem Büro

Eine große Zahl von ArbeiterInnen versammelte sich draußen vor der Histadruth-Zentrale und skandierte: „Histadruth ist die Heimat der ArbeiterInnen, doch Eynis Clique ruiniert sie!“ und „Für eine Histadruth der ArbeiterInnen – nicht der Ellenbogentypen!“. Nach einer Weile kochte die Wut der ArbeiterInnen über und sie gingen in das Gebäude, um ein Treffen mit Eyni einzufordern. Die schweren Türen zu Eynis Büro waren verschlossen und den ArbeiterInnen wurde gesagt, dass er nicht im Hause sei. Es gab nicht bestätigte Gerüchte, wonach er doch vor Ort sei, die ArbeiterInnen aber nicht treffen wolle.

Ein anderer Histadruth-Funktionär, Jihad Akel, der selbst israelisch-arabisches Mitglied der der Kommunistischen Partei zugehörigen Organisation Hadash ist, kam dann heraus, um mit den Protestierenden zu sprechen. Hadash ist Teil der Koalition, die die Histadruth anführt. Akel sagte, dass er ihren Kampf unterstützt und die Zeitarbeitsagenturen ablehnt. Er machte allerdings auch seine uneingeschränkte Unterstützung für den Histadruth-Vorsitzenden Eyni klar. Die ArbeiterInnen hatten all dies schon einmal gehört und riefen: „Eyni – der Verräter. Zählen Arbeiter nichts?“

Akel beschuldigte die ArbeiterInnen, auf Anweisung der Geschäftsführung von Do`ar Israel vor die Histadruth-Zentrale gekommen zu sein. Unfassbar war, dass der Hisradrut-Funktionär einem israelisch-arabischen Postbeschäftigten entgegenhielt den Mund zu halten, als dieser gegen die Verleumdungen protestierte.

Die ArbeiterInnen forderten mehr als nur leere Versprechungen aktiv zu werden. Nach einer Weile versprach die Histadruth-Führung dann, eine Reihe von Treffen mit den Beschäftigten zu organisieren, um eine Kampagne für unbefristete Arbeitsverträge zu starten.

Die gestrigen Proteste vor der Histadruth-Zentrale fanden hervorragenden Niederschlag in den Fernseh-Hauptnachrichten am Abend. Weitere Proteste sind in Planung.

Die mit Zeitverträgen ausgestatteten Postbeschäftigten werden hochgradig ausgebeutet und sehen sich einer boshaften Geschäftsführung gegenüber. Maavak Sotzialisti ruft weltweit GewerkschaftsaktivistInnen und SozialistInnen dazu auf, Solidaritätsadressen an doar@maavak.org.il zu senden.

Shahar Ben-Khorin ist Mitglied der Gruppe Maavak Sotzialisti (Sozialistischer Kampf; Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Israel/Palästina). Er lebt in Tel Aviv.