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Kapitalismus hat versagt, Sozialismus nötiger den je

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Es sind nun mehr als zwei Wochen vergangen, seit der Killertsunami die Küstengebiete des Indischen Ozeans verwüstet hat. Danach wird nichts je wieder so sein wie zuvor, dennoch bleibt so viel beim alten. Genau wie in Kriegszeiten wird alles, was schlecht an der kapitalistischen Welt ist, offengelegt.

Stellungnahme des CWI
 
Diese menschliche Katastrophe hat, genau wie ein Krieg auch, die Welt durch ihre Grausamkeit geschockt. Gleichzeitig werden durch sie die falschen Prioritäten der Herrschenden und der Großunternehmen aufgedeckt. Völlig neue Teile der Bevölkerung, insbesondere junge Menschen fangen deshalb an das System in Frage zu stellen. Genau wie Kriege auch, können Naturkatastrophen revolutionäre Konsequenzen haben. Beispielsweise führte 1883 ein Tsunami zu einer Vulkanexplosion auf der Insel Krakatoa die vor der Ostküste Sumatras liegt. Dies löste die Revolte der örtlichen Bevölkerung gegen die holländische Kolonialherrschaft aus. Die Besatzer wurden für die 40.000 durch die Katastrophe umgekommenen Menschen verantwortlich gemacht. Weiterhin erschütterte ein Erdbeben im 18. Jahrhundert in Lissabon alle etablierten Kirchen Europas und das Erdbeben in Nikaragua, welches sich 1972 ereignete, vernichtete die letzten Überreste an Unterstützung für das alte Regime. Dieses war völlig korrupt und nicht in der Lage die Hauptstadt Managua wiederaufzubauen.

Das Desaster vom 26. Dezember 2004 verdeutlichte Millionen von Menschen die katastrophalen Bedingungen unter denen riesige Teile der Menschheit leben
müssen. Und dies nicht aufgrund der Bedrohungen durch die Natur, sondern weil sie von den Eliten der so genannten reichen Nationen, insbesondere deren Banken und Konzernen, zu einem Leben in Armut gezwungen werden.

Millionen von Menschen die im Gebiet des indischen Ozeans leben sind durch den Tsunami des wenigen beraubt worden, dass sie besessen haben. Täglich wird Milliarden Menschen das Recht auf ein gutes Leben geraubt. Niemand anderes als Weltbankchef John Wolfensohn beschrieb bei seiner Rückkehr aus Sri Lanka den ‚Tsunami’ der zu Ende gehenden MFA Quotenregelungen. Dies wird zu einer gigantischen Arbeitsplatzvernichtung in der örtlichen Kleiderindustrie führen. Hunderttausende Arbeiterinnen werden davon betroffen sein. (Der selbe Mann stimmt jedem Jahr der Ausgabe von Darlehen in der Höhe von 20 Milliarden Pfund zu – Eine weitere Last die die ex-kolonialen Länder zu tragen haben.)

Wir haben gesehen wie selbst in den ‚fortgeschrittenen’ vom Tsunami betroffenen kapitalistischen Ländern die Wahrheit, genau wie im Krieg, zum ersten Opfer dieser Naturkatastrophe wurde. Die schwedischen und britischen Regierungen versuchten die wahren Opferzahlen unter den Bürgern ihrer Länder zu verschleiern. Dies, und deren Inkompetenz auf die Naturkatastrophe zu reagieren verursachte nachvollziehbare Verärgerung unter vielen ihrer Wähler.

Im letzten Jahr wurde in Spanien die Partei Aznars dafür bestraft, dass sie über den Bombenanschlag in Madrid gelogen hatte. Das Verhalten von Regierungen welches nun in der Folge des Tsunamis zum Vorschein kommt könnte langfristige Auswirkungen haben. Das Versagen in der Entwicklung von Frühwarnsystemen, Täuschungsaktionen was die Todeszahlen angeht, Korruption und Versagen bei der Verteilung von Hilfsmitteln, all diese Dinge können, insbesondere durch revolutionäre Agitation, zum Sturz selbst von anscheinend starken und stabilen Regierungen führen.

Geschichtliche Beispiele

Wie während der Hungersnot in Russland 1906 auch, sind revolutionäre SozialistInnen dazu verpflichtet dafür zu sorgen, dass die Wahrheit über das Versagen und die Sabotage der Hilfs- und Notfallmaßnahmen angeht. ArbeiterInnen und junge Menschen dürfen es nicht bei der Forderung nach ‚Transparenz’ über die Fakten und Notfallmaßnahmen belassen. Sie müssen auch die Kontrolle aus den Händen der korrupten Politiker und Bürokraten übernehmen und die Verteilung von Hilfsmitteln und die Koordination von Wiederaufbauprogrammen selbst und durch auf allen Ebenen gewählte Komitees in die Hand nehmen.

Extreme Hilfsbereitschaft

Selbst nach mehr als zwei Wochen kommen immer noch unzählige Dramen vom Tag selbst ans Licht: Von tragischen Verlusten, unvorstellbarem Horror, unglaublichen Überlebenskünsten, außergewöhnlichem Heldenmut und Selbstlosigkeit. Es werden immer noch Bilder der Zerstörung und des Verlustes von Menschenleben gezeigt, die nur mit den Auswirkungen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki verglichen werden können.

Die Hilfsbereitschaft von Millionen von Menschen war beeindruckend. Viele von ihnen haben selbst nur geringe Einkünfte, zum Beispiel RenterInnen, SchülerInnen und ArbeiterInnen die in die betroffenen Gebiete reisen wollten um dort selbst zu helfen. (Dies war auch ein Schlag gegen rassistische Ideen)

Im Gegensatz dazu kann die Reaktion von PolitikerInnen, Regierungen und multinationalen Großkonzernen auf Hilfegesuche nur als geizig bezeichnet werden. Darüber herrscht weitestgehend Einigkeit. Scheinbar ohne Zeit zu verschwenden spendete George W. Bush, einer der reichsten Politiker der Welt und gleichzeitig der machtvollste, winzige 10.000 Dollar für die Opfer der Katastrophe. Demnächst wird er eine 50 Millionen Dollar teure Party veranstalten um seine Vereidigung für seine zweite Amtsperiode als Präsident der USA zu feiern. (Mehr eine Krönungszeremonie!) Mit Ach und Krach gelang es dem Vodaphone Konzern, sich von einer Stunde ihrer Profite zu trennen.

Nachdem die Bush Regierung zunächst zutiefst kleinliche 20 Millionen US Dollar zur Wiederaufbauhilfe bereitstellen wollte, wurden diese dann auf 35 Millionen und schließlich 350 Millionen Dollar erhöht. Wie der Autor George Monbiot unterstrich, entspricht dies den Ausgaben für 11/2 Tage Kriegsführung im Irak, wo das US Militär täglich einfache Menschen tötet und niedermäht.

Sowohl durch das Ausmaß der Katastrophe und der massiven öffentlichen Reaktion erkannten die Regierungen ihre Chance ihr Image im In- und Ausland zu verbessern. Sie befinden sich nun in einen zynischen Wettbewerb darum, welche Regierung am meisten Mittel bereit stellt. Die von den USA bereitgestellte Summe liegt unterhalb der 500 Millionen US Dollar der japanischen Regierung, den 600 Millionen der Schröder Regierung in Deutschland und der 750 Millionen US Dollar der australischen Howard Regierung.

Die britische Regierung versprach ursprünglich nur 1 Millionen Pfund bereitzustellen. Nach zwei Wochen wurde dies durch den steigenden Strom individueller Spenden zur Peinlichkeit. Innerhalb von zwei Wochen wurden 100 Millionen Pfund (200 US Dollar) gespendet. Die Regierung sah sich gezwungen zu versprechen, sie werde die gleiche Summe wie ihre Bürger spenden. Doch es herrscht viel Skepsis aufgrund vorhergehender Erfahrungen mit Desasterfunds, ob wenigstens die Hälfte der von Regierungen und Konzernen versprochenen Spenden auch ausgezahlt werden. Selbst Optimisten mussten weiterhin zugeben, dass selbst wenn die gesamte versprochene Hilfe eintrifft, dies längst nicht genug ist. Es würde die Kosten der Hilfe und des Wiederaufbaus selbst der erbärmlichen Häuser und Transportinfrastruktur wie sie vor dem Tsunami existierten nicht decken; vom Aufbau besserer Häuser und einer verbesserten Kommunikations- und Infrastruktur die so viele Einzelspender wünschen ganz zu schweigen.

Der Schuldenskandal

Die skandalösen Statistiken über das Lösegeld das die reichen und mächtigen Nationen für das Privileg wichtiger Darlehen von den ärmsten Ländern der Welt verlangen haben die Welt fast so sehr geschockt wie die Tsunamikatastrophe selbst (Siehe separaten Artikel). Kein Wunder, dass die Aussetzung oder Annullierung der Schulden an ausländische Banken oder Regierungen die diese Länder deshalb haben auf die Tagesordnung gezwungen wurde. Das CWI kämpft schon seit langem für die vollständige Abschaffung aller Schulden aus neokolonialen Ländern. Im Angesicht der Tsunamikatastrophe führen viele diese Forderung auf ihren Lippen. Doch selbst innerhalb der Antiglobalisierungsbewegung, sosehr sich dort über die Leiden der Verarmten dieser Welt gesorgt wird, gibt es jene die behaupten dies sei ‚unrealistisch’. Wir haben selber immer erklärt, dass es unwahrscheinlich ist, dass das kapitalistische System solchen Maßnahmen zustimmt. Sie sind jedoch wesentlicher Teil eines sozialistischen Programms.

Kapitalistische Regierungen können durch die Entstehung von Massenbewegungen dazu gezwungen werden, die Unterlassung von Schuldenrückzahlungen zu akzeptieren, aber nur dann. Wir haben immer die Verstaatlichung der großen Banken und Finanzhäuser gefordert um das profitieren von Armut abzuschaffen. Wir wollen das die Kontrolle über die Finanzen in die Hände gewählter Arbeitervertreter gewählt wird. Allein die Rückzahlung der Zinsen kostet neokoloniale Länder weit mehr, als sie durch Darlehen und Finanzhilfe erhalten. (Ein weiterer Fall von Robin Hood umgekehrt. Die Armen beklauen um es den Reichen zu geben)

Die Banken, Regierungen und multinationalen Konzerne denen Geld geschuldet wird, werden jedes einzelne Pfund zurückfordern. Wenn nicht von den Ländern denen das Geld geliehen wurde, dann wenigstens von den ‚aufgeklärten’ Regierungen, die einen solchen Akt der ‚Vergebung’ wünschen. Die Idee, dass Schulden eine ‚Sünde’ seien die es zu ‚vergeben’ gelte ist ein Skandal, insbesondere wenn man die massiven externen und internen Schulden des mächtigsten Landes der Erde betrachtet – den USA.

Genauso wie sich Druck zur Frage der Schuldenerlassung aufgebaut hat, so ist dies auch mit der Forderung nicht ‚Peter auszurauben um Paul zu bezahlen’. In diesem Zusammenhang hat der britische Finanzminister Gordon Brown die Frage der Schuldenerlassung für Sri Lanka und die anderen Gebiete der vom Tsunami betroffenen Region vorangetrieben. Er lancierte auch die Idee einer neuen Version des Marshall Plans, durch die „weitere 50 Milliarden pro Jahr“ zusammengetragen werden sollen. Diese währen jedoch keine Geschenke sondern würden auch in der Form von Darlehen und Verträgen daherkommen. Dies währe nur eine weitere Form der ‚lebt jetzt und zahlt später’ Lösung, die in neokolonialen Ländern bereits bekannt ist. Dies ist insbesondere in Afrika der Fall, wo die Schulden, auf kapitalistischer Basis, nie abbezahlt werden können.

Jedoch reflektiert Brown damit die starken Gefühle, die sich in der ‚dritten’ Welt aufgrund der ungerechten Schuldensituation aufgebaut haben. Sein erklärtes Ziel ist es, die Abwärtsspirale der Armut sowohl in Afrika als auch in Asien zu korrigieren. Hilfsmaßnahmen für Afrika haben sich seit Ende des 2. Weltkrieges halbiert. In der Vergangenheit hat die Angst kapitalistischer Regierungen, die Arbeiter in diesen Ländern könnten ein Gesellschaftssystem einführen welches den Kapitalismus eliminiert, die Hilfsmittel am fließen gehalten. Die Höhe der von Brown vorgeschlagenen Mittel ist nur die Hälfte der Summen des Nachkriegs Marshall Plans für Europa. Die US Regierung war damals gezwungen die Mittel für diese ‚Hilfe’ zu finden um den Hauptmarkt für ihre Wahren wiederaufzubauen und um die Bedrohung durch den ‚Kommunismus’ abzuwenden.

Ohne den kalten Krieg der ein Konflikt zweier konkurrierender Sozialsysteme war, damals wurden Hilfsmaßnahmen dafür benutzt um buchstäblich die politische Unterstützung dieser Staaten zu kaufen, wurde es hingenommen das Afrika ein ‚verlorener Kontinent’ wurde. Die Größe der Aufgabe die globale Armut zu bekämpfen verdeutlicht sich durch eine weitverbreitete Statistik. Jede Woche sterben in Afrika 150.000 Menschen aufgrund verhinderbarer Krankheiten deren Ursachen im Mangel von Nahrung, sauberem Wasser und sanitären Anlagen liegen. Dies ist das Äquivalent der Summe der durch die Tsunamikatastrophe ums Leben gekommenen Menschen alle sieben oder acht Tage.

Mehr Einigkeit, mehr Aufspaltung

Das internationalste aller Desaster, das vom 26. Dezember, hat die Welt in Trauer und einem echten Gefühl der Solidarität vereint. Es hat das beste aus der Arbeiterklasse und jungen Menschen weltweit herausgebracht. Es besteht ein weit verbreitetes Bewusstsein dafür, dass dieselbe Globalisierung die uns das Internet und das Mobiltelephon gebracht hat auf der Hyperausbeutung von Ländern und Völkern auf der anderen Seite der Welt aufgebaut ist. Dies Stimmung die sich nach dem Tsunami aufgebaut hat, ist dieselbe Stimmung des Mitgefühls, nur größer, die auch in der Antikriegsbewegung zum Vorschein gekommen ist. Doch sie repräsentiert auch ein Bewusstsein, welches unter den Einschränkungen der Klassengesellschaft im Kapitalismus nur begrenzt zum Ausdruck kommen kann. Sie kommt aus dem Gefühl heraus, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Die Frage nach einer neuen Gesellschaftsordnung wird hier konkret gestellt. Diese Stimmung der Selbstlosigkeit und kooperativen Solidarität die sich nach dem Tsunami entwickelt hat wird nur in der sozialistischen Veränderung der Gesellschaft ihr volles Potential entwickeln können.

Selbst in den am schlimmsten betroffenen Gebieten gab es herzerwärmende Zusammenarbeit zwischen arbeitenden und verarmten Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kasten, welche in der Vergangenheit oft gegeneinander ausgespielt wurden. Dies ist auch in Gegenden wie Aceh und Nordost Sri Lanka der Fall, wo es jahrzehntelange militärische Repression gegen nationale Minderheiten gab. Zu Beginn dieser Krise wurden große Hoffnungen geweckt, dass angesichts der schwierigen Lage Einigkeit entstehen würde. Auch in Ländern außerhalb der betroffenen Region gab es Hoffnungen, es würde eine von Klassen, Parteiinteressen oder individuellen Feindschaften unabhängige Antwort auf die Katastrophe geben. Statt dessen haben sich Spannungen und bereits existierende Rivalitäten intensiviert.

In Großbritannien bekämpfen sich Blair und Brown, denn jeder möchte als der am Wohl der Menschen Interessierte gesehen werden. Beide möchten zeigen, dass Großbritannien in Europa und selbst den G8 führend voranschreitet. Die US Regierung hat beschlossen, die Katastrophe im indischen Ozean zum Macht und Prestigegewinn zu nutzen. Nach den 9/11 Angriffen auf die Zwillingstürme in New York wurde die US Präsenz in der Pazifik Region (und Zentralasien) unter dem Vorwand des Krieges gegen den Terror stark erhöht. Nach den verheerenden Zerstörungen durch den Tsunami am 26. Dezember sind nun US Marines und Kriegsschiffe unter dem Vorwand humanitärer Hilfe in Sri Lanka und anderswo im indischen Ozean aufgetaucht. Ein US Marine erklärte Reportern gegenüber, es sei schon komisch jetzt Nahrungspakete in Aceh abzuwerfen, wo er doch nur eine Woche vorher noch Bomben im Irak abgeworfen hätte.

Ohne jeden Zweifel hat Bush sich entschlossen die Situation für eine Scharmoffensive, auch unter Moslems in den USA, zu nutzen. Gleichzeitig will er die militärische Präsenz der USA in der Region des indischen Ozeans erhöhen. Es ist ein Versuch, dem US Imperialismus einen im Vergleich zu seiner mörderischen Rolle im Irak neuen und führsorglicheren Anstrich zu geben.

Bush spricht sich für die sofortige Installation eines Frühwarmsystems in der Region aus. Solch ein System mit verbesserten Kommunikationsstrukturen würde einige Millionen Dollar an Errichtungskosten haben. Es würde 2 Millionen Dollar kosten das System zu erhalten. WissenschaftlerInnen sind sich darin einig, dass ein solches System die Mehrzahl der über 150.000 Todesopfer hätte retten können. Doch sowohl Asiatische als auch die US Regierung lehnten vor dem 26. Dezember ein solches System als zu teuer ab.

Weil er unter Druck steht, hat Bush nun erst mal die Beziehungen zur UN wieder verbessert, anstatt mit seinem Plan zur Errichtung einer Coregruppe fortzufahren. Er schickte Colin Powell auf eine letzte Mission nach Thailand, Sri Lanka und, was am bedeutendsten ist, nach Indonesien.

Als er in Jakarta, der Hauptstadt des bevölkerungsreichsten islamischen Landes ankam, erklärte er, Moslems dort und in der ganzen Welt hätten nun „die Gelegenheit amerikanische Wohltätigkeit, amerikanische Werte in Aktion zu sehen … Ich hoffe das als Resultat … unser Wertesystem gestärkt wird.“ Die US Hilfstätigkeiten sollten, so führte er weiter aus: „Sümpfe der Unzufriedenheit trockenlegen, die terroristischen Tätigkeiten Auftrieb geben könnten.“

Dies ist utopisch. Alle ausländischen Honoratioren welche die Katastrophenregion besucht (und dabei den Rettungsarbeiten im Weg rumgestanden hatten) waren von dem Ausmaß der Katastrophe sichtbar erschüttert. Doch wie der BBC Korrespondent Jonathan Head feststellte, hatten viele von ihnen sowieso keine Ahnung über die extreme Armut, die schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen der großen Mehrheit der Bevölkerung in der Region. Weiterhin haben nur wenige auf der Welt bislang den Jahrzehnte langen Befreiungskampf der AcehnesInnen gegen die holländische Kolonialherrschaft, die japanischen Invasoren und gegen die nationale Unterdrückung durch das in Jakarta sitzende Regierungsregime bis heute wahrgenommen.

Abgesehen von dem vor kurzem erlassenen vorrübergehenden Waffenstillstand war die indonesische Regierung – eine nur dürftig verschleierte Militärdiktatur – im Krieg mit der gesamten Acehnesischen Bevölkerung, nicht nur der Guerillaarmee der GAM. Die Rechte der Bevölkerung wurden massiv unterdrückt, auch Tötungen fanden massiv statt. In einigen Gegenden wurde der Kampf wieder aufgenommen. In wenigen Wochen, wenn die Medien die Region verlassen haben, wird der Notstand wieder ausgerufen werden. Journalisten werden dann nicht mehr nach Aceh gelassen um die Verwüstungen des Krieges zu beobachten, die zusätzlich zur weitgehenden Vernichtung großer Teile der Hauptstadt Acehs, anderer Städte und Dörfer durch den Tsunami noch über Aceh hereinbrechen werden.

Während seiner Reise hatte Collin Powell nie die Absicht den Norden Sri Lankas zu besuchen. Im wurde versichert, dass die Hilfe in den von den Tamilen Tigern von Eelam kontrollierten Gebieten gerecht verteilt würde. Auf der anderen Seite wurde dem UN Generalsekretär Kofi Annan die Reise in dieses Gebiet von der Präsidentin Sri Lankas, Chandrika Bandaraneike, verboten. Während Annan nur höflichen Protest anmeldete, gab der Führer des politischen Flügels der LTTE, Thamilchelvan, eine Erklärung ab in der der Regierung vorgeworfen wurde, sie würde die bestehende Situation bewusst verschlimmern, zum Beispiel was die Dominanz der Armee über die Flüchtlingslager angeht. Trotz leuchtender Beispiele der Solidarität zwischen Sinhala und tamilischen Arbeitern, Bauern und Fischern wollen die Politiker ihre kommunalistischen Interessen durchsetzen. Damit erschaffen sie eine Situation die zur Wiederaufnahme militärischer Feindseeligkeiten führen könnte. Dafür müsste das Land einen hohen menschlichen und finanziellen Preis zahlen.

Spannungen

Auch in anderen von der Katastrophe betroffenen Gebieten können auf Ethnien oder Kasten beruhende Spannungen jederzeit aufflammen. Sie sind teilweise sehr dicht unter der Oberfläche. In Indien kann die Lage explodieren. Eine Arbeiterpartei, insbesondere eine revolutionäre, würde verlangen, dass die Regierung aufgrund ihrer Stümperei zurücktritt. Obwohl sie schon früh am Morgen des 26. Dezember eine Warnung über den kommenden Tsunami erhielt, gab sie diese nicht an die Bevölkerung weiter. Weiterhin wird die Hilfe der USA oder anderer militärischer Mächte abgelehnt, teilweise um diese Mächte von eigenen militärischen Einrichtungen fern zu halten. Sie würde die Regierung auch wegen ihres Versagens was die Organisation erster Hilfsmaßnahmen an die betroffensten Gebiete wie die Andaman und Nicobar Inseln sowie die Küsten von Tamil Nadu und Andhra Pradesh zur Verantwortung ziehen. (Weiterhin wurde eine nukleare Einrichtung in Indien überflutet, was in der betroffenen Region eine Welle der Furcht auslöste).

Mit ihrer Ablehnung fremder Hilfe und der Aussendung eigener Truppen unter dem Deckmantel von Hilfsmaßnahmen auch nach Sri Lanka, den Malediven und Indonesien verfolgt die indische Regierung eigene Ambitionen in der Region. Sie versucht Indien als gleichwertigen Rivalen Chinas und Japans in ganz Asien darzustellen. Die herrschende Klasse Indiens versucht in einem gewissen Sinn zu bluffen.

Thailand wurde vom Tsunami schwer getroffen. Zwar ist Thailand relativ reich, aber die am meisten von Armut betroffenen Gebiete brauchen sofortige Unterstützung. Unter den am schwersten betroffenen Menschen in diesen Gebieten sind 2 Millionen BurmesInnen, die vor der brutalen Diktatur in ihrem Land flüchteten und nun in Thailand arbeiten.

Der milliardenschwere Premierminister Thaksin nimmt ausländische Hilfe nur von Ländern an die selbst von der Katastrophe betroffen sind. Ansonsten verweigert er die Annahme. Betrachtet man sich das Massaker, das thailändische Sicherheitskräfte kürzlich an muslimischen DemonstrantInnen verübten, lässt dies nicht darauf schließen, dass Angehörigen ethnischer Minderheiten dieselbe Hilfe bei der Suche nach Angehörigen zuteil wird wie es bei Ausländischen Touristen der Fall ist. Diese suchen immer noch nach Tausenden von Vermissten. Wie kann man außerdem erwarten, dass man mit Vertretern von Weltbank und IWF erfolgversprechende Verhandlungen führen kann wenn es sich um jene Globalisierungsinstitutionen handelt die die Mehrheit der Bevölkerung in immer schlimmere Armut und Ausbeutung getrieben haben? Und was ist das für eine Heuchlerei, wie sie von Markenfirmen wie New Look betrieben wird. Diese spendete 2 Stunden des Ertrages eines Verkaufstages für den Desasterfond, während sie ihre Profite durch billige, vor allem weibliche, Arbeitskräfte in den ‚Freihandelszonen’ Sri Lankas und anderer vom Tsunami betroffenen Gebieten Asiens erwirtschaften lässt.

Keine der täglichen ökonomischen Katastrophen von denen die Völker in der Region des indischen Ozeans oder Afrikas – ein Kontinent der ums Überleben kämpft – betroffen werden kann durch den Kapitalismus gelöst werden. Der Tsunami hat die Abgründe von Armut und Ausbeutung in ‚3. Welt’ Ländern verdeutlicht. Insbesondere junge Menschen bieten nicht nur ihre Unterstützung an, sondern wollen auch etwas tun um die Welt zu verändern.

Die herrschenden kapitalistischen Klassen fürchten die Enthüllungen über den echten Zustand der Welt. Sie fürchten, dass unterdrückte Nationen das Recht auf Unabhängigkeit beanspruchen werden und werden weiter dagegen vorgehen. Sie fürchten die Wut der Jugend und das Wiedererwachen der Arbeiterbewegung, welche für das Ende ihres Systems der Ausbeutung und Armut kämpfen könnte.

Die Welle der Zerstörung vom 26. Dezember 2004 hat der Welt einen Spiegel vorgehalten und gezeigt was uns noch an Tod und Vernichtung bevorsteht, falls nicht sehr bald etwas gegen ‚Treibhausgase’ und die daraus folgende Klimaerwärmung unternommen wird. Die Bevölkerung dieses Planeten steuert sehr schnell ihrer Ausrottung entgegen. Ein kürzlich von dem britischen Dokumentarfilmer Marcel Theroux gemachter Film zeigte den Shell Vorsitzenden Lord Roxborough wie er einige Sorgen über die unheilvollen Folgen von Kohlenstoffemissionen äußerte, nur um gleich von einem public relations ‚Zensoren’ der Firma zurechtgewiesen zu werden, er solle bloß nicht weiter gehen. Es gab schwerwiegende Vorhersagen vom ‚Friends of the Earth’ Aktivisten Lovelock, dass innerhalb der nächsten 30-40 Jahre das Schmelzen der Polkappen den Meeresspiegel um 14-17 Fuß ansteigen lassen würde. Dies würde das Absaufen aller großen Städte der Welt bedeuten. Eine Milliarden Menschen würden durch das plötzlich emporschießende Wasser getötet werden weil sie keine Chance zur Flucht hätten.

Kapitalismus nicht am Leben von Millionen interessiert

Dies lässt den Tsunami vom Ende des letzten Jahres zwergenhaft erscheinen. Doch 150.000 Opfer sind 150.000 zu viele. Naturkatastrophen können nicht verhindert werden. Doch fast alle daraus resultierenden Tode könnten verhindert werden. Das selbe gilt für die Klimaerwärmung.

Es ist eine Schande, dass es im indischen Ozean kein Frühwarmsystem gibt. Nur einige wenige Beispiele von ‚Wunder’ Fluchten von Menschen die vorher wussten was auf sie zurollte – beispielsweise in Indien, Sri Lanka und den abgelegenen Teresa Inseln – zeigen wie wenig Menschen hätten sterben müssen. Mitte des letzten Jahres wurden Teile des Frühwarnsystems im atlantischen Ozean ‚aus Kostengründen’ zusammengestrichen. Im Lichte der Katastrophe vom 26. Dezember muss dies sofort wieder rückgängig gemacht werden. In Schweden kürzte die Regierung an der Notfallkommunikation, was die Reaktion auf den Tsunami in Asien verschleppte. Auch dies muss wiederhergestellt werden.

Wir fordern die Errichtung von Frühwarmsystemen in allen von Naturkatastrophen bedrohten Gebieten sowohl an Land als auch im Meer gegen Erdbeben, Vulkanausbrüche, Tsunamis, Hurrikane und Überflutungen. Wir kämpfen dafür, dass ungeplante, chaotische und miserable System des Kapitalismus welches weder in der Lage ist sich auf Naturkatastrophen vorzubereiten noch die schlimmsten Auswirkungen solcher Katastrophen mildern kann, durch etwas anderes zu ersetzen. Das jetzige System basiert auf dem Streben nach kurzfristigem Profit. Es kann weder die kurzfristigen noch die langfristigen Bedürfnisse der großen Mehrheit der Menschheit, der ArbeiterInnen und der Armen, erfüllen.

Die Klassengesellschaft und der Kapitalismus sind für die prekären Lebensbedingungen der Mehrheit der Weltbevölkerung hauptverantwortlich. Die Warnungen vor natürlichen Katastrophen werden nicht in Betracht gezogen und die Maßnahmen um die Auswirkung ‚natürlicher’ Katastrophen einzudämmen werden nicht ergriffen. Es lässt zu, dass Millionen Menschen an AIDS, Malaria und anderen Verhinderbahren Krankheiten sterben.

Die Tsunami Katastrophe muss als brutaler Weckruf an alle gelten, die die Welt verändern wollen. Beteiligt euch am Aufbau einer sozialistischen, wahrhaft internationalistischen Weltgesellschaft. Wir haben die menschlichen Qualitäten gesehen die dies möglich machen würden, aber auch die durch den Kapitalismus dagegen errichteten Barrieren. Die Welt schreit nach dem 26. Dezember 2004 danach auf globaler Ebene organisiert und integriert sowie auf demokratische Weise koordiniert zu werden.

Der Aufbau einer Partei und eines Programms mit dem der Einfluss der Großunternehmen auf unser Leben gebrochen werden kann darf nicht aufgeschoben werden. Verstaatlichung und die Nutzung aller natürlichen und menschlichen Ressourcen sind der einzige Weg vorwärts. Die Planung muss durch demokratisch gewählte Komitees aus den Reihen der Arbeiter und Armen organisiert werden. Dies muss auf allen Ebenen der Gesellschaft gelten. Das CWI kämpft für den Aufbau einer Föderation wirklich sozialistischer Staaten. Dies ist der einzige Weg vorwärts um der Menschheit den größtmöglichen Schutz vor Katastrophen aller Art zu geben und um eine Gesellschaft der Harmonie und Kooperation aufzubauen, in der Kriege, Bürgerkriege, Armut und Hunger für immer der Vergangenheit angehören.

Übersetzung: Christian Buhnke