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Kämpfe im Irak

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Der Irak gerät außer Kontrolle
 
Seit dem am 3. April italienische Soldaten mit Maschinengewehren in eine schiitische Demonstration schossen und dabei 25 Demonstranten ums Leben kamen, gerät der Irak für die Besatzungsmächte außer Kontrolle.

Al-Sadr, ein radikaler Schiitenführer, rief am 4. April alle Muslime im Irak zum bewaffneten Aufstand auf. Damit beteiligen sich zum ersten Mal auch schiitische Iraker massenhaft am bewaffneten Widerstand. Überall im Land liefern sich Aufständische Gefechte mit den US-geführten Besatzungstruppen. Während sich die US-Truppen auf die Stadt Falludscha konzentrieren, sehen sie sich in vielen Teilen des Landes mit einem Aufstand konfrontiert.

Falludscha, eine Stadt im sogenannten sunnitischen Dreieck, ist von US-Truppen am Sonntag abgeriegelt worden. Das Ziel ist ein Exempel zu statuieren, um den Widerstandswillen in der Stadt zu brechen. Auch hier werden die Truppen mit erbittertem Widerstand konfrontiert. Die US-Truppen mussten schwere Verluste erleiden. So kamen allein bei einem Angriff Aufständischer im nahegelegenen Ramadi auf einen US-Stützpunkt 12 Elite-Soldaten ums Leben. Auch wurde verschiedenen Meldungen zufolge mindestens ein US-Helicopter abgeschossen. Die US-Armee zerstörte mehrere Häuser und beschoss eine Moschee. Allein in dieser Stadt gab es bis zu 200 Toten und viele Verletzte unter der irakischen Bevölkerung. Wegen der wachsenden Solidarität innerhalb der Bevölkerung haben sich Tausende von Irakern aus dem ganzen Land über religiöse und ethnische Grenzen hinweg mit Autos aufgemacht, um der Bevölkerung in Falludscha Nahrung, Kleidung und Medizin zu bringen.

Aber auch in anderen Teilen des Landes werden heftige Gefechte gemeldet. Aus Nassirija, Nadschaf, Kerbala, Bagdad, Amarah, Kut, um nur die wichtigsten zu nennen. Nadschaf ist eine Hochburg des Radikal-Islamisten Al-Sadr, hier soll er sich mit vielen bewaffneten Anhängern verschanzt haben. Das Kommando der Besatzungstruppen gibt mittlerweile zu, keine Kontrolle mehr über die Städte Nadschaf und Kut zu haben. In den anderen betroffenen Städten konnten Aufständische Kontrolle über einzelne Brücken, Regierungsgebäude oder sogar ganze Stadtteile erlangen. Aus Kut wird berichtet, dass polnische Soldaten die Stadt fluchtartig verlassen haben, nachdem die Anhänger von Al-Sadr massenhaft auf den Straßen patroulliert sind.

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist die Situation völlig undurchsichtig. Klar ist, dass blutige Tage bevorstehen. Der Ausgang ist völlig offen. Es ist nicht sicher, ob die Besatzungstruppen die Kontrolle vollständig wiederherstellen können. Sicher ist nur, dass sich die Phrasen der Besatzungsmächte über „Wiederaufbau“ und „Demokratisierung“ des Irak spätestens jetzt als völlig absurd herausgestellt haben. Tatsächlich ist der Irak seit dem offiziellen Ende des Krieges im Mai vergangenen Jahres nicht zur Ruhe gekommen. Die irakische Bevölkerung steht demütigenden Straßenkontrollen, willkürlichen Festnahmen, brutalen Misshandlungen und Tötungen gegenüber. Gewalt und Bombenanschläge gehören zum irakischen Alltag. Aber auch der Widerstand gegen die US-geführte Besatzung ist ungebrochen. Der Einmarsch der USA und der verbündeten Staaten in den Irak hat dazu geführt, dass sich die Lage für die irakische Bevölkerung verschlechtert hat und eine Spirale der Gewalt in Gang gesetzt wurde.
In mehreren Stellungnahmen und Veröffentlichungen Monate vor Beginn des Krieges warnte die SAV davor. Der Wunsch nach Kontrolle über die irakischen Ölfelder und die engstirnige Arroganz der Großmacht hat die gegenwärtige Situation hervorgebracht. Langsam aber sicher müssen die Machthaber in Washington zugeben, dass sie unerwartete Probleme haben. Die Massenvernichtungswaffen als Kriegsgrund, die wachsende Gewalt mit zahlreichen Toten auf beiden Seiten, die Unfähigkeit stabile Strukturen im Irak aufzubauen und die eigenen Soldaten aus der Schusslinie zu holen, werden der Bush-Regierung und möglicherweise auch anderen Regierungen einen Strick drehen. Spanien ist der Beweis.

Nima Sorouri, Köln