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Frauen gegen Krieg und gegen Kapitalismus

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CWI Statement zum internationalen Frauentag
 
Der 8. M?rz, der internationale Frauentag, findet dieses Jahr nur wenige Tage vor dem ersten Jahrestags des imperialistischen Angriffs der USA auf den Irak statt. Einem relativ kurzen Krieg, der nur gegen massiven weltweiten Widerstand durchgef?hrt werden konnte, folgte ein „Frieden“ der von t?glich neuen Konflikten und Gewalt gepr?gt ist. Die US Besatzungstruppen stehen unter enormem Druck.

Bush und Blair sind ihrem tats?chlichen Ziel hinter dem Angriff auf den Irak, sich die zweitgr??ten ?lreserven der Welt zu sichern, kein St?ck n?her gekommen. Ebensowenig ist die versprochene stabile demokratische Regierung f?r den Irak in Sicht. Ihre L?gen ?ber die Massenvernichtungswaffen, ihre Kriegspropaganda werden immer durchsichtiger.

Millionen von Menschen sind der Gewalt im Irak, der Tyrannei und den wirtschaftlichen Sanktionen bereits zum Opfer gefallen. Wie in jedem Land in dem Krieg und Armut ihre Spuren hinterlassen haben, sind es Frauen und Kinder die am meisten von Hunger und Obdachlosigkeit betroffen sind. Im Chaos der Kriegssituation werden Kinder entf?hrt und gefoltert. W?hrend die Besatzer und die offiziellen von der USA ernannten „Repr?sentanten“ der irakischen Bev?lkerung um eine ?bergangsregierung ringen, sind Frauenrechte zwar zum Thema geworden. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit gro? dass diese einem Frieden zu den Bedingungen der USA und der diese unterst?tzenden Kr?fte im Irak zum Opfer fallen.

Proteste

An den weltweiten Demonstrationen am 20. M?rz gegen die Besatzung des Iraks werden sehr viele Frauen teilnehmen – junge wie auch ?ltere. Bei den Demonstrationen am 15. Februar 2003 als sich weltweit 35 Millionen Menschen den Anti-Kriegs-Protesten anschlossen, wie auch am Tag X, waren Frauen oft die k?mpferischsten, lautesten und entschiedensten unter den DemonstrantInnen.
In London verlie?en tausende junge Frauen am Tag X die Schulen um zum Parlament zu marschieren und ihren Prostest kundzutun. Muslimische Sch?lerinnen aus Tower Hamlets, einem Stadtteil in Ost-London, zogen mit Anti-Bush und Anti-Blair Slogans ?ber die Westminster Bridge, stellten sich sogar an, um gegen den Krieg zu unterschreiben und den Socialist zu kaufen, die Zeitung des CWIs in England und Wales.

In Deutschland waren zumindest die H?lfte der streikenden und demonstrierenden Sch?lerInnen am Tag X weiblich – insgesamt folgten 200.000 Sch?lerInnen der Initiative der SAV (die deutsche Sektion des CWI) f?r einen Schulstreik gegen den Krieg. In Schweden, wo Mitglieder des CWI ?Jugend gegen den Krieg? initiierten, in Australien, Italien und anderswo waren junge Frauen an vorderster Front der Anti-Kriegs-Bewegung, f?hrten Schulstreiks an und organisierten Protestaktionen.

Frauen an vorderster Streikfront

Eine wesentliche Rolle haben Frauen in der neuen Welle von Streiks und Klassenk?mpfen des letzten Jahres gespielt, vor allem im ?ffentlichen Sektor – LehrerInnen, KrankenpflegerInnen, Gemeindebedienstete und Beamte des ?ffentlichen Diensts. In den USA stehen Frauen in erster Reihe der seit mehr als drei Monaten streikenden 70.000 Supermarktangestellten in Kalifornien.
Millionen Frauen haben im vergangenen Jahr an wichtigen Generalstreiks teilgenommen – in Indien, Chile, in Nigeria. Weltweit bilden Frauen die Mehrheit der am meisten ausgebeuteten ArbeitnehmerInnen.

Dennoch ist ein Gro?teil der Frauen, speziell in der neo-kolonialen Welt, noch gewerkschaftlich unorganisiert und haben das Gef?hl zu einem Leben in mehrfacher Belastungen und Unterdr?ckung – sei es am Arbeitsplatz, am Feld oder zu Hause – verdammt zu sein. Frauen stellen mehr als zwei Drittel der AnalphabetInnen und Armen weltweit, im Durchschnitt erhalten sie rund zwei Drittel des Einkommens von M?nnern. In Afrika leisten Frauen 90% der haupts?chlich landwirtschaftlichen Arbeit und erhalten daf?r defacto keinen Lohn. In Industriebetrieben der meisten neo-kolonialen L?ndern verdienen Frauen h?chstens die H?lfte ihrer m?nnlichen Kollegen.

Das Kommittee f?r eine ArbeiterInneninternationale (CWI – Committee for a Workers‘ International) nahm im J?nner 2004 am Welt Sozial Forum (WSF – World Social Forum) in Mumbai, Indien, teil. Vor allem von f?hrenden NGO’s (Non Government Organisations = Nicht staatliche Organisationen) wurde es als B?hne zur Selbstinszenierung verwendet. Obwohl viele bekannte RednerInnen die mannigfaltigen Aspekte von Armut und Unterdr?ckung in vielen Regionen erl?utern konnten, beschr?nken sich ihre Ans?tze auf die Abmilderung der Symptome, sie bieten aber keine nachhaltige L?sung der Probleme.

Sri Lanka hat in S?dost-Asien eine der h?chsten Bewertungen im Index der Verteinten Nationen f?r menschliche Entwicklung und ein j?ngst erschienener Bericht der Asiatischen Entwicklungsbank besagt, dass „Der ?konomische und soziale Status der Frauen in Sri Lanka im Vergleich zu anderen Entwicklungsl?ndern relativ besser (ist)“. Aber weiter: „Frauen sind am Arbeitsmarkt am st?rksten benachteiligt, fehlende oder mangelnde Ausbildung, arbeitsintensive und schlechtbezahlte Jobs sind die Regel, ?berlange Arbeitszeiten, Jobunsicherheit, untergeordnete Positionen und kaum Chancen f?r beruflichen Aufstieg sind ebenso ?normal? wie Ungleichbehandlung zwischen den Geschlechtern… Die Gewinne der Tee- und Textilexporten werden haupts?chlich von Frauen erwirtschaftet… die Qualit?t sozialer Leistungen ist meistens schlecht. Zudem f?hren in Familien mit niederen Einkommen unzureichende Ern?hrung zu erh?hter Sterblichkeit von Kindern unter 5 Jahren, Mangelern?hrung in der Schwangerschaft ist mit ein Grund f?r die hohe Rate untergewichtig geborener Babys.“

Im Norden und Osten der Insel ist die Situation nach beinahe zwanzig Jahren B?rgerkrieg noch katastrophaler. Hier leben mehr als 30.000 Witwen und 300.000 vertriebene Kinder. Die Sterblichkeitsrate von Kindern und M?ttern liegt um das zwei- bis dreifache ?ber dem Durchschnitt von Sri Lanka, die Schulabbruchsrate ist viermal so hoch. Die Versorgung mit Trinkwasser weist ebenso wie die Abwasserentsorgung gro?e L?cken auf.

Auch heuer wieder k?ndigt das Frauenministerium in selbstgef?lliger Art Festlichkeiten zum Onternationalen Frauentag an. Seit der Unterzeichnung der UN – Frauen Charta 1983 finden auf Sri Lanka jedes Jahr offizielle Feiern an diesem Tag statt. Das wird jedoch in keiner Weise die Arbeitsbedingungen zehntausender Textil- und Plantagenarbeiterinnen verbessern, die oft ohne den Schutz von Gewerkschaften den UnternehmerInnen ausgeliefert sind.

In Afghanistan hat, wie Amnesty International aufzeigt, die neue ?bergangsregierung im Jahr 2003 eine Konvention zur Eliminierung aller Formen von Diskriminierung gegen Frauen unterzeichnet. In der J?nner/Februar Ausgabe ihres Magazins zeigt Amnesty aber auf, dass:
„Die Mehrheit der Frauen und M?dchen, die sich in Afghanistan in Haft befinden, haben niemanden verletzt. Sie sind angeklagt oder verurteilt wegen … Ehebruchs, au?erehelichen Sex oder weil sie von zu Hause ausgerissen sind.“

AI befragte ?ber 40 Frauen und M?dchen, die zur Zeit in Gef?ngnissen in Kabul, Herat und Mazar-e-Sharif sitzen. Die meisten sagten, sie sind entweder in die Ehe gezwungen worden oder aber von ihren Familien im jungen Alter verkauft worden. Viele sagten auch, dass sie Opfer sexueller und physischer Gewalt geworden sind. Manche meinten, sie hatten eine freie Eheschlie?ung einer erzwungenen Hochzeit vorgezogen. Andere Frauen und M?dchen flohen vor der Gewalt in ihrer eigenen Familie.

„Offensichtlich bestraft der Staat in solchen F?llen die Opfer von Gewalt anstatt sie zu besch?tzen. Afghanisches Recht verbietet Heiratshandel und Eheschlie?ungen von Minderj?hrigen, aber weder die Gesellschaft noch die oft selbst kriminelle Justiz nimmt sich solcher Verbrechen an. Verfolgung von Gewaltverbrechen gegen Frauen einschlie?lich Vergewaltigung und Gewalt in der Familie ist extrem selten…“

„In manchen Gebieten … werden Vorf?lle nicht an die Polizei gemeldet, sondern innerhalb der Familie durch Ermordung der betroffenen Frau ?gel?st?. Die Suche nach Hilfe von Au?en kann f?r die Frau t?dlich sein, weil ?die Paschtun-Wali-Tradition das verbietet und es eine gro?e Schande ist, wenn eine Frau ihre Probleme an die ?ffentlichkeit bringt'“

In Indien, beim Welt Sozial Forum, beschrieb eine Gewerkschaftsaktivistin der Textilarbeitergewerkschaft einem Mitglied des CWI die enormen Herausforderungen, die sich im Kampf um bessere Arbeitsbedingungen f?r Frauen stellen.

„Die Gewerkschaft wurde 1996 gegr?ndet und hat heute 25.000 Mitglieder. 97 Prozent der Mitglieder sind Frauen, ebenso die gesamte Gewerkschaftsf?hrung, bis auf einen Mann… Vor allem in den l?ndlichen Gebieten wurden und werden Arbeiterinnen in schnell expandierende Textilindustrien, wie etwa rund um Bangalore, angeworben. Die Ausbeutung durch die Unternehmer ist hier enorm. Die meisten Arbeiterinnen wohnen zu F?nft oder mehr in Baracken von 15-20 Quadratmeter. Die Monatsl?hne betragen zwischen 700 und 2500 Rupies (im Durchchnitt 30 Euro).

„Zus?tzlich zu den miserablen Arbeitsbedingungen und den niederen L?hnen sind die Arbeiterinnen sexuellen ?bergriffen ihrer Vorarbeiter und Manager ausgeliefert. Weibliche Arbeitskr?fte werden als weniger wertvoll betrachtet, als ihre m?nnlichen Kollegen. Die meisten haben keine Ausbildung. Einmal von zu Hause weggezogen wird ihnen oft von ihren eigenen Familien eine R?ckkehr erschwert. Nach f?nf Jahren Arbeit steht den ArbeiterInnen eine Extrazahlung von 15 Arbeitstagen zu. Viele Unternehmer k?ndigen daher die ArbeiterInnen kurz vor dieser Frist. Das macht die Gewerkschaftsarbeit noch schwieriger …“

(Bei einem Arbeitskampf letzten Oktober, der zum Erfolg f?hrte), “ hat uns Dudiyora Horaata (Organisation des CWI in Indien) Unterst?tzung w?hrend des Streiks angeboten, und sie war die einzige politische Organisation, die Solidarit?tsaktionen f?r uns organisierte.“
…“In den kommenden Lokalwahlen der n?chsten drei Jahre planen wir siebzig GWU-Kandidatinnen, allesamt Frauen, aufzustellen. Unser Programm fordert ein Minimaleinkommen, Gleichstellung der Geschlechter und eine Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen. Wir haben mittlerweile … Mitglieder in sechzig Fabriken. Wir planen unsere eigene 1. Mai-Kundgebung mit mehr als f?nftausend ArbeiterInnen unter Tags und mehr als zehntausend am Abend nach Arbeitsschluss.“

Sozialistische Vork?mpferinnen

Jedes Jahr am 8. M?rz erinnern sich AktivistInnen der ArbeiterInnenbewegung an all jene Frauen, die f?r eine Ver?nderung ihrer Lebensbedingungen und gegen die Klassengesellschaft gek?mpft haben. Unter den bekanntesten sind Eleanor Marx und Rosa Luxemburg, die Generationen von ArbeiterInnen vor Augen gef?hrt haben, dass wirkliche Verbesserungen nur durch den Kampf f?r eine sozialistische Ver?nderung der Gesellschaft erlangt werden k?nnen. Auch Clara Zetkin und Inessa Armand waren herausragende weibliche K?mpferinnen, die die Hoffnung f?r eine wirkliche sozialistische Befreiung tief in das Bewusstsein von Millionen ArbeiterInnen und ausgebeuteten Frauen hineintrugen.

Aber auch in den USA betraten Heldinnen die B?hne des Klassenkampfs. Hier fanden erstmals Demonstrationen zum Internationalen Frauentag statt – organisiert wurden sie 1857 von New Yorker Textilarbeiterinnen. Es ist angebracht, gerade in Zeiten des global unangefochtenen, unilateralen US-Imperialismus an eine besondere Frau zu erinnern: Mother (Mary) Jones. Sie widmete ihr Leben dem Aufbau und der Organisierung der ArbeiterInnenklasse, f?hrte Kampagnen gegen Kinderarbeit und bek?mpfte die Ausbeutung und Unterdr?ckung von Millionen us-amerikanischer ArbeiterInnen durch die Gro?industriellen.

Leo Trotzki, F?hrer der russsischen Oktoberrevolution, war ein aufrechter Bewunderer dieser Frau. „Jones repr?sentiert eine leuchtende Erscheinung in der Geschichte ihrer Klasse …In ihren … Beschreibungen der Arbeitsk?mpfe enth?llt Jones ein erschreckendes Bild des amerikanischen Kapitalismus und der Demokratie … Welch eine unerm?dliche Hingabe f?r die arbeitenden Menschen, welch tiefsitzende Verachtung f?r die Verr?ter und Karrieristen unter den ?F?hrern‘ der ArbeiterInnenklasse. Noch im Alter von 91 Jahren hielt diese Frau der Pan amerikanischen ArbeiterInnenbewegung die Sowjetunion als Beispiel hoch …“ (Tegebuch im Exil)

Die gef?hrlichste Frau in Amerika

Elliot J.Gorn, Autor von ?Mother Jones: Die gef?hrlichste Frau in Amerika“, schrieb einen Artikel, um zu erkl?ren, warum ein anti-establishment Magazin in den US ?Mother Jones? benannt ist. Die folgenden Ausschnitte geben einen fl?chtigen Eindruck der halbvergessenen Lebensgeschichte dieser au?ergew?hnlichen Frau.

„Upton Sinclair… verfasste eine Chronik ?ber den blutigen Colorado Kohlen Streik von 1913-14: ?Ein st?rmischer Beifall brach los, der zu einem tosenden Applaus anschwoll, als eine kleine Frau die B?hne betrat. Sie war verrunzelt und alt, ganz in schwarz gekleidet, sah aus wie irgendeine Gro?mutter; sie war, in Wirklichkeit die Gro?mutter von hunderttausenden Minenarbeitern.‘? Sie war durch das ganze Land gereist,‘ f?hrt Sinclair fort, ?und wohin auch immer sie ging, entz?ndete sie die Flamme des Protests in den Herzen der M?nner; ihre Geschichte ist wahrhaftig eine Odyssey der Revolte.‘

“ Regelm?ssig erschienen Artikel ?ber sie in Magazinen und Zeitungen, f?r viele arbeitenden AmerikanerInnen hatte sie schon einen legend?ren, sogar ikonenhaften Status erreicht. Mittlerweile ist die Frau, die Namensgeberin f?r das anti-establishment Magazin ist, in Vergessenheit geraten. Manche m?gen sich … an ihren legend?ren Kampfruf erinnern: ?Betet f?r die Toten und k?mpft wie die Teufel f?r die Lebenden.‘ Nur wenige wissen mehr ?ber Mother Jones, die gegen Unternehmensvorst?nde und Politiker k?mpfte, die wiederholt f?r ihre organisatorische Agitation ins Gef?ngnis musste, und die zehntausende AmerikanerInnen f?r die ArbeiterInnenbewegung und die Linke gewinnen konnte. …Mit dramatischen Ansprachen und Stra?entheater verstand sie es, ArbeiterInnen, Frauen und Minderheiten zu organisieren. Sie r?ckte das Schicksal dieser Menschen ins Zentrum der ?ffentlichkeit und gab ihnen eine Stimme …
„Als das junge 20. Jahrhundert anbrach, war Mary Jones eine alte, mittellose, verwitwete, irische Immigrantin… Die meisten amerikanischen Frauen dieser Zeit f?hrten ein ruhiges, h?usliches Leben, das sie ihren Familien opferten. Frauen, vor allem ?lteren, gestand man keine eigene Meinung zu; wenn sie eine hatten, konnten sie diese kaum in der ?ffentlichkeit artikulieren – und schon gar nicht in den feurigen Worten eines Stra?enredners.

„Indem sie ihre Rolle als Mutter aller unterdr?ckten Menschen verstand, ging Mary Jones wohin sie wollte und sprach aktuelle politische Themen geradewegs an. … F?r ein viertel Jahrhundert bereiste sie Amerika … Sie wurde von den ?United Mine Workers‘ finanziell unterst?tzt, einige Jahre auch von der ?Socialist Party‘. Aber sie nahm sich immer die Freiheit, jene Kampagnen oder K?mpfe zu unterst?tzen, die ihre Hilfe am meisten ben?tigten – streikende TextilarbeiterInnen in Chicago, Flaschenw?scherInnen in den Milwaukee-Brauereien, Stahlarbeiter in Pittsburgh, Stra?enbahnarbeiter in El Paso, Kupferminenarbeiter in Calumet. Gemeinsam mit ArbeiterInnen bek?mpfte sie nicht nur Niedrigl?hne, 12-Stunden-Tag und erschreckende Sterblichkeitsraten (die die Folge miserabler Arbeitsbedingungen waren), sondern auch die Sklaverei der Firmen und Betriebe. Sie verteidigte auch inhaftierte und vor Gericht angeklagte IWW-F?hrer der ArbeiterInnenbewegung (sie war eine der Gr?ndungsmitglieder der ?Industrial Workers of the World charter‘), eingesperrte ArbeiterInnenaktivistinnen in Kalifornien, mexikanische Revolution?rInnen in Arizona.

„Mother Jones … erreichte einiges. Sie war bei weitem die bekannteste und charismatischste Organisationsperson f?r die ?United Mine Workers‘. Als sie dort begann … hatten sie 10.000 Mitglieder; innerhalb weniger Jahre traten 300.000 M?nner bei; aber Mary Jones verstand es auch, deren Frauen in ?mop and broom‘ – Brigaden zu organisieren, kampfbereite Frauen, die Seite an Seite mit ihren M?nnern standen.

„Arbeiterfamilien, argumentierte Mother Jones, besitzen enorme, noch nicht aktivierte Kr?fte, um die Konzerne, die sie mit miesen L?hne und harten Bedingungen unterdr?cken, und die korrupten Politiker zu bek?mpfen … (F?lschlicherweise) meinte sie, dass das Wahlrecht eine nebens?chliche Frage war, n?mlich ein b?rgerliches Mittel der Ablenkung vom wirklichen Problem der Ausbeutung der ArbeiterInnen. Sie argumentierte, dass nur kampfbereite, m?chtige Organisationen der ArbeiterInnenklasse – Industriegewerkschaften – Gerechtigkeit bringen k?nnten. Und obwohl sie Frauen im Handel in ihrer Organisation half, glaubte sie, dass es Frauen von Arbeitern zu Hause besser h?tten, als am Arbeitsplatz ausgebeutet zu werden.

„…Ihre Zielstrebigkeit blendete sie manchmal vor den enormen Problemen, die Frauen aber auch Minderheiten betraf. Trotzdem … sie ist eine lebendige Erinnerung an eines der am st?rksten versch?tteten heutigen Probleme: Amerika ist eine in Klassen gespaltene Gesellschaft, wo die Reichen immer reicher werden und die ArbeiterInnenklasse weit zur?ckgefallen ist.“
Zahlreiche andere heldenhafte und aufopferungsbereite Frauen haben in den L?ndern Asiens, Afrikas und Latein-Amerikas entschlossene K?mpfe gegen Ausbeutung und Unterdr?ckung gef?hrt. An diesem speziellen Tag erneuern sozialistische Frauen weltweit ihr Versprechen, zu Versuchen ihre pers?nliche Courage im Kampf gegen das System der Banken, Bosse und Konzerne zu b?ndeln.

Sexismus und der Kampf f?r Sozialismus

Seit Bestehen der Klassengesellschaft haben die herrschenden Klassen, ob SklavenhalterInnen, FeudalherrInnen oder KapitalistInnen verschiedenste Mittel eingesetzt um sich an der Macht zu halten – obwohl sie stets in der Minderheit waren. Dazu geh?ren Gerichte, Gef?ngnisse, Polizei und Armee, aber auch Ideologien und Propaganda. Indem sie unterschiedliche Gruppen der Gesellschaft – „Inl?nderinnen“ und „Ausl?nderInnen“, M?nner und Frauen, ethnische und religi?se Gruppen – gegeneinander ausspielen, versuchen sie, die Gefahr von Revolte und Revolution nach der Devise „Teile und herrsche“ abzuwenden.

Mit Entstehung und Entwicklung der Familie wurde von Frauen erwartet, abh?ngig und unterw?rfig zu sein. Sogar wenn sie Lohnarbeit nachgehen, tragen sie den L?wenanteil der Arbeit die n?tig ist, um die n?chste Generation von Arbeitskr?ften aufzuziehen. Gesetze, Religionen und Werbung sind allesamt Mittel um diesen Zustand aufrecht zu erhalten. Frauen das Gef?hl zu geben, minderwertig und schwach zu sein, oder sich nur wertvoll f?hlen zu k?nnen, wenn sie die die Bed?rfnisse der M?nner befriedigen und zu einem Leben in doppelter Unterdr?ckung verurteilt zu sein, dass ist alles Teil dieses Prozesses.

In vielen L?ndern Europas und auch anderswo ist in der letzten Zeit wieder verst?rkt Werbung aufgetaucht die Frauen zu Objekten macht. Lap-dancing und ?hnliche Vergn?gungen haben enorm an Verbreitung gewonnen. Besonders junge Frauen sind w?tend ?ber diese Entwicklungen. Sie sehen Sexismus als eine Form der Aufrechterhaltung der Idee, dass Frauen Menschen zweiter Klasse sind, Objekte oder Spielzeuge, deren K?rper als Waren benutzt werden k?nnen oder deren Willen nichts z?hlt. Sie empfinden das als dem?tigend und unterdr?ckend.

Aber einige junge Frauen sehen diese Entwicklung – – wie wir meinen f?lschlicherweise – als ?Befreiung? oder „St?rkung“ – die Idee dass Frauen die Chance haben gutes Geld zu machen, sich zu behaupten oder M?nner durch ihre Sexualit?t zu dominieren. Es hat zwar Ver?nderungen in der objektiven Situation vieler Frauen gegeben, aber die obige Entwicklung als Fortschritt zu sehen, weist auf ein sehr enges Verst?ndnis von Befreiung hin.

Es weist auch darauf hin wie weit die Ideen von gemeinsamer und kollektiver Aktion um wirkliche Chancengleichheit und Gleichberechtigung f?r Frauen zu erk?mpfen zur?ckgeworfen worden sind. Der Hauptgrund daf?r liegt im offensichtlichen ideologischem Triumph von Individualismus und Neoliberalismus ?ber staatliche Eingriffe und Sozialismus und das relativ niedrige Level an Klassenk?mpfen und Streiks in den 1990er Jahren. Nach dem Zusammenbruch des Stalinismus in der Sowjetunion und Osteuropa – die nichts mit Sozialismus zu tun hatten, sondern b?rokratische Regime bei gleichzeitigem Bestehen von Planwirtschaft waren – haben viele Anf?hrerInnen der ehemaligen ArbeiterInnenparteien und deren Organisationen die Schlussfolgerung gezogen, dass es keine Alternative zum Kapitalismus gibt.

Wir als SozialistInnen sind ?berzeugt dass es notwendig ist, den Privatbesitz an Produktionsmitteln in den Bereichen Industrie, Finanzen und Grundbesitz zu beseitigen um die Produktion, Gesundheitsvorsorge, Bildungssystem und Wohnbau nach den Bed?rfnissen der Mehrheit der Bev?lkerung zu richten, und nicht nach den Profiten einiger weniger. ?ffentliches Eigentum m?sste verbunden werden mit gezielter Planung durch demokratisch gew?hlte und kontrollierte VertreterInnen der ArbeiterInnenschaft.

So k?nnte die materielle Basis gelegt werden f?r eine Gesellschaft die frei von Kriegen und Ausbeutung, frei von Zwang und Gewalt ist – eine Gesellschaft in der keinE VorgesetzteR, keine Regierung, kein Mann Frauen zu etwas zwingen kann, was sie nicht wollen. Eine Gesellschaft, in der Gleichheit und Zusammenarbeit in pers?nlichen Beziehungen und in den gesellschaftlichen Werten verankert w?ren.

Sozialistische Forderungen

Neue ArbeiterInnenmassenparteien sind n?tig um dieses Ziel zu erreichen. Diese m?ssen aufgebaut werden, aber die Gewerkschaften m?ssen auch mehr Energie darin investieren f?r die Rechte von Arbeiterinnen zu k?mpfen. Als Kampforganisationen ist es ihre Aufgabe Diskriminierung gegen Frauen jeglicher Art zu bek?mpfen und Frauen vor sexueller Bel?stigung am Arbeitsplatz sch?tzen.

Gewalt in der Familie wird von SozialistInnen immer wieder thematisiert, indem sie in den Gewerkschaften f?r Unterst?tzung f?r einzelne betroffene Frauen werben oder mehr finanzielle Mittel verlangen um Frauen zu sch?tzen, die Gewalt durch ihre Partner oder andere Familienmitglieder ausgesetzt sind.

Wir k?mpfen daf?r, dass Frauen gleichen Lohn f?r gleiche und gleichwertige Arbeit erhalten
Wir k?mpfen daf?r dass Frauen selbst entscheiden k?nnen ob und wann sie Kinder wollen, ohne Einschr?nkung oder materielle Schwierigkeiten f?r sich und die nachfolgende Generation – sei das Mangel an Nahrung, Unterkunft, Bildung oder Zeit.

Frauen in Armut sind am meisten von der schlimmsten Form der Ausbeutung betroffen – der Prostitution. Der Handel mit Frauen als Prosituierten hat eine lange Tradition in der Klassengesellschaft. Das Geld, das in der Sexindustrie gemacht wird, hat Sch?tzungen zufolge schon die Ausma?e des Drogen- und Waffenhandels erreicht. Der Zusammenbruch der Sowjetunion und der katastrophale Niedergang der Wirtschaft in Russland und Osteuropa hat ohne Zweifel die Anzahl von Frauen erh?ht, die nach einem Ausweg aus der wirtschaftlichen Misere suchen und sich nun in einer neuen und schlimmeren Form der Sklaverei wieder finden. Die EU-Osterweiterung wird den die Gangster die den Frauenhandel in Osteuropa kontrollieren ihr Gesch?ft erleichtern. Gesch?tzterweise wurden alleine in den letzten Jahren zwischen 500.000 und 1 Million Frauen und Kinder durch Europa in die USA verschifft.

Wir sind gegen die Ausbeutung von Frauen durch Pornographie, die Sexindustrie oder Prostitution. Wo Frauen in diese Machenschaften hineingezogen werden – sei es durch das Versprechen einer besseren Zukunft, Armut oder physischen Zwang wie im Fall von Menschenhandel – fordern wir vollste Unterst?tzung f?r die Betroffenen durch staatlich finanzierte Sozialarbeit und medizinische Betreuung.

Im Interesse der am meisten ausgebeuteten Frauen und aller Frauen der ArbeiterInnenklasse meinen wir, dass der freie Zugang zu Bildung, Ausbildung, und Arbeit unter entsprechenden Arbeitsbedingungen und gleichem Lohn f?r alle selbstverst?ndlich sein m?ssten. Wir fordern angemessene Arbeitspl?tze, Bildung und Unterkunft f?r alle, ohne R?cksicht auf Geschlecht, Herkunft, Religion oder sexuelle Orientierung.

Keines von diesen grundlegenden Rechten kann langfristig vom Kapitalismus gesichert und garantiert warden – er ist ein System das untrennbar mit Ausbeutung und Unterdr?ckung verbunden ist.

Die sozialistische Bewegung

Frauen der ArbeiterInnenklasse, die mit dieser Situation unzufrieden sind, sollten jede M?glichkeit haben, an den K?mpfen um diese Fragen und am Kampf f?r eine sozialistische Gesellschaft teilzunehmen. Das bedeutet auch an Leben und Arbeit in unserer Internationale teilnehmen zu k?nnen. Wir m?ssen ihre (Selbst-)Ausbildung als bewusste K?mpferinnen f?r eine sozialistische Revolution f?rdern. Wir m?ssen aber auch M?nner in der ArbeiterInnenbewegung von der Notwendigkeit der Einbindung von Frauen ?berzeugen – ansonsten bleiben Frauen isoliert und reaktion?rer Propaganda ?berlassen.

Praktische Hilfe mit Kinderbetreuung und sicherem Transport sind wichtig um ihnen Teilnahme an Schulungsma?nahmen und Ortsgruppen zu erm?glichen. Sie sind auch n?tig um Genossinnen Teilnahme an den Kampagnen, an denen sie sich beteiligen wollen, zu erm?glichen – sei es gegen die Schlie?ung von Krankenh?usern oder Schulen, freier Bildungszugang, gegen Versuche Abtreibung, Verh?tung oder Scheidung in die Illegalit?t zu verbannen, oder einfach die Teilnahme am Aufbau der Parteien unserer Internationale an Infotischen und Demonstrationen.

Der Kampf von Frauen gegen die „Traditionen“ der Klassengesellschaft

Es ist kein Zufall dass es weltweit haupts?chlich junge Frauen sind die bei Demonstrationen in erster Reihe stehen, besonders wenn es um Themen geht die sie betreffen und die ihnen wichtig sind. Sie nehmen sich das Recht ihre Meinung zu sagen, egal was ihre Familien, Tradionen, Religion oder M?nner davon halten. Aber je st?rker der Druck von Seiten der Umgebung w?chst sich einen Langzeit-Partner zu suchen und Kinder in die Welt zu setzen, desto mehr werden solche Aktivit?ten Einschr?nkungen unterliegen. Viele Frauen werden dann dazu tendieren, den Status quo zu akzeptieren und damit auch die Tatsache, dass die Gesellschaft von den gro?en Banken und Konzernen dominiert wird, von Gro?grundbesitzern, die zum Gro?teil M?nner sind, und dass es individuelle L?sungen f?r ihre Probleme gibt. Aber neue Bewegungen und Klassenk?mpfe k?nnen das sehr schnell wieder ?ndern.

In den Meinungsumfragen im Fr?hjahr 2003 war es klar, dass Frauen die Mehrheit derer stellten die gegen den Irakkrieg waren. In Schweden war es wenig sp?ter ebenso klar dass es wiederum Frauen und Jugendliche waren, die mit ihrem ?Nein? im EU-Referendum ihre Skepsis und Unzufriedenheit gegen?ber der Europ?ischen Union ausdr?ckten. Die Mehrheit der Frauen in Schweden ist gegen die K?rzungen im Sozialsystem durch die Sozialdemokratische Regierung.
Wie ?berall sind es die Frauen der ArbeiterInnenklasse, die die ersten Opfer des Abbau des ?ffentlichen Gesundheitssystems sind – sie sind es die die Aufgaben der Pflege von Alten, Kranken und Kinder ?bernehmen m?ssen. Im Streik der Gemeindebediensteten in Schweden letztes Jahres waren die Mehrzahl der Streikenden Frauen. Angesichts der neoliberalen Attacken der kapitalistischen Regierungen auf die Sozial- und Gesundheitssysteme weltweit ist es notwendig dass Frauen der ArbeiterInnenklasse sich gegen diese Angriffe wehren.

Enorme Verbesserungen f?r die Situation von Frauen k?nnen erreicht werden – am Arbeitsplatz, zuhause, in der Gesellschaft – durch kollektiven Kampf. Massenproteste oder auch Aktionen um einzelne Fragen wie zum Beispiel das Recht auf Abtreibung k?nnen Ergebnisse bringen. In der Landlosenbewegung in Brasilien oder der Antipolltax Kampagne in Britannien waren viele Frauen eingebunden – sie haben wichtige Siege erk?mpft die einen realen Unterschied f?r ihr Leben gebracht haben.

In Brazilien ist , gegen den Willen der Gro?grundbesitzer Land besetzt und bestellt worden. Es gibt zur Zeit eine „Without Roofs“ (?Ohne Dach ?ber dem Kopf?) Bewegung, die fast ausschlie?lich von Frauen gef?hrt wird, die die Besetzung leerer H?user in den St?dten organisierten. In Britannien war Margaret Thatcher, die verhasste weibliche Premierministerin der 80er Jahre, zum R?cktritt gezwungen worden nachdem die Kopfsteuer, das Flagschiff ihrer gegen die ArbeiterInnenklasse gerichteten Politik, nach Massenprotesten fallengelassen werden mu?te. Ohne einen weiterreichenden Kampf f?r ArbeiterInnenkontrolle und -verwaltung von Gesellschaft und Produktion in einer sozialistischen Gesellschaft besteht freilich die Gefahr, dass diese Errungenschaften und Siege nicht langfristig abgesichert sind.

Kampagnen von Arbeiterinnen in der neokolonialen Welt f?r gewerkschaftliche Organisation und Kampfma?nahmen gegen Ausbeutung haben die UnternehmerInnen oft so erschreckt dass eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen erreicht werden konnte. Wenn Frauen und M?nner gemeinsam streiken, k?nnen sie wichtige Verbesserungen erk?mpfen, wie zum Beispiel in der Frage gleicher Lohn f?r gleiche Arbeit.

Revolution und Konterrevolution

Die drastischsten Verbesserungen f?r Frauen der ArbeiterInnenklasse wurden mit der Russischen Revolution vor 87 Jahren erk?mpft. Russland war davor gepr?gt von einer r?ckschrittlichen und l?ndlichen Wirtschaft die f?r das Leben von Arbeiterinnen und B?uerinnen extreme doppelte Ausbeutung bedeutete. Innerhalb weniger Monate wurden von der neuen ArbeiterInnenregierung ein sozialistisches Programm mit weitreichenden Reformen f?r Frauen umgesetzt. Diese umfassten unter anderem ein ziviles Eherecht, Scheidungsrecht, das Recht auf Abtreibung. Ma?nahmen wurden eingef?hrt, die darauf abzielten, Frauen von Abh?ngigkeit und Unterdr?ckung im famili?ren Bereich, sowie in Lohn- und Arbeitsfragen von Diskriminierung zu befreien. Recht auf Bildung f?r M?nner und Frauen sowie die Bek?mpfung von Analphabetismus war f?r die junge Sovietregierung erste Priorit?t.

Im Bereich der Kinderbetreuung f?r Kleinkinder gab es enormes Wachstum. Allerdings f?hrten der extreme Mangel im Rahmen der Zerst?rungen durch den B?rgerkrieg zu Engp?ssen in der Versorgung. Das stellte die ambitionierten Projekte die mit Gemeinschaftswaschk?chen, Restaurants und ?hnlichem versuchten, die Aufgaben der Hausarbeit, die davor Frauen zu verrichten hatten, zu ?bernehmen, vor nicht unerhebliche Schwierigkeiten. Priorit?ten mussten gesetzt werden. Die Produktion von arbeitseinsparenden Produkten f?r den Haushalt und Investitionen in ?ffentliche und kommunale Einrichtungen wurden in den Hintergrund gedr?ngt.
Zu dem Zeitpunkt, als Stalin seine konterrevolution?ren Attacken gegen die Bolschewiki und die ArbeiterInnenklasse als ganzes durchsetzte, war die verstaatlichte Wirtschaft bereits unter der Kontrolle einer b?rokratischen Schicht die erst den Aufstieg Stalins als Diktator erm?glichte. Wie Marx vorhergesagt hatte, war dort, wo Mangel und Not vorherrschte, „the old crap“ – die alten ?bel – zur?ckgekehrt. Das traf vor allem auf die Art und Weise zu, wie die B?rokratie mit ArbeiterInnen und Bauern umging. In Fragen von Produktion und ?ffentlichen Einrichtungen war ihnen die „Qualit?t wie ein Schatten entwischt“, wie es Leo Trotzki ausdr?ckte.

In der Frage der Frauenrechte war unter Stalin das Rad der Zeit betr?chtlich zur?ckgedreht worden. Die Rolle der Familie und die Bedeutung der Mutterschaft wurden in der offiziellen Propaganda gebetsm?hlenartig wiederholt, w?hrend Anstrengungen, die darauf abzielten Frauen wirklich von den Fesseln des Haushalts und unterdr?ckenden Traditionen zu befreien, massiv eingeschr?nkt wurden. Zu dieser Situation war es deshalb gekommen, weil die Revolution in einem zur?ckgebliebenen Land isoliert geblieben war, aber auch, weil plumpe und b?rokratische Ma?nahmen durchgef?hrt wurden um die Bev?lkerungszahl eines zerst?rten Landes mit zerst?rter Wirtschaft wieder zu steigern. Stalin ?nderte die Parteilinie im Zusammenhang mit Frauen und Familie ganz bewusst, um die Idee, dass die Autorit?t von oben zu kommen habe, zu verankern. Das war ein Weg um Unterordnung von Frauen und Kindern gegen?ber einem totalit?ren Staat zu erreichen anstatt den ArbeiterInnenstaat darauf auszurichten die Bed?rfnisse von Arbeiterinnen und ihren Kindern zu erf?llen.

Davor allerdings gab es eine Reihe von innovativen Projekten f?r Frauen und Kinder. Die Bolschewiki setzten neue Methoden in Bildung und Kindererziehung ein, die auf die Bed?rfnisse der Kinder ausgerichtet waren und von den Kindern mitbestimmt werden konnten. Sie initiierten Kampagnen um muslimischen Frauen in den zentralasiatischen Republiken moderne Technologien zug?nglich zu machen. Das nahm auch die Form von Experimenten wie „Rote Tee-H?user“ „Frauen-Abteilungen“ und „Rote Zelte“ an. Die betreffenden Frauen reisten zu den muslimischen St?mmen und hatten dabei drei „Propagandawaffen“ – eine N?hmaschine, eine Milchzentrifuge und einen Filmprojektor.

Die bolschewistischen Frauen begannen ihre Kampagnen mit Versammlungen, N?hgruppen und Diskussionen ?ber Anbau und Fertigungsmethoden. Gleichzeitig wurden Lese-, Schreib- und Rechenkurse, sowie Kurse ?ber weibliche Hygiene und Gesundheit abgehalten. Durch Kinderbetreuung wurden Frauen ermutigt so vollst?ndig wie m?glich am politischen Leben, am Arbeitsleben und dem Aufbau der sozialistischen Gesellschaft teilzunehmen.

Gut gemeinte Projekte wie diese wurden von aufopfernden und engagierten Frauen organisiert und hatten gro?e Auswirkungen, mit dem Vorteil, dass sei die Erfahrung einer erfolgreichen Revolution gegen die alte Ordnung hinter sich hatten. Hartn?ckige Versuche wurden angestellt, um die M?nner in den muslimischen Gemeinden daf?r zu gewinnen, dass die Frauen an diesen Projekten teilnehmen konnten. Einige dieser Versuche waren erfolgreich. Allerdings trafen andere unvermeidlich auf entschiedene Ablehnung von Seiten der muslimischen Gemeinden. In manchen F?llen war diese Ablehnung so scharf, dass Frauen dabei umgebracht oder in den Selbstmord getrieben wurden.

Frauen im Islam heute

Zur Zeit gibt es eine weit verbreitete Diskussion dar?ber ob muslimische Frauen in Europ?ischen L?ndern den traditionellen Hijab oder ihr Kopftuch tragen d?rfen. Das CWI und seine Sektionen weltweit sprechen sich gegen jede Form von Zwang in pers?nlichen Fragen aus. Wir verurteilen die Ma?nahmen der rechten Regierung Chiracs in Frankreich und anderer Beh?rden in Europa die das Tragen des Hijabs in Schulen und Arbeitspl?tzen verbieten und dadurch Frauen davon ausschlie?en, die diesen weiterhin tragen.

Das CWI bereitet eine Stellungnahme vor, die detaillierter auf diese Frage eingeht. Wir sind der Meinung, dass es ein Irrglaube ist, dass man Zwang durch Zwang bek?mpfen k?nne – auch wenn der oder die Betreffende die Rechte der Frauen verteidigen will und Repressionen durch konservatives oder reaktion?res religi?ses Gedankengut ablehnt. Das trifft vor allem zu, wenn dieser Zwang durch den Staat ausge?bt wird. Unsere GenossInnen in Frankreich haben eine entschiedene Kampagne zur Verteidigung des Slogans „Recht auf Bildung f?r alle – mit oder ohne Schleier!“ gef?hrt.

Die Kopftuchdebatte in Frankreich und die Versuche es zu verbieten sch?ren Rassimus und spielen dem Rassimus in die H?nde. Sie sind alles andere als unparteiisch und haben nichts mit der Befreiung von Frauen zu tun – vor allem nicht in einem Land in dem die katholische Kirche ihre Stimmen gegen das Recht auf Abtreibung, Scheidung und Verh?tung erhebt. In den USA haben die Neokonservativen mit ihren reaktion?ren Vorschriften die die Rechte von Frauen, Migrantinnen und Homo- oder Bisexuellen einschr?nken einen entscheidenden Einfluss im Wei?en Haus.

Das CWI und der Kampf der vor uns liegt

Das CWI bek?mpft jegliche Versuche das Rad der Zeit zur?ckzudrehen, wenn es um das Recht von Frauen geht, selbst ?ber ihr Leben zu entscheiden. Wir k?mpfen f?r gesetzlich abgesicherte Rechte und die materiellen Voraussetzungen, damit Frauen selbst entscheiden k?nnen ob sie einer Ausbildung oder Arbeit nachgehen wollen oder nicht, ob sie Kinder haben wollen oder nicht. Wir denken dass Frauen der ArbeiterInnenklasse materiell und moralisch unterst?tzt werden sollten, egal wie sie sich entscheiden. Frauen die sich von der doppelten Unterdr?ckung, mit der sie konfrontiert sind, befreien wollen, m?ssen die Kr?fte verstehen mit denen sie es aufnehmen – die herrschende und besitzende Klasse die die Gesellschaft dominiert und in Geiselhaft h?lt und die damit einhergehende Unterdr?ckung von Frauen. Das Beispiel der K?mpferinnen der Bolschewiki zeigt, dass kollektive Unterst?tzung f?r jede Frau, die sich gegen den eisernen Griff der Traditionen wendet, die ihr ihre grundlegendsten Rechte verwehren, n?tig ist.

Es ist eine zentrale Aufgabe von SozialistInnen, die Frauen der ArbeiterInnenklasse zu ermutigen f?r sich selbst und ihre Rechte aufzustehen und am gemeinsamen Kampf f?r Verbesserung in den Fragen, die f?r sie eine wichtige Rolle spielen, teilzunehmen. Den Kampf f?r Sozialismus voranzutreiben, um jene grundlegenden sozialen Ver?nderungen zu erreichen, die unmittelbaren materiellen Nutzen f?r den Gro?teil der Menschheit und ein Ende f?r Krieg, B?rgerkrieg, Not und Armut auch tats?chlich garantieren k?nnen, ist damit untrennbar verbunden. In einer sozialistischen Gesellschaft, die auf ?ffentlichem Gemeineigentum aufbaut und nach den Prinzipien der Kooperation und Zusammenarbeit organsiert ist, w?rden alle „Nebenwirkungen“ des Kapitalismus – Chauvinismus, Rassismus, Doppelmoral – dahinschmelzen und eine neue ?ra des Fortschritts der Menschheit f?r Frauen, M?nner und Kinder einl?uten.