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Tarifabschluss 2004: Nein zum faulen Kompromiss

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Flugblatt der SAV zum Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie vom 19. Februar 2004
 
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Verhandlungsergebnis f?r die Tarifrunde ist entgegen offizieller Aussagen der IG Metall unannehmbar. Unbezahlte Mehrarbeit soll doch eingef?hrt werden. Die Verschlechterungen sind:

L?nger Arbeiten auch ohne Lohn

Laut Vereinbarung zwischen Arbeitgebern und der IGM soll die ?Erh?hung oder Absenkung der Arbeitszeit mit oder ohne vollen Lohnausgleich? erm?glicht werden, indem ?von tariflichen Mindeststandards abgewichen (K?rzung von Sonderzahlungen, Erh?hung oder Absenkung der Arbeitszeit mit oder ohne vollen Lohnausgleich)? wird.

Ausweitung der Arbeitszeit

Die 13% bzw. 18%-Regelung kann auf 50 Prozent aller Besch?ftigten ausgedehnt werden. Hei?t es offiziell dies gelte nur in Betrieben mit einem hohen Anteil Besch?ftigter in hohen Gehaltsgruppen, so kann dieser Grundsatz wieder aufgehoben werden: ?Um Innovationsprozesse zu erm?glichen oder Fachkr?ftemangel zu begegnen, sollen (… ) die Tarifparteien eine h?here Quote f?r den Betrieb oder Teile des Betriebes vereinbaren.?

Arbeitszeitkonten

Es wurde vereinbart die Verhandlungen zu Arbeitszeitkonten abzuschlie?en. ?Dabei wird den Betriebsparteien ein erweiterter Gestaltungsspielraum bei der Flexibilisierung der Arbeitszeit ?bertragen.? Es wird festgehalten, dass es bei der Anwendung der Flexikonten keinen Ausgleichszeitraum gibt! Das ist nichts anderes als eine Arbeitszeitverl?ngerung auf Dauer und ohne Mehrarbeitszuschl?ge.

Lohn und Gehalt

Vor der Lohnerh?hung 2005 soll die wirtschaftliche Lage gepr?ft und festgestellt werden, ob von den 2,7 Prozent abgewichen werden kann. Rechnerisch ergibt sich eine j?hrliche Lohnerh?hung von 2,26 Prozent, was die massiven Preiserh?hungen und Zuzahlungen, sowie K?rzungen der Sozialleistungen nicht im entferntesten ausgleicht. Nach Abzug f?r den ERA ergibt sich eine tabellenwirksame Lohnsteigerung von 1,61 Prozent im gesamten Zeitraum von 26 Monaten. Wer 2000 Euro brutto verdient, wird dann rund zwei Euro mehr pro Tag haben!

Dieses Verhandlungsergebnis darf nicht umgesetzt werden!

Das Ergebnis widerspricht den Beschl?ssen des letzten Gewerkschaftstags, in denen die Verk?rzung der Arbeitszeit gefordert wird. Das Ergebnis widerspricht den Forderungen der Delegiertenversammlungen und der Tarifkommissionen, die eine reine Lohnrunde mit einer Laufzeit von 12 Monaten verlangen und die Einbeziehung der Arbeitszeit ausdr?cklich ausschlie?en. Das Ergebnis widerspricht dem Kampf um die 35-Stundenwoche vor 20 Jahren. Es ist ein Unding, dass ein solcher Abschluss ohne Urabstimmmung gemacht wurde. Es ist ein Unding, dass im Westen abgeschlossen wird und die Kolleginnen und Kollegen im Osten allein gelassen werden.

Was w?re m?glich gewesen?

Fast 500.000 Metallerinnen in mehr als 1.800 Betrieben hatten sich innerhalb von zwei Wochen an Warnstreiks beteiligt. ?In dieser krassen Form war das noch nie da, solche Teilnehmerzahlen hat es noch nie gegeben? (Zwiebelhofer, Arbeitgebervertreter, in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung am 11. Februar 2004) Die Unternehmer hatten Angst vor einem Streik. Wenn die ganze Kampfkraft in die Waagschale geworfen worden w?re, mit einem Vollstreik w?re es m?glich gewesen, den Angriff der Arbeitgeber voll zur?ckzuschlagen und die Forderungen der IGM voll durchzusetzen.

IGM braucht neue F?hrung

Peters, Huber, Hofmann und Co. haben ihren Frieden mit den Unternehmern geschlossen und verteidigen nicht mehr die Grundprinzipien der Gewerkschaft, wie den Fl?chentarifvertrag. Die Konsequenz daraus kann nur sein, dass es dringend notwendig ist, dass sich kritische Kolleginnen und Kollegen in der IGM zusammenschlie?en und so den Spitzengehaltsfunktion?ren Paroli bieten. Es ist notwendig, den Kampf f?r ein neues Programm und eine neue k?mpferische F?hrung aufzunehmen.

Das Flugblatt als pdf-Datei hier zum Download