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IG Metall vor hartem Tarifkonflikt

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Die IG Metall muss die Proteste gegen Sozialkahlschlag mit der Tarifbewegung zusammenf?hren
 
Die angelaufene Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie, aber auch in der Druckbranche, wird keine Tarifauseinandersetzung wie jede andere sein. Den Unternehmern geht es um mehr als um L?hne und Arbeitsbedingungen. Sie wollen den Gewerkschaften in ihrem ?Kerngesch?ft?, der Tarifpolitik, eine Niederlage beibringen.
W?hrend die Spitze der IG Metall in vorauseilendem Gehorsam nur eine minimale Lohnerh?hung von vier Prozent fordert, geht der Unternehmerverband Gesamtmetall in die Offensive: Die w?chentliche Arbeitszeit soll auf Betriebsebene von derzeit 35 auf bis zu 40 Stunden verl?ngert werden k?nnen. Dar?ber entscheiden sollen Unternehmensleitung und Betriebsrat, ohne Mitsprache der Gewerkschaft. Das g?lte auch f?r die Frage, ob f?r die Arbeitszeitverl?ngerung ?berhaupt Lohnausgleich gezahlt w?rde. W?rden die Unternehmer mit dieser Forderung durchkommen, w?re der Erpressung von Betriebsr?ten und Belegschaften, auch ohne gesetzliche Zerschlagung der Tarifautonomie, T?r und Tor ge?ffnet.
Noch schlimmer liest sich der Horrorkatalog der Druckunternehmer: Sie fordern ebenfalls die betriebliche Ausweitung der Wochenarbeitszeit auf 40 Stunden. Au?erdem sollen bis zu acht freie Tage gestrichen und Zuschl?ge f?r Nacht-, Wochenend- und Feiertagsarbeit pauschal gek?rzt werden. Die L?hne w?rden dadurch um bis zu 30 Prozent sinken. Dass die Kapitalseite sich ausgerechnet die Druckbranche ausgesucht hat, ist keineswegs ein Zufall. Die DruckerInnen sind traditionell kampfstark und hatten in der Vergangenheit oft eine Vorreiterrolle beim Erreichen von Verbesserungen inne. Die von den DruckerInnen durchgesetzen Standards gelten als Haltepunkt f?r die Bedingungen in anderen Branchen. Gerade hier wollen die Unternehmer nun die Kraft der Gewerkschaft brechen.

Niedrige Forderung

Die von den Tarifkommissionen der IG Metall beschlossenen vier Prozent Lohnforderung sind viel zu niedrig, um die ab 1. Januar erh?hten Ausgaben (zum Beispiel durch die Gesundheitsreform) wieder reinzuholen. Den ?verteilungsneutralen Spielraum?  ? Produktivit?tssteigerung plus Inflation ? gibt die Gewerkschaft mit 3,3 Prozent an. Bis zu 1,39 Prozent der Tarifsteigerung muss f?r das mit dem letzten Tarifabschlu? vereinbarte Entgeltrahmenabkommen (ERA) zur Angleichung der Entlohnung von ArbeiterInnen und Angestellten angerechnet werden. Selbst wenn die IG Metall ihre Forderung vollst?ndig durchsetzt, w?rden die Reall?hne kaum steigen. Schon der letzte Tarifabschluss im Jahr 2002, den Gesamtmetall-Pr?sident Martin Kannegie?er ?zwei Prozent zu hoch? findet, hat dieses Jahr zu einem Reallohnverlust von einem Prozent gef?hrt.

Keine Abstriche!

Die Unterehmer tun so, als k?nnten sie sich Lohnerh?hungen nicht leisten. Das stimmt nicht! Der durchschnittliche Anteil der L?hne am Umsatz liegt in der Metallindustrie lediglich bei 19,4 Prozent. Die Kosten der Unternehmen w?rden bei einer vier prozentigen Lohnerh?hung um weniger als ein Prozent steigen.
Lohnzur?ckhaltung rettet keine Arbeitspl?tze, im Gegenteil: In den letzten zehn Jahren sind die Reall?hne deutlich zur?ckgegangen, die Erwerbslosigkeit ist dagegen deutlich gestiegen. Die Lohnst?ckkosten liegen unter denen der internationalen Konkurrenz. Deutschland ist Exportweltmeister. Wenn die Unternehmer in dieser Situation weitere Kostensenkung fordern, hei?t das nur, dass sie den Hals nicht voll kriegen.
Tarifautonomie und Fl?chentarif werden wir nicht dadurch erhalten, dass wir unsere ?Flexibilit?t? beweisen, indem wir noch mehr ?ffnungsklauseln zustimmen. Die IG Metall muss sich allen Versuchen der Unternehmer verweigern, den Fl?chentarifvertrag weiter zu zersetzen.
Vor dem Hintergrund der Proteste von Studierenden, Sch?lerInnen, Erwerbslosen und anderen Betroffenen gilt es, diese Tarifrunde zu nutzen, um den Widerstand gegen Sozialk?rzungen zusammenzuf?hren!

von Daniel Behruzi, Berlin

Wir fordern:
– Volle Durchsetzung der 4-Prozent-Forderung (ohne ERA-Strukturkomponente) bei zw?lfmonatiger Laufzeit
– Nein zu ?ffnungsklauseln, betrieblicher Differenzierung und Arbeitszeitverl?ngerung
– F?r ?gl?serne Tarifverhandlungen?. Kein Abschluss ohne Urabstimmung
– Sofortige Vorbereitung eines Vollstreiks in der Metallindustrie f?r die volle Durchsetzung der Tarifforderung, gegen Sozialabbau und f?r die Verteidigung der Tarifautonomie
– Gemeinsamer Kampf aller Gewerkschaften, die sich in Tarifauseinandersetzungen befinden