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Rüstungskonversion unter Arbeiterkontrolle

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Das Beispiel Lucas Aerospace
 
Ein hervorragendes Beispiel für die Fülle von Talenten und Ideen, die in jeder Belegschaft stecken, lieferten die Arbeiter von Lucas Aerospace in Großbritannien in den 70er Jahren. Der Konzern produzierte hauptsächlich für die Rüstungsindustrie. Wegen Auftragsmangels geriet er Ende der 60er Jahre in die Krise. Arbeitsplätze waren bedroht.
Da ergriff der gewerkschaftliche Vertrauensleute-Körper die Initiative: er arbeitete unter Beteiligung aller Beschäftigten (Chefkonstrukteur ebenso wie Hilfsarbeiter) einen Plan für eine alternative Produktion aus. Mike Cooley, ihr Sprecher: „Es erschien uns absurd, dass wir alle diese Geschicklichkeit, Kenntnisse und Möglichkeiten hatten, während die Gesellschaft dringend Produkte und Dienstleistungen brauchte, die wir herstellen können, und dennoch die Marktwirtschaft unfähig erschien, beides zusammen zu bringen…
Wir fragten unsere eigenen Gewerkschaftsmitglieder, was sie glaubten tun zu müssen. In kurzer Zeit hatten wir Ideen für 150 Produkte, die wir mit den vorhandenen Werkzeugmaschinen und Fertigkeiten bei Lucas Aerospace bauen konnten. Unsere Vorschläge trennten wir in sechs größere Produktionsbereiche, die jetzt in sechs Bänden zusammen gefasst sind, jeder mit ungefähr 200 Seiten. Sie enthalten spezifische Details, wirtschaftliche Berechnungen und sogar Entwurfszeichnungen.“
Unter den gesellschaftlich nützlichen Produktionsvorschlägen befinden sich medizinische Geräte, verbesserte und billigere künstliche Nieren, neuartige Energiespeicher, Wärmepumpen mit einem hohen Wirkungsgrad, ein Univrsal-Antriebsaggregat für verschiedene Fahrzeugtypen mit 50 Prozent verringertem Treibstoffverbrauch und erheblich geringerer Lärmentwicklung, ferngesteuerte Roboter und Tiefseeforschungsgeräte.
Wer die Pläne der Lucas-ArbeiterInnen genau studiert, wer die Geschichte ihrer Entstehung kennt, wer weiß, dass die meisten Ideen von einfachen ArbeiterInnen unter Beratung einiger Ingenieure entwickelt wurden – der kommt nicht umhin: Die Umstellung von Rüstungsproduktion auf zivile Güter ist möglich. Demokratische Arbeiterkontrolle und –verwaltung über die Industrie wird funktionieren und die Produktion um ein Vielfaches effektiver, nützlicher, billiger, menschen- und umweltfreundlicher machen.