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Der „Choose Your Side-Sunday“ im American Football

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By Mike Morbeck (Flickr: Colin Kaepernick) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons

Trump provoziert Ausweitung des Kampfes von SportlerInnen gegen den Rassismus

von Jordan Quinn, „Socialist Alternative“

„Würdet ihr es nicht auch klasse finden, wenn einer dieser Vereinsbesitzer aus der NFL zu jemandem, der unsere Flagge nicht respektiert, sagen würde: >Nimm diesen Hurensohn sofort vom Platz. Raus Er ist gefeuert!<“, so die Worte von US-Präsident Donald Trump während einer Kundgebung in Alabama.

Diese Auslassungen haben zu einem Sturm der Entrüstung und zu Protesten geführt, an denen sich ganze Football-Teams beteiligen. Wenn (wie bei jedem Footballspiel der 1. Liga NFL üblich; Erg. d. Übers.) die US-amerikanische Nationalhymne erklingt, hocken sie sich auf die Knie oder bleiben sogar in den Kabinen, bis das eigentliche Spiel beginnt.

Begonnen hatte alles mit dem Sportler Colin Kaepernick, der sich mit der neu entstandenen Bürgerrechtsbewegung „Black Lives Matter“ solidarisierte und sich während der Nationalhymne hinkniete. Seitdem ist eine Debatte im Gange, an der sich sogar ansonsten recht unpolitische Sportfans beteiligen. Es geht um die Rolle der SportlerInnen in Bezug auf den politischen Protest, den Rassismus in den USA und Rassismus im Sport im Speziellen.

„Das hier ist der >Choose your side-Sunday<. Ja, wirklich. Und auf welcher Seite stehen Sie?“, fragt Charles Woodson, der unabhängig davon in die „Ruhmeshalle“ des American Football aufgenommen werden soll.

Während der anhaltende „#TakeAKnee“-Protest der NFL-Spieler ausgeweitet wird, weil man damit Donald Trump die Stirn bieten will, hatten sich zu Beginn der Saison nur einige wenige Spieler an dieser von Kaepernick ins Leben gerufenen Protestform beteiligt. Am häufigsten hatte sich noch Michael Bennett in dieser Form verhalten. Doch am Sonntag, dem 24. September, sollte es anders kommen. Es beteiligten sich an diesem Spieltag plötzlich mehr Spieler an den Protesten als in der gesamten letzten Saison. Sogar einige Vereinseigner sahen sich gezwungen, den Schulterschluss mit ihren Spielern zu suchen (darunter auch Shad Khan und Jerry Jones, die anlässlich der Amtseinführung des neuen Präsidenten noch jeweils eine Million US-Dollar an Trump gespendet hatten). Sie gaben Erklärungen ab, in denen sie die Kommentare von Trump als „spalterisch“ verurteilten.

Vermischung von Sport und Politik

Dass diese Proteste am Sonntag in ihre dritte Woche gegangen sind, ist ein positiver Schritt voran, der zeigt, dass auch SportlerInnen nicht immun gegenüber politischen Entwicklungen sind und dass auch Sportfunktionäre politischem Druck nachgeben müssen. Natürlich ist diese scheinbare Einheit in der Liga alles in allem hohl. Sie wird nur von kurzer Dauer sein. Erinnert sei nur an die Reaktion genau derselben Vereinsbesitzer auf Colin Kaepernick, als dieser zuerst während der Hymne niederkniete. Auch folgte keine Reaktion auf die anderen sexistischen, rassistischen und ausländerfeindlichen Kommentare, die Trump schon an anderer Stelle von sich gegeben hat. Auch stellt sich die Frage, auf welcher Seite sie stehen, wenn es um die Vertragsverhandlungen mit der NFLPA, der Vereinigung der Footballspieler in der NFL, geht. Die große Frage, die sich vor dem kommenden Sonntag stellt, lautet: Werden die Vereinsbesitzer weiter zu ihren protestierenden Spielern halten oder werden sie den Protest niederhalten, um zum „Normalbetrieb“ zurückzufinden?

Auf längere Sicht gesehen, werden sich die Vereinseigner auf jede Seite schlagen und jegliche Position übernehmen, von der sie meinen, dass sie damit ihre Profite sichern. Und schon kursieren Boykott-Aufrufe von rechts gegen die NFL. Und diejenigen, die sowohl Spenden an Trump überwiesen und sich zusammen mit den Spielern niedergekniet haben, werden sich positionieren.

Die Spieler-Proteste werden der „Black Lives Matter“-Bewegung den Rücken stärken, die ihrerseits eine Drohkulisse für den Rassismus des Kapitalismus darstellt. Letzterer befindet sich in einer zunehmend instabilen Situation, was die sozialen als auch die ökonomischen Verhältnisse angeht. Die SportlerInnen sind so lange und vehement schon auf ihre Rolle festgelegt worden, sich „nur mit dem Sportlichen“ zu beschäftigten, weil dies nicht nur im Interesse der einzelnen Vereine ist, für die sie antreten, sondern des Sport an sich und mit ihm des gesamten kapitalistischen Systems. Aufsässige SportlerInnen, die beispielsweise gegen Polizeigewalt protestieren, könnten schließlich derart selbstbewusst werden, dass sie im Folgenden auch aktiv werden gegenüber ihren Vereinsbesitzern, um diese zu größeren Zugeständnissen zu zwingen (z.B. was die Sicherheit im Sport angeht). Größere Bedeutung hat hingegen die potentiell vorhandene Macht der SportlerInnen, ihre Popularität im Sinne sozialer Bewegungen einzusetzen. Diese könnten somit innerhalb wie außerhalb der Sportarenen gestärkt werden.

Präsident Trump scheint hartnäckig zu bleiben. Auf diese Weise liefert er den SportlerInnen weitere Gründe sich an die Seite der sozialen Bewegungen zu stellen. Abgesehen von seinen Kommentaren über die sich hinknieenden Footballspieler, machte er vor kurzem von „Twitter“ Gebrauch, um Steph Curry von den „Golden State Warriors“ (Basketball-Mannschaft aus dem kalifornischen Oakland) aus dem „Weißen Haus“ wieder auszuladen. Das Ergebnis davon ist, dass nun das gesamte Team der „Warriors“ den Besuch im „Weißen Haus“ absagen wird! Je stärker Donald Trump den Sport in die Politik holt, desto stärker werden sich die SportlerInnen zur Wehr setzen.

Fans und SportlerInnen können und sollten sich nicht den Mund verbieten lassen, wenn es um wichtige politische Themen geht. Sie sollten Position beziehen und mithelfen, Bewegungen gegen Rassismus, Sexismus und Fremdenfeindlichkeit (um nur einige zu nennen) aufzubauen. Wir stehen an der Seite von Sportlern wie Michael Bennett, Colin Kaepernick und all denen, die sich an den Protesten vom Sonntag beteiligt haben. Sie haben ihre gesellschaftliche Position mutig eingesetzt, um auf die Situation der unterdrückten Menschen hinzuweisen und Bewegungen wie „Black Lives Matter“ gegen rassistische Polizeigewalt und Diskriminierung zu stärken. Diese SportlerInnen kann man am besten unterstützen, indem man eine Massenbewegung aufbaut, die die Bemühungen von Leuten wie Bennett und Kaepernick im Kampf gegen eine rassistische Justiz und zur Beendigung des Strafverfolgungsterrors aufgreift.