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Bundesweite Demo von TherapeutInnen in Berlin

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Für bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen

Zum ersten mal seit langem werden am 24. Juni TherapeutInnen aus verschiedenen Berufsgruppen zusammen in Berlin auf die Straße gehen um gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in den Therapieberufen zu demonstrieren.

von Steffen Strandt, Physiotherapeut in Berlin

Für die Berufsgruppe der sogenannten „Heilmittelerbringer“ (Physio- und Ergotherapie, Podo-, Moto-, und Logopädie, MasseurInnen) gibt es zahlreiche Missstände. Der größte und für die meisten KollegInnen am drängendsten empfundene, ist die miserable Vergütung. Physiotherapie gehört zu den zwanzig am schlecht bezahltesten Berufen in Deutschland mit einem durchschnittlichen Bruttogehalt von 2055 Euro im Monat. Und das bei einer dreijährigen anspruchsvollen Ausbildung, die nicht vergütet wird und meist viel Geld an Privatschulen kostet. Mit steigenden Lebenshaltungskosten, höheren Mieten und einem größer werdenden Bürokratieaufwand wurden seitdem die Bedingungen in den Praxen immer schlechter.

Die Initiative für die Demonstration ging von dem 2014 gegründeten „Bund vereinter Therapeuten“ aus. Dieser ist eine Initiative von selbstständigen und angestellten TherapeutInnen, die mit den jahrelangen Verschlechterungen und der erfolglosen Vertretung der zahlreichen zersplitterten Berufsverbände nicht zufrieden waren. Die knappen aber klaren Forderungen sind eine deutliche Anhebung der Vergütungen durch die Krankenkassen, das Ende vom Bürokratiewahnsinn, Reform der Ausbildung, sowie größere Mitsprache und mehr Kompetenzen von TherapeutInnen im Gesundheitssystem und gegenüber ÄrztInnen.

Dass die Arbeitsbedingungen in den Therapieberufen so schlecht (geworden) sind, ist Ergebnis einer zunehmenden Privatisierung und Ökonomisierung im Gesundheitssystem. In einem System, in dem hunderte gesetzliche und private Krankenkassen, Pharmakonzerne, Krankenhausbetreiber etc. Profite mit Gesundheit machen wollen, ist kein Platz für die PatientInnen. Heilmittel werden nur noch als Kostenfaktor gesehen, die möglichst wenig kosten dürfen. TherapeutInnen sollen in diesem System als Unternehmer auftreten, die aber von den gesetzlichen Kassen nur die mickrigen Vergütungen erhalten, die sie in Form von niedrigen Löhnen weitergeben.

TherapeutInnen sind nicht die einzigen, die gegen diese Bedingungen im Gesundheitssystem aufstehen. Vor allem die Beschäftigten in der Pflege zeigen im Moment, dass politische Kämpfe und Arbeitskämpfe auch in der Patientenversorgung möglich sind. Vor allem der erfolgreiche Kampf an der Berliner Charité für mehr Lohn und für mehr Personal im Krankenhaus hat gezeigt, dass Kämpfen sich lohnen kann, aber auch, dass es massiven Druck und Streikmaßnahmen bedarf.