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Pflegeazubis leiden unter Personalmangel

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krankenschwester-public-domainErgebnisse des „Ausbildungsreport Pflegeberufe 2015“

Auszubildende in Pflegeberufen sind überdurchschnittlich unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen. Stress, Überlastung und eine schlechte Ausbildungsqualität sind die Folge von Einsparungen im Pflegebereich, wie ver.di mit einer Befragung unter Azubis aufzeigt.

von Charlotte Claes, Berlin

Der neue „Ausbildungsreport Pflegeberufe 2015“, eine Umfrage unter Auszubildenden in Krankenhäusern und Seniorenpflegeeinrichtungen, zeigt, dass sich seit der letzten Erhebung im Jahr 2012 an den zum Teil mangelhaften Bedingungen, unter denen angehende Pflegekräfte ihren Beruf erlernen sollen, nicht viel geändert hat. Befragt wurden über 3.400 Auszubildende aus dreizehn Bundesländern. Nur 58,5 Prozent gaben an, dass sie mit ihrer Lehre zufrieden sind. Zum Vergleich: die durchschnittliche Zufriedenheit in anderen Ausbildungsberufen liegt bei mehr als 70 Prozent.

Lernbedingungen sind ausbaufähig

Eines der häufigsten und charakteristischsten Probleme ist demnach ein „Stations-Hopping“, also das ungeplante, kurzfristige Versetztwerden in andere Bereiche, um die MitarbeiterInnen anderer Stationen zu entlasten. Die Auszubildenden werden also als Aushilfe missbraucht, um Personalmangel auszugleichen, wobei sie wenig für die Ausbildung Zweckmäßiges lernen können und durch das ständige Zurechtfinden in neuen Situationen stark belastet werden.

Über vierzig Prozent geben an, in ihrer praktischen Arbeit im Betrieb kaum Unterstützung durch sogenannte AnleiterInnen zu bekommen, die ihnen Arbeitsvorgänge erklären und beibringen. Mehr als 80 Prozent der Lehrlinge sagen, dass es schlicht nicht genug AnleiterInnen gibt und ein Drittel kennt laut Studie den eigenen Ausbildungsplan nicht (oder es ist gar keiner vorhanden), obwohl dieser für ein geregeltes Erlernen des Pflegeberufes und eine gute praktische Ausbildung essenziell ist.

Obwohl die Ausbildungsträger rechtlich verpflichtet sind, die Lehrbücher und Lehrmaterialien kostenlos zur Verfügung zu stellen, müssen die Auszubildenden diese Mittel in der Realität sehr häufig selber bezahlen – und die Kosten belaufen sich teilweise auf mehrere hundert Euro.

Schlechte Arbeitsbedingungen

Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen sind auch Überstunden in der Ausbildung alltäglich. In der Altenpflege müssen über vierzig Prozent der Auszubildenden regelmäßig Überstunden leisten, in der Krankenpflege knapp ein Viertel und das teilweise unbezahlt.

Jede(r) dritte Auszubildende steht durch die Arbeit unter Dauerstress, wie die Studie offenlegt. Auch wenn die meisten Lehrlinge nach Tarif bezahlt werden, erhalten knapp dreiundzwanzig Prozent der Lehrlinge trotz ihrer anstrengenden Arbeit nur einen Niedriglohn, der unter dem liegt, was rechtlich zugelassen ist. In einzelnen Bundesländern wie Sachsen ist die Ausbeutung von Pflege-Azubis besonders krass: hier sind es sogar annähernd vierzig Prozent.

Sparpolitik heißt: Profit vor Menschen

Im Gesundheits- und Sozialbereich haben Kürzungen dazu geführt, dass immer weniger Personal immer mehr Patienten versorgen muss. Folge des massiven Personalmangels sind zum Teil katastrophale Zustände in den Einrichtungen, die die Qualität der Ausbildung in Mitleidenschaft ziehen. Azubis leiden unter der chronischen Unterbesetzung in Krankenhaus und Altenheim, wenn sie in Personalengpässen herbeispringen und Hilfsarbeiten ausführen müssen, ihnen Tätigkeiten wegen Zeitdrucks nicht erklärt werden, Theorie und Praxis nicht aufeinander abgestimmt werden.

Die Zustände zeigen, dass Pflegeberufe dringend aufgewertet werden müssen. ver.di fordert eine gesetzliche Mindestpersonalausstattung, um die Missstände zu beheben. Und die Erfahrung zeigt, dass kämpfen sich lohnt: nach jahrelangen Auseinandersetzungen wurde vor kurzem am größten Berliner Krankenhaus mit dem ersten Tarifabschluss für verbindliche Personalschlüssel im Pflegebereich ein Meilenstein erreicht. Eine bundesweite Bewegung für eine angemessene Personalausstattung in den Krankenhäusern und Pflegeheimen kann der unsinnigen Sparpolitik etwas entgegensetzen. Kämpferische Gewerkschaften aufzubauen, die Azubis und Fachkräfte organisieren, ist dafür notwendig.