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Protestwelle an den niederländischen Hochschulen

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Foto: https://www.flickr.com/photos/junyo/ CC BY-NC-ND

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Dieser Artikel erschien zuerst am 5. März auf der englischsprachigen Webseite socialistworld.net

Für demokratische Reformen und ein Ende der Budget-Kürzungen

von Bas de Ruiter, „Socialist Alternatief“ (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in den Niederlanden)

In den letzten Wochen ist es in Amsterdam zu Studierenden-Protesten gekommen. Am Mittwoch, dem 4. März, folgten dann auch Aktionen in mehreren anderen Städten des Landes. Diese Proteste sind das Ergebnis eines Solidaritätsaufrufs der Studierenden in Amsterdam, die Unterstützung in ihrem Kampf für demokratische Reformen in der Verwaltung der Hochschulen und ein Moratorium für die zusätzlich geplanten Budget-Kürzungen im Bildungsbereich einforderten. Wir haben es mit einem Kampf gegen die Folgen der anti-demokratischen „Reformen“ in den letzten Jahrzehnten und Budget-Kürzungen zu tun, die die Hochschulen (und weitere Einrichtungen des höheren Bildungswegs) des ganzen Landes treffen.

In der letzten Woche haben Studierende in Amsterdam „Het Maagdenhuis“ besetzt, bei dem es sich um einen symbolträchtigen Teil der Universität von Amsterdam (UvA) handelt. Schon im Zuge der Studierendenproteste Ende der 1960er und zu Beginn der 1970er Jahre ist dieses Gebäude besetzt worden. Die damalige Bewegung war motiviert durch die Proteste im Mai ´68, die in Frankreich begonnen und sich wie ein Gespenst durch ganz Europa (und auch andere Teile der Welt) gezogen haben.

Proteste weiten sich aus

In den letzten Tagen haben Studierende auch in mehreren anderen niederländischen Städten wie zum Beispiel in Groningen, Nimwegen und Utrecht kleinere Proteste und/oder Versammlungen organisiert. In den meisten Fällen fanden diese in Form von Diskussionsveranstaltungen statt, um andere Studierende und das Personal, das an den Universitäten beschäftigt ist, zu informieren sowie mit ihnen darüber zu diskutieren, wie es um die Zukunft der höheren Bildung in den Niederlanden steht. Am Institut für höhere Bildung in Tilburg, dem Kolleg für Wirtschaftswissenschaften (das 1969 von den protestierenden Studierenden in „Karl Marx Universität“ umbenannt wurde), sind vor einem Treffen von Studierenden und Hochschulbeschäftigten Flugblätter verteilt worden, die Jan Blommaert, Professor für Sprach- und Kulturwissenschaften, verfasst hatte.

Die neue Welle von Studierendenprotesten ist ein begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung, der die Solidarität der arbeitenden Menschen braucht. Die Tatsache, dass jede neue Generation von Studierenden immer wieder denselben Kampf führen muss (natürlich in unterschiedlichen Situationen und Ausführungen), deutet darauf hin, wie schwach der politische Organisationsgrad und das politische Bewusstsein innerhalb der Studierendenbewegung ist. Wenn die derzeitigen Proteste etwas Nachhaltiges für die Zukunft erreichen wollen, muss sich das ändern. Will man konkrete Erfolge erreichen, dann müssen die Proteste der Studierenden die gesamte Studentenschaft, die DozentInnen und alle anderen Beschäftigten an den Hochschulen umfassen und verbunden werden mit den abhängig Beschäftigten in den anderen Bereichen der Gesellschaft.