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Streiktag ist kein Einkaufstag

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din-lang-karte-libt-verkaeuferinnen-ansicht-4VerkäuferInnen im Einzelhandel unterstützen

Über Jahre hinweg haben die Arbeitgeber das Lohndumping im Einzelhandel ausgeweitet. Inzwischen arbeitet jede Dritte in der Branche zu einem Niedriglohn. Ausgeglichen wird das durch die Steuerzahler. Sie ergänzen die Niedriglöhne mit 1,5 Milliarden Euro Hartz-IV-Geldern. Für „Aufstocker“. Doch das reicht den Arbeitgebern noch nicht, sie haben Anfang 2013 alle Manteltarifverträge gekündigt und wollen damit vor allem schlechtere Eingruppierungen und das Ende von Zuschlägen durchsetzen. Damit geht es vielen Beschäftigten an die Existenz.

von Doreen Ullrich, Aachen

Dabei verdienen die Großunternehmen im Handel nicht schlecht. Nach Berechnungen der Bundesbank stiegen die Gewinne vor Steuern von 11,8 Milliarden Euro im Jahr 2000 auf 21,5 Milliarden Euro 2010. Es ist also nicht so, dass die Bosse sich vernünftige Löhne nicht leisten könnten. Nein, sie wollen sie nicht bezahlen!

Streik im Weihnachtsgeschäft

Das einzige überzeugende Argument in so einem Fall: Streik – und zwar mit voller Kraft. Was bisher auf die Beine gestellt wurde, ist beeindruckend: Weit mehr als 100.000 Beschäftigte haben sich an Arbeitsniederlegungen beteiligt, einige von ihnen mehrfach. An die 1.000 Betriebe wurden einbezogen. In Stuttgart gab es wiederholt Streikversammlungen von mehreren hundert KollegInnen.

Aber noch wurden nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft. So wäre zum Beispiel eine stärkere fachbereichs- und gewerkschaftsübergreifende Zusammenarbeit denkbar und sinnvoll.

Das Weihnachtsgeschäft ist für viele Händler die umsatzstärkste Zeit. Genügend Gelegenheit also, die Bosse bei ihren Profiten zu treffen und deutlich zu machen: Mehr Lohn muss her – nicht weniger. Das kann bedeuten, verkaufsoffene Sonntage zu bestreiken, genauso wie umsatzstarke Samstage.

KollegInnen vernetzen – bundesweite Demo

Drei Millionen Beschäftigte im Einzelhandel – diese Macht gebündelt … Das wäre ein deutliches Signal der Stärke und der Ernsthaftigkeit. Die Idee einer bundesweiten Demonstration brachte bereits der Ko-Vorsitzende der LINKEN Bernd Riexinger auf einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Kassel kürzlich vor. Um für solch eine Demonstration bei den ver.di-Oberen Druck zu machen, könnten regionale Demonstrationen ein guter erster Schritt sein.

Sinnvoll wäre außerdem die Einberufung einer bundesweiten Streikkonferenz mit Aktiven und Delegierten aus den bestreikten Betrieben, um über eine Koordinierung der Streikbewegung und die nächsten Schritte zu beraten. Vernetzt gehören auch die Streikaktivitäten im Einzelhandel mit denen im Online-Handel, so bei Amazon. Beide Streiks gehören zusammen.

Solidarität ist notwendig

Die Aufkündigung aller Manteltarifverträge ist ein Generalangriff auf die Beschäftigten. Klar ist auch: Kommen die Arbeitergeber hier damit durch, wird das auch in anderen Branchen versucht. Deshalb ist Solidarität mit den Streiks der KollegInnen oberstes Gebot. KundInnen könnten in Absprache mit Streikenden diese aktiv bei Streikposten unterstützen. Bei der LINKEN kann Material für PassantInnen angefordert werden. Unter dem Motto „Ihnen einen schönen Einkauf – der Verkäuferin einen guten Lohn“ hat die LINKE Postkarten und anderes Infomaterial erstellt. Darüber hinaus ist eine breite Öffentlichkeitskampagne von ver.di – unterstützt durch DGB, Einzelgewerkschaften, DIE LINKE und soziale Bewegungen – nötig.