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Internationaler Frauentag: Ein Jahrhundert von Kämpfen

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Foto: http://www.flickr.com/photos/abuaiman/ CC BY-NC-SA 2.0

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Anlässlich des Internationalen Frauentages veröffentlichen wir nochmals den Artikel von Elin Gauffin von 2010 als sich der Frauentag zum hundersten Mal gejährt hat. Das diesjährige Statement des CWI (Komitee für eine Arbeiterinternationale, dem in Deutschland die SAV angehört) ist hier zu finden.

von Elin Gauffin, CWI Schweden

Seit dem frühen 20. Jahrhundert war der Internationale Frauentag am 8. März ein Kampftag für arbeitende Frauen. Heutzutage ist er durch das kapitalistische Establishment in einen Feiertag, manchmal auch mit kommerziellem Charakter, umgewandelt worden. Viel ist in der vergangenen Zeit passiert, und es hat sich bestätigt, dass die Unterdrückung von Frauen bekämpft und zurückgedrängt werden kann. Aber die grundlegende Unterdrückung der Frauen in der Gesellschaft besteht fort. Tatsächlich sind in den letzten Jahren in Folge der kapitalistischen Krise einige Errungenschaften für Frauen verloren gegangen.

„Wir haben es geschafft“ titelte ein Kommentar im „Economist“ am 2. Januar 2010. Damit sollte gefeiert werden, dass im Jahre 2010 Frauen die Hälfte aller Arbeitenden in den USA ausmachen werden. Das ist eine Schritt nach vorne, aber seit wann gehört denn der „Economist“ dazu, wenn von „Wir“ gesprochen wird? Der gestiegene Anteil von Frauen an den Erwerbstätigen in den USA ist weder eine Folge von gestiegenen Sozialausgaben noch davon, dass Männer mehr Verantwortung im Haushalt übernommen hätten. In den USA wird von allen westlichen Staaten am wenigsten Geld für Kindergärten oder Elternzeit ausgegeben. Die USA haben die Erklärung der Vereinten Nationen zu Frauenrechten nicht unterschrieben. Der gestiegene Anteil von Frauen an den Erwerbstätigen ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Wirtschaftskrise in der Industrie Arbeitsplätze vernichtet hat. Die Arbeitslosigkeit von Männern stieg auf 11,2 Prozent, während 8,6 Prozent der Frauen arbeitslos sind.

Die meisten der in den letzten Jahren neu geschaffenen Arbeitsplätze wurden von Frauen besetzt. In Europa trifft dies auf sechs der acht Millionen neuen Arbeitsplätze seit dem Jahr 2000 zu. Aber dies drückt vor allem eine verschärfte Ausbeutung der Arbeiterklasse aus. Die meisten dieser neuen Arbeitsplätze sind unsicher, auf Teilzeitbasis oder befristet, oft verbunden mit schlechten Arbeitszeiten. Das bedeutet in der Regel schlechtere Stundenlöhne verbunden mit Stress und erhöhtem Krankheitsrisiko. Der Kapitalismus hat immer die Frauenunterdrückung genutzt und aufrecht erhalten – denn niedrige Löhne für Frauen bedeuten höhere Profite.

Das letzte, was Aktivistinnen heute am Internationalen Frauentag 2010 tun sollten, ist eine Pause zu machen. Die Situation für Frauen ist ernst und die Ereignisse des letzten Jahres werfen die Frage auf, wie es mit dem Kampf für Frauenrechte weitergehen soll.

Zum ersten mal in der Geschichte hungern über eine Milliarde Menschen – ein sechstel der Weltbevölkerung. Frauen machen 70 Prozent der Armen weltweit aus. Die meisten hungernden Menschen leben in Asien. Insgesamt 642 Millionen Menschen haben dauerhaft zu wenig zu Essen.

Frauen und Mädchen von Krise getroffen

Die Kinderrechtsorganisation PLAN hat folgende Folgen der Weltwirtschaftskrise benannt:

– Junge Frauen, die zu Millionen in export-orientierten Industrien arbeiten, sind die ersten, die arbeitslos werden. Frauen waren zum Beispiel von 7 von 10 Entlassungen auf den Philippinen betroffen.

– Die Summen, die migrantische ArbeiterInnen zur Unterstützung ihrer Familien nach Hause senden, sind nach einer Schätzung der Weltbank im Jahre 2009 um 7,3 Prozent gesunken. Arbeitsmigration hat abgenommen. Arbeiterinnen, die im Haushaltsbereich beschäftigt waren, müssen nach Hause zurückkehren.

– Bankkredite wie Mikrokredite und andere Projekte, die das Ziel haben, Frauen aus der Armut zu helfen, haben stark abgenommen.

– Wenn die Familien Einkommen verlieren, sind es häufiger die Mädchen, die als erstes die Schule verlassen müssen, um im Haushalt auszuhelfen oder arbeiten zu gehen. Nach Schätzung der ILO müssen weltweit über 100 Millionen Mädchen arbeiten gehen.

– Die Kindersterblichkeit hat zugenommen, und dies betrifft mehr Mädchen als Jungen. Es wird geschätzt, dass allein in Afrika letztes Jahr 50.000 Kinder als Folge der Weltwirtschaftskrise gestorben sind.

– Frauenhandel und Zwangsprostitution haben zugenommen. Dies war bereits eine tragische Folge der Asienkrise im Jahr 1997. Die erste „Industrie“, die sich damals erholt hatte, war die Sexindustrie. In Jakarta hat sich die Zahl der Frauen, die in der Sexindustrie arbeiten, im Jahr nach der Krise verdoppelt bis vervierfacht. Der Kapitalismus kennt keine Grenzen, wenn es darum geht, neue Märkte zu erschließen. Alles wird in „Waren“ verwandelt, also auch Körper und Gefühle. Eine Form des Frauenhandels ist der Handel mit Ehefrauen. In einigen Ländern hatte dies bereits dramatische Konsequenzen: Durch „selektive Abtreibung“ von Mädchen hat sich der Anteil von Frauen in der Gesellschaft verschoben. In China kommen, als Folge der Ein-Kind-Politik, auf 100 geborene Mädchen bereits 118 Jungen. 50.000 Frauen aus ärmeren Provinzen in China werden jedes Jahr für Hochzeiten verkauft. 10.000 Frauen aus Vietnam wurden für Hochzeiten oder Prostitution nach China verkauft.

Woran auch immer ein Mangel besteht, im Kapitalismus wird es zur Luxusware. So kommt unter reichen Männern Polygamie viel öfter vor. Nicht selten hat ein Manager aus Hong Kong, der regelmäßig nach Guangdong reist, dort eine zweite Frau.

Die tödlichen Folgen des Klimawandels

Frauen sind auch von der zweiten großen Krise, die der Kapitalismus hervorgebracht hat, besonders betroffen – dem Klimawandel. Die Erderwärmung als Folge von 150 Jahren kapitalistischer Industrialisierung, CO²-Ausstoß und Umweltzerstörung ist dieses Jahr ein wichtiges Thema für die Demonstrationen zum Internationalen Frauentag.

Nach Angaben der „Women’s Environment and Development Organisation“ haben Frauen und Kinder ein vierzehnfach erhöhtes Risiko, durch eine Naturkatastrophe zu sterben, als Männer. 70 bis 80 Prozent der Toten des Tsunami 2004 in Asien waren Frauen. Nach Katastrophen wie Erbeben oder Wirbelstürmen haben Frauen eine geringere Chance, Hilfe zu erhalten, und ein höheres Infektionsrisiko in der Folgezeit, wenn sie Kinder und alte Menschen pflegen.

Bereits jetzt ist eine Folge der Erderwärmung, dass Frauen – besonders in der neo-kolonialen Welt – höher belastet sind. Sie müssen weiter laufen, um Trinkwasser zu holen. Sie sind es, die die wegen Dürren oder Überschwemmungen immer anstrengendere Landarbeit verrichten müssen.

Am Internationalen Frauentag 2009 haben die kämpferischen Landarbeiterinnen von „Via Campesina“ ihre Wut gegen die Abholzung von Wäldern und die Zerstörung der Artenvielfalt zum Ausdruck gebracht. In Brasilia besetzten hunderte Frauen das Landwirtschaftsministerium. In Rio Grande do Sul besetzten 700 Frauen Ländereien des Papierkonzerns Votorantin Cellulose. In anderen Teilen des Landes wurden Bergwerke, Rohrzuckerplantagen und Großgrundbesitz besetzt. In Espirito Santo besetzten tausende Frauen den Hafen und verhinderten den Export von Zellstoffen.

Die Abholzung der Regenwälder ist verantwortlich für 20 Prozent des Anstiegs an Treibhausgasen weltweit. Der Schutz dieser Wälder ist dringend geboten. Aber das Scheitern des Klimagipfels in Kopenhagen hat auch bedeutet, dass es keine verbindlichen Zusagen zum Kampf gegen den Klimawandel gibt.

Kapitalismus bedeutet immer schlechtere Lebensbedingungen für arbeitende und arme Frauen

Jahrzehntelang war die „Lösung“ der Kapitalisten und Politiker weltweit für Unterdrückung und Armut mehr Marktwirtschaft, also mehr Kapitalismus. Wenn die armen Länder ihre Märkte dem internationalen Kapital öffneten, dann würden sie westliche Lebensstandards erreichen. Das war immer wieder das Mantra des Neoliberalismus. Nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt.

Mit der Weltwirtschaftskrise hat sich der Kapitalismus diskreditiert. Internationaler Währungsfond (IWF) und Weltbank haben als Gegenleistung für Kredite immer wieder Deregulierung und Kürzungen bei Gesundheit und Bildung gefordert. Als wäre es nicht gerade die Deregulierung, die diese Länder am heftigsten den Folgen der Krise unterwirft.

Es wird geschätzt, dass ausländische Direktinvestitionen in die neo-koloniale Welt im letzten Jahr um ein Drittel gesunken sind. Genauso haben markt-basierende „Lösungen“ wie der CO²-Emmissionhandel zu einem Anstieg der Treibhausgas-Emmissionen geführt. Neue Angriffe auf bereits heute kaum noch vorhandene Sozialsysteme bedeuten, dass einfache Menschen noch heftiger von den Folgen der Krise betroffen sind. Für die Ukraine blockierte der IWF einen Kredit, da das Parlament eine Steigerung des Mindestlohns um 25 Prozent beschlossen hatte. In den meisten Ländern ist der „Mindestlohn“ gleichzeitig der Lohn, den Frauen erhalten. In Lettland folgte die Regierung dem Diktat des IWF, kürzte die Löhne im öffentlichen Dienst um 40 Prozent und schloss die Hälfte aller Krankenhäuser.

Die wichtigste unmittelbare Frage für Frauen in vielen Teilen der Welt ist der Kampf gegen Sozialkürzungen, die die Regierungen planen. Da wo Sozialsysteme, wie öffentliches Gesundheitswesen, Kindergärten, Altenpflege, Krankenversicherung und so weiter, existieren, sind sie vor allem für Frauen sehr wichtig. Unbezahlte Hausarbeit wurde zum Teil auf die Gesellschaft übertragen und hat es Frauen ermöglicht, zu arbeiten und damit unabhängiger von den Einkommen der Männer zu werden. Aber nie zuvor in der Geschichte wurden solch massiven „Rettungspakete“ beschlossen wie im letzten Jahr, um einen Zusammenbruch des Weltfinanzsystems zu verhindern. Die Billionen von Dollars die an die Banken gegeben wurden, müssen nun zurückgezahlt werden. Wir können sicher sein, dass im Kapitalismus dafür die Arbeiterklasse zur Kasse gebeten werden wird.

Jede Idee, das die Entwicklung des Kapitalismus zu Gleichheit von Männern und Frauen führt, lässt sich leicht widerlegen, wenn man sich den Zustand in den Ländern anschaut, wo der Kapitalismus bereits seit 150 bis 200 Jahren existiert. In Schweden, das als eines der „gleichberechtigsten“ Länder weltweit gilt und ein recht ausgebautes Sozialsystem hat, verdienen Frauen dennoch nur 83 Prozent davon, was Männer verdienen. Der Arbeitsmarkt ist stark nach Geschlechtern differenziert: Frauen arbeiten vor allem im öffentlichen Dienst, wo der Anstieg der Löhne am geringsten ist. In Schweden ist die höchste Anzahl von Vergewaltigungen pro Einwohner in Europa zu verzeichnen und zusammen mit Großbritannien die niedrigste Rate von gemeldeten Vergewaltigungen, die strafrechtlich verfolgt werden (nur 13 Prozent). Das sind deutliche Bespiele, wie offensichtlich „fortschrittliche“ kapitalistische Länder die Unterordnung von Frauen aufrecht erhalten.

Frauenunterdückung

Die Unterdrückung von Frauen hat ihre Ursache in der Klassengesellschaft, die nun über 5000 Jahre existiert. Es gab einen langwierigen Wechsel von den urkommunistischen Gesellschaften, in denen Land und Werkzeuge gemeinsames Eigentum waren, zum Privateigentum. Die „monogame“ Familie entstand, als ein Überschuss erwirtschaftet werden konnte, den man sich aneignen konnte. Privater Besitz, wie bescheiden auch immer, musste gegen „Fremde“ verteidigt werden. Die Familie wurde zur Institution für Männer, mit der sie ihr Eigentum kontrollieren und Macht in der Gesellschaft ausüben konnten. Das Wort „Familie“ kommt von dem lateinischen Wort „familia“: „Die Zahl der Sklaven, die einem Herren gehören“. Im kaiserlichen China war das Abschnüren der Füße von Frauen in privilegierten Familien üblich. Damit wurde die Bewegungsfreiheit von Frauen eingeschränkt.

Der Kapitalismus ist auch eine Klassengesellschaft, und er hat im Laufe seiner Entwicklung die Unterdrückung der Frauen an seine Bedürfnisse – vor allem die der modernen Produktionsweise – angepasst. In den heutigen Familienstrukturen ist die männliche Dominanz immer noch vorherrschend. Frauen leisten die übergroße Mehrzahl der unbezahlten Hausarbeit. Dies umfasst emotionale Arbeit – Das Kümmern um die Kinder, die Alten und den Partner – und schließt schwere körperliche Arbeit wie Kochen, putzen und Wäasche waschen mit ein. Die „eigenen vier Wände“ sind häufig der Schauplatz von Gewalttaten der Männer gegen die Frauen. Amnesty Internaitonl schätzt, dass immer noch jede dritte Frau weltweit mindestens einmal in ihrem Leben geschlagen, zum Sex gezwungen oder Mißbrauch ausgesetzt wird.

Die Dominanz der Männer im eigenen Heim wurde lange als Hebel benutzt, um Frauen und Kinder an die Unterordnung unter Autoritäten zu gewöhnen. Dagegen haben Kämpfe statt gefunden und es wurden in vielen Ländern Verbesserungen erkämpft, aber das Phänomen ist gesellschaftlich immer noch sehr präsent. Mädchen und Jungen werden üblicherweise unterschiedlich erzogen, weil das gesellschaftliche Umfeld entsprechenden Druck auf die Eltern ausübt. Dies wurde sogar zu einer Art Geschäftsmodell, als im 19. Jh. das moderne Großkaufhaus erfunden und das bürgerliche Ideal der Fraulichkeit geschaffen wurde, wodurch Frauen erst recht zu Objekten gemacht wurden. Mode, Schönheit und Werbung sind riesige Industrien, die einen großen Anteil daran haben, die Idee fortzuschreiben, nach der Frau keine wirkliche Frau ist, wenn sie nicht viel Zeit und Geld auf die „Verbesserung“ ihres Aussehens verwendet.

Das männliche Geschlecht wird in den meisten Gesellschaften immer noch als dem weiblichen überlegen angesehen, egal, ob es Anti-Diskriminierungs-Gesetze gibt. Ein Junge lernt früh im Leben, auf sein Geschlecht stolz zu sein, während Mädchen vermittelt wird, sich zurück zu halten. Ein junger Mann, der sich für „typische Mädchensachen“ interessiert, läuft Gefahr, als Schwuler bezeichnet zu werden. Homosexuelle begreifen sehr schnell, dass ihre sexuelle Präferenz ihnen einen niedrigeren gesellschaftlichen Status verschafft und sie für Angriffe gefährdeter macht. Auf der ganzen Welt sind Worte, die mit Frauen und Sex ohne Liebe zu tun haben, als Schimpfwörter in Gebrauch.

Sexuelle Unterdrückung verfolgt Frauen ihr ganzes Leben lang, und eine der wichtigsten Forderungen von Frauenkämpfen, wo auch immer sie stattfinden, ist diejenige nach dem Recht der Frau auf ihren eigenen Körper. Vergewaltiger werden von der Vorstellung getrieben, dass sie das Recht hätten, sich eine Frau gefügig zu machen. Und obwohl sich die meisten Männer von gewaltsamem Mißbrauch distanzieren, sind sexuelle Belästigungen etwas, das fast jede Frau schon einmal erlebt hat. Wenn der Frauenanteil am Arbeitsplatz fällt und/oder die Arbeitshetze steigt, verzeichnen Gewerkschaftsberichte regelmäßig einen Anstieg der Fälle von sexueller Belästigung.

Das Frauenrecht auf den eigenen Körper beinhaltet auch das Recht auf Abtreibung. Jedes Jahr sterben weltweit 70.000 Frauen als Folge unsicherer Abtreibungen. 40 Prozent der Frauen weltweit leben in Ländern, in denen Abtreibungsrechte schwer eingeschränkt sind. Und selbst dort, wo Abtreibung legal ist, werden illegale „Nebengassen-Abtreibungen“ weiterhin durchgeführt, weil eine professionelle medizinische Betreuung für viele Frauen zu teuer ist. Der freie Zugang zu Verhütungsmitteln und sanitären Anlagen ist ebenfalls eine wichtige Forderung. In Uganda werden viele Mädchen mit erreichen des 13. Lebensjahres gezwungen, die Schule zu verlassen, weil sie sich Menstruationsprodukte nicht leisten können. Frauen werden oft in ihrem Leben eingeschränkt, sei es wegen der Angst vor Vergewaltigungen, der Scham über den eigenen Körper, körperlicher Schmerzen während der Schwangerschaft und der Arbeit, etc.. Sowohl in reichen als auch in armen Ländern wird ihnen wirklicher Spaß am Sex oft verweigert, was negative Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand hat (die Genitalverstümmelungen durch Beschneidung von Mädchen, welche sowohl in Europa als auch in Afrika durchgeführt werden, sind nur der abstoßendste Ausdruck dieser Art der Diskriminierung).

Die Ursprünge des Internationalen Frauentages

Die Entscheidung, einen jährlichen Internationalen Frauentag abzuhalten, um den Kampf aller Frauen für das Wahlrecht zu stärken, wurde 1910 getroffen. Der Aufruf kam von der Frauenkonferenz der Tagung der sozialistischen Zweiten Internationale in Kopenhagen desselben Jahres, welche 170 TeilnehmerInnen aus 17 Ländern hatte. Die Initiative kam von Clara Zetkin, welche in der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung aktiv war. Sie war seit vielen Jahren Chefredakteurin der „Gleichheit“ gewesen, der Zeitung der Sozialistischen Frauen-Assoziation mit einer Auflage von 112.000. Sie führte nimmermüde Kampagnen für das Recht der Frauen, sich zu organisieren. Für die männlichen Perteigenossen erklärte sie: „Nur mit der proletarischen Frau wird der Sozialismus siegen!“. Zetkin sagte, dass Sozialistinnen zwar die Forderungen bürgerlicher Frauen nach Gerechtigkeit unterstützen, sich aber trotzdem auf Klassenbasis in eigenen Organisationen engagieren müssen. Dies erwies sich als völlig richtig – um die Suffrage (das allgemeine Wahlrecht) zum Erfolg zu führen, bedurfte es der Kampfmethoden der Arbeiterklasse.

Der Internationale Frauentag war ursprünglich als „Tag der arbeitenden Frauen“ bekannt und wurde an verschiedenen Tagen zu Beginn des Frühjahrs begangen. Erst 1921 beschloss die Kommunistische Internationale, abermals auf Zetkins Initiative hin, den 8. März als jährlichen Termin festlegte. Dies zollte der Tatsache Rechnung, dass am 8. März 1917 die Revolution in Russland ausgebrochen war (der 23. Februar nach dem alten russischen Kalender). An diesem Tag verließen 90.000 Textilarbeiterinnen in einem spontanen Streik für Brot und Frieden die Fabriken, der sich immer mehr ausbreitete und erst abnahm, als der Zar gestürzt worden war. Die Revolution ging weiter und gab mit der Machtübernahme der ArbeiterInnen und BäuerInnen im Oktober 1917 ArbeiterInnen und Frauen weltweit einen fantastischen Schub Selbstbewußtsein. Das revolutionäre Russland war das erste Land auf der Welt, welches Männern und Frauen die gleichen Rechte innerhalb der Familie gab, das Frauenwahlrecht einführte, das Recht auf Abtreibungen, das Recht auf zivile (nicht-religiöse) Heirat und Scheidung, das Verbot sexueller Belästigung, Rechte für Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender sowie einen achtwöchigen Mutterschutz einführte. Die Revolution sorgte auch für kommunale Kinderbetreuung, öffentliche Wäschereien und Kantinen, auch wenn die Ressourcen für deren Aufrechterhaltung immer zu klein waren.

Kampf für Sozialismus dringend notwendig

Die Hauptlehre aus den hundert Jahren seit dem ersten Internationalen Frauentag ist, dass der Wandel viel zu langsam vonstatten geht. Wir können es uns nicht leisten, weitere 100 Jahre zu warten. Wie viele Millionen Frauen werden währenddessen vergewaltigt werden, verhungern oder durch Natur- und Klimakatastrophen und Kriege sterben? Die wichtigste Lehre aus der Vergangenheit ist, dass wir keinerlei Vertrauen in ein Wirtschaftssystem haben können, das in regelmäßigen Abständen Krisen hervorbringt und in dem viele der erkämpften Verbesserungen ständig wieder zurückgedrängt werden. Es hilft uns nicht, dass mehr Frauen Direktorinnen oder „Führungskräfte“ werden, wenn dieses auf riesigen Klassenunterschieden basierende System, in dem die Mehrheit in Armut lebt, weiter lebt.

Daher die Notwendigkeit eine sozialistischen Programms für Frauenkämpfe, mit einer revolutionären Ausrichtung, für den Sturz des Kapitalismus. In einer demokratischen sozialistischen Gesellschaft, wo der Besitz und die Kontrolle über die Wirtschaft und den Staat in den Händen der ArbeiterInnen, der verarmten Massen und der Frauen ist, gäbe es mannigfaltige Ressourcen, um in effektive Maßnahmen zu investieren, die das Leben der Frauen verwandeln würden. Andersartige wirtschaftliche und soziale Beziehungen in einer sozialistischen Gesellschaft würden den Grundstein legen für die Auslöschung von Sexismus. Auch würde die Vorstellung von unterschiedlichen Rollenbildern der Geschlechter überholt, und die Unterdrückung von Frauen insgesamt würde verschwinden.

Eine Revolution kann nur siegen, wenn die Frauen an vorderster Front mit dabei sind. Letztes Jahr, 2009, waren die iranischen Frauen wohl die mutigsten aller Kämpfer weltweit. Sie stellen weiterhin einen Großteil der Massenproteste gegen Achmadinedschads diktatorisches Regime, und in Demonstrationen zusammen mit den Männern stellen sie laute Kontingente ohne Kopftuch. Jahrzehnte der Wut auf die Unterdrückung haben sich im Iran aufgestaut, und die Bewegung ist noch lange nicht vorbei, aber um das Regime zu stürzen, braucht es noch mehr Kämpfe der klassenbewussten ArbeiterInnen.

Frauen stellen weltweit mindestens die Hälfte der Arbeiterklasse, und diese braucht überall neue sozialistische Parteien, kämpfende Gewerkschaften und kämpferische Bewegungen auf lokaler Ebene, an denen sich Arbeiterinnen beteiligen und den Kampf voranbringen. Wir dürfen es niemals zulassen, dass sexistische Einstellungen seitens der Männer den Kampf zersplittern und schwächen.

Es sind zwar einhundert Jahre verstrichen, ohne dass die Befreiung der Frau aus der doppelten Unterdrückung erreicht worden wäre. Aber trotzdem ist es ermutigend, dass die revolutionären und sozialistischen Traditionen des Internationalen Frauentages weiterhin eine wichtige Rolle dabei spielen, die Kämperinnen und Kämpfer gegen Kapitalismus und Unterdrückung in den verschiedenen Teilen der Welt zusammen zu bringen und ihnen den Rücken zu stärken. Genau dies ist nötig und wird uns letztendlich zum Sieg führen.