Home / Themen / Betrieb & Gewerkschaften / CFM-Streik & Charité / „Die drohen mit Insolvenz und Arbeitsplatzverlust“

„Die drohen mit Insolvenz und Arbeitsplatzverlust“

Print Friendly, PDF & Email

Interview mit L. H.


 

Du bist seit zwei Wochen im Streik, trotz eines nur befristeten Arbeitsvertrags als Küchenarbeiter. Was hat dich dazu gebracht?

Die pure Erschöpfung und der lächerliche Lohn. Ich habe am 1. April bei der CFM angefangen. Ich kann dir sagen, dass ich schon einige harte Jobs hatte, aber die Bandgeschwindigkeit, die körperlichen Anforderungen, die hohen Temperaturen und zu allem Überfluss der verdammte Lärm, das schafft einen echt. Nach der Arbeit sind wir alle total gerädert.

Bei der CFM gibt es durch den tariflosen Zustand völlig unterschiedliche Arbeitsverträge. Wie hoch sind die Lohnunterschiede?

Also, ich verdiene 7,80 Euro die Stunde, vielleicht sind es schon 8,10 Euro, weil die Geschäftsleitung aus lauter Jux und Dollerei uns drei Tage vor Streikbeginn eine rückwirkende Lohnerhöhung versprochen hat. Die Mehrheit der Kollegen am Portionierband und Spülband verdient das Gleiche. Ich weiß von einen Menschen, dessen Geschlecht und Stellung ich nicht ausplaudern will, dass er oder sie 6,93 Euro verdient.

Kollegen mit befristeten Verträgen zögern oft, in den Streik zu treten. Gibt es weitere Versuche der Geschäftsführung, sie am streiken zu hindern?

Die Kollegen werden mit kostenlosen Sandwiches versorgt, sogar Kapuzenpullis kann man haben, wenn man brav weiterarbeitet. Es wird mit allen Mitteln Druck aufgebaut. Die drohen mit Insolvenz und Arbeitsplatzverlust, lassen eine Gang von Securities in schwarzen Klamotten auftreten, die unsere Plakate runterreißen und uns einzuschüchtern versuchen.

Wie reagieren die Kollegen darauf?

Zunehmend gereizt. Ich bin überzeugt, dass die Geschäftsleitung uns momentan mit ihren seltsamen Methoden in die Hände spielt. Bei uns im CBF ist die Streikbeteiligung noch nicht so hoch wie an den anderen Standorten, aber das wird sich wohl ändern, wenn wir unser Streiklokal hier aufbauen. Einige Kollegen warten regelrecht darauf, dass wir in Massen am CBF auftauchen. Jeder Kollege, der in den Streik tritt, zieht unfehlbar den einen oder anderen mit. Je mehr wir werden, desto schneller ist die kritische Masse erreicht, an dem die Lawine lospoltern wird.

Gibt es Solidarität der gestellten Kollegen und der Pflegekräfte, die zwar zum Solidaritätsstreik aufgerufen sind, aber nicht alle die Arbeit niederlegen können?

Na klar doch, aber über alles möchte ich hier nicht reden. Zum Beispiel sind wir immer gut mit Informationen versorgt und ein Großteil der Pflegekräfte trägt unsere Solikleber an der Arbeitskleidung.

Wie meinst du, wird der Streik enden?

Mit unserem Sieg.