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Demonstration gegen Sarrazins Lesung

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300 TeilnehmerInnen bei Protest gegen Sarrazin-Lesung in Aachen


 

Am 25. Mai hielt Sarrazin im "Forum M", der Mayerschen Buchhandlung in Aachen, eine Lesung aus seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“. Eingeladen hatte die Lokalpresse – Aachener Zeitung-Chefredakteur Bernd Mathieu moderierte die Veranstaltung sogar. Bereits eine knappe Woche vorher, am 19. Mai, bekam Sarrazin in Heinsberg bei Aachen – auf Initiative von Lokalpresse und lokalem Buchhandel – die Möglichkeit, seine Hetze zu verbreiten. In der Ankündigung dieser Veranstaltung schrieb die Zeitung, "stolz" zu sein, Sarrazin zu Gast zu haben.

von Anne und Caro, Aachen

Am 25. Mai protestierten dann bis zu 300 AntirassistInnen gegen die Sarrazin-Veranstaltung, darunter über 20 Mitglieder von Linksjugend ["solid] und der SAV. Wir waren mit Flyern vor Ort, die Sarrazin und die herrschende Klasse als wahre Parallelgesellschaft beschrieben. Außerdem hatten wir ein Transparent mit der Aufschrift: "Achtung Parallelgesellschaft: Sarrazin und seine Freunde in Banken und Konzernen".

Die DemonstrantInnen wollten zeigen, dass sie es nicht in Ordnung finden, dass Sarrazin, der in seinem Buch offen gegen MigrantInnen und sozial benachteiligte Menschen hetzt, auch noch eine Bühne in der Öffentlichkeit geboten bekommt. Sarrazin profitierte nicht nur schon vor der Veröffentlichung seines Buches von einer Medienpräsenz, die insbesondere durch "Bild" und "Spiegel" hervorgerufen wurde, sondern kann auch nach der Veröffentlichung seine rassistischen Ansichten ungehindert in der Öffentlichkeit verbreiten. Es ist ein Skandal, das die Mayersche Buchhandlung rassistischen Inhalten Raum gibt.

Sarrazins Rassismus

Das SPD-Mitglied Sarrazin, der gleichzeitig ehemaliger Berliner Finanzsenator und Bundesbank-Vorstand ist, hat extrem rassistische Thesen aufgestellt. Sie laufen unter Anderem darauf hinaus, dass MigrantInnen, vor allem die aus mehrheitlich islamisch geprägten Ländern, selbst verantwortlich seien für Probleme wie Arbeitslosigkeit und Armut. Sarrazin behauptet, dass die Grundlage dieser Probleme in deren Kultur und sogar in den Genen der MigrantInnen verankert sei. Er tritt daher auch nicht für ein besseres Zusammenleben zwischen Menschen verschiedener Kulturen ein, sondern propagiert Ausgrenzung und Diskriminierung. Das ist ganz normal im Kapitalismus: Die Arbeiterklasse – ArbeiterInnen, Erwerbslose, Jugendliche, RentnerInnen – soll gespalten werden, um so gemeinsamen Widerstand zu verhindern.

Verlauf der Demonstration

Bevor die Demonstration angemeldet wurde, hat die Linksjugend ["solid] Aachen einen offenen Brief an die Mayersche Buchhandlung und das dazugehörige Forum M geschrieben. Darin wurde sie dazu aufgefordert, die Lesung wegen der öffentlichen Verbreitung rassistischer Inhalte abzusagen. Würde sie der Forderung nicht nachkommen, würde Protest gegen diese Veranstaltung stattfinden. Da die Mayersche Buchhandlung der Aufforderung nicht nach kam, fand vor und während der Sarrazin-Veranstaltung eine gut besuchte Kundgebung gegen Sarrazin und seine rassistischen Ansichten statt.

Anders als die lokale Presse berichtete, ging der Protest nicht primär von "Linksautonomen" aus, womit Gewalttäter gemeint sind und der gesamte Protest kriminalisiert werden soll. Der Versuch von einigen AktivistInnen, den Protest in die Buchhandlung zu tragen wird von der lokalen Presse als Versuch dargestellt, die Buchhandlung zu "stürmen" oder sogar zu "besetzen". Das ist der Versuch der Presse, der Öffentlichkeit weiszumachen, dass die antirassistischen DemonstrantInnen die Übeltäter seien. Darauf, dass zur gleichen Zeit in der Mayerschen offen rassistische Inhalte verbreitet wurden, geht die lokale Presse jedoch kaum ein, bzw. sehr beschönigend. Bei dem Versuch, auch innerhalb der Buchhandlung zu protestieren, griff die offensichtlich vollkommen überforderte Polizei direkt zu Reizgas und Schlagstock. Dabei wurden DemonstrantInnen verletzt. Zusätzlich beschlagnahmte die Polizei mehrere Transparente, ohne dafür jedoch einen konkreten Grund zu nennen.

Obwohl die Jusos sich eigentlich doch dazu endschieden hatten Protest gegen das SPD-Mitglied Sarrazin mitzutragen, war letztendlich auf der Demonstration kein erkennbares Juso-Mitglied anwesend.

Die SAV war neben einem Infotisch, der durchweg ein Anziehungspunkt für interessierte PassantInnen war, durch Megafone, gute Parolen und Reden, Transparente, Fahnen und über 20 SAV-Mitgliedern aus Aachen und Köln vertreten. Am Infotisch wurden nicht nur politische Diskussionen geführt sondern auch sieben "Anti-Sarrazin"-Bücher, die "Solidarität" und Buttons verkauft.

Die Demonstration war trotz der Zwischenfälle und der tendenziösen Berichterstattung der lokalen Presse ein erfolgreiches und klares Zeichen gegen Rassisten und die Menschen, die diesen aufgrund von Profiten eine Bühne geben.

Link: Offener Brief der Linksjugend ["solid] Aachen an die Mayersche Buchhandlung