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Über die Bedeutung der Besetzungsaktion bei Thomas Cook

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Gewerkschaftsbewegung muss entschieden handeln, um Arbeitnehmerrechte zu verteidigen


 

Kevin McLoughlin, (Schwesterorganisation von SLP und SAV sowie Sektion des CWI in Irland)

Zum Zeitpunkt, da dieser Artikel geschrieben wurde, war das Thema der Abfindungszahlungen noch nicht geklärt. Der Kampf hat die unternehmerfreundliche Praxis der Gerichte und der Polizei hingegen längst offen gelegt. Entscheidend ist, dass es sich hierbei um einen Sieg der ArbeiterInnen handelt, der die außergewöhnliche Fähigkeit der Menschen zu kämpfen und ihre Rechte zu verteidigen zeigt.

28 Beschäftigte wurden in Gewahrsam genommen und in einer Manier vor die Gerichte gezerrt, wie man es sonst nur von weit entfernt existierenden diktatorischen Regimen her kennt. Die Besetzung bei Thomas Cook hat ferner gezeigt, dass eine „Sozialpartnerschaft“ nicht existiert.

Außerdem kam in der Aktion die Wut zum Ausdruck, die die Menschen aus der Arbeiterklasse entwickeln, weil sie spüren, dass sie durch Arbeitsplatzverluste und Angriffe auf ihre Rechte den Preis für die Krise zahlen sollen. Als sie davon erfuhren, dass ihr Betrieb schließen sollte, hatte das zur Folge, dass sie unmittelbar zur Besetzung ihrer Filiale übergingen.

Über vier Tage lang trotzten sie den starken Einschüchterungsversuchen seitens der Gerichte bis zu dem Zeitpunkt, da die Polizei schamlos die Glasfront der Filiale zertrümmerte und im Zuge ihrer früh morgendlichen Razzia am Dienstag um 5 Uhr jedeN AnwesendeN verhafteten.

Brutales Eingreifen des Staates

Das brutale Eingreifen des Staates hat große Bedeutung. Die Polizei-Razzia (in deren Verlauf Protestierende, die sich außerhalb der Geschäftsräume aufhielten, reichlich brutal geräumt wurden) und die Massenverhaftung sind eindeutig deshalb durchgeführt worden, um die gesamte Arbeiterschaft einzuschüchtern, damit sie nicht ebenfalls folgenreiche Kämpfe im Zeichen der Krise anzetteln, die sich weiter und weiter zuspitzt.

Einstweilige Verfügungen sind auch schon bei den Streiks der Dubliner HafenarbeiterInnen von den Managern von MTL benutzt worden und beim jüngsten landesweiten Streik der ElektrikerInnen.

Herr Binman hatte auch versucht, eine einstweilige Verfügung gegen die Streikposten vor seinen Lagern in Carrick-on-Suir, Co. Tipperary und in Limerick zu bekommen.

Den Konzernchefs und dem politischen Establishment graute vor allem davor, dass der Streik der ElektrikerInnen sie zu einer Lohnerhöhung hätte zwingen können und damit – just während der Krise – gezeigt worden wäre, dass organisiertes und kämpferisches Handeln zu Ergebnissen führt.

Bei der Besetzung der Geschäftsräume durch die Thomas Cook-Beschäftigten handelte es sich um die letzte derartige Aktion in einer ganzen Reihe von Streiks. Der oberste Gerichtshof war augenscheinlich fest entschlossen, allen ArbeiterInnen eine unmissverständliche Botschaft auszusenden, indem er die drakonischen Angriffe gegen die Besetzung bei Thomas Cook anordnete.

Demnach sollten sämtliche an der Besetzung Beteiligte bis 14 Uhr des folgenden Tages vor Gericht gestellt werden. Das heißt, dass damit also die Besetzung zu Ende zu bringen war und die ArbeiterInnen dort innerhalb eines bestimmten Zeitfensters zu verhaften und wie Kriminelle zu behandeln seien.

Indem sie ungeheure Courage bewiesen, beschlossen die Beschäftigten und einige ihrer GewerkschaftsvertreterInnen, im Angesicht dieser Drohkulisse und entgegen der offiziellen Wünsche der Gewerkschaft mit der Besetzung fortzufahren. Dennoch hätten ihre Gewerkschaft, die TSSA (Transport Salaried Staff Association) und die größeren Gewerkschaften die Besetzung (die ja den Schlüsselmoment dabei darstellte, den Druck auf den Konzern zu erhöhen) verteidigen müssen, als diese Entscheidung einmal gefällt war.

Leider kam es nicht dazu und die Unterstützung der Führung des Gewerkschaftsbundes geriet mehr zu einem Lippenbekenntnis denn zu echtem Handeln.

Kämpferische Gewerkschaften sind nötig

Im Februar organisierte der Irish Congress of Trade Unions (Äquivalent zum DGB; Anm. d. Übers.) eine Demonstration von 120.000 ArbeiterInnen in Dublin. Wenn es ihnen wichtig gewesen wäre – hätten sie nicht 500 oder vielleicht sogar 1000 Menschen organisieren können, um die Polizei am Betreten der Thomas Cook-Filiale zu hindern?

Bei der Besetzung von Waterford Glass hatte sich die Polizei nicht getraut einzugreifen, weil die ArbeiterInnen dort die Unterstützung der Region hinter sich hatten und viele am Fabriktor präsent waren. Die Beschäftigten bei Thomas Cook haben alles in ihrer Macht Stehende unternommen und ihre Standhaftigkeit stieß auf großen Zuspruch und erntete Solidarität von „einfachen“ Menschen aus der Arbeiterklasse. Für die Gewerkschaftsführer, die die nötige Autorität und die notwendigen Mittel zur Verfügung haben, wäre es durchaus im Bereich des Möglichen gewesen, diese Stimmung im entscheidenden Zeitpunkt in praktische Hilfe umzuwandeln.

Die Gesetzgebung unterliegt Einflüssen und einstweilige Verfügungen eines Gerichts sind dazu da, um Konzernchefs dabei zu helfen, Arbeitskämpfe für sich zu entscheiden. Für ArbeiterInnen und die Gewerkschaften ist es notwendig, darauf vorbereitet zu sein, solchen gerichtlichen Anordnungen n.i.c.h.t. Folge zu leisten. Wenn schlechte Gesetze in der Vergangenheit nicht von den ArbeiterInnen zurückgewiesen worden wären, dann hätte das Recht in den vergangenen Dekaden keiner fortschrittlichen Entwicklung unterlegen.

Dass die führenden Köpfe der Gewerkschaften nicht darauf vorbereitet sind, so zu kämpfen, wie es notwendig wäre, oder die Kräfte zu mobilisieren, die die Arbeiterschaft hat, stellt ein enormes Problem dar. Als die KollegInnen bei Thomas Cook sich der Möglichkeit gegenüber sahen, inhaftiert zu werden, recihte es einfach nicht, lediglich den Konzern aufzurufen, den fall vor die Labour Relations Commissions (; Erg. d. Übers.) zu bringen. Das war eine den Umständen nicht angemessene und schwache Reaktion seitens der Gewerkschaftsführung.

Und es gab eine Alternative! Wenn die Gewerkschaften organisiert hätten, hätten sie die Besetzungsaktion erfolgreich vor der Gerichtsanordnung verteidigen können. Das hätte die Gerichte, die Polizei und das Establishment dazu gebracht, ihr Tun noch einmal zu überdenken, und es hätte den Druck auf die Geschäftsführung von Thomas Cook massiv erhöht, ein besseres Angebot vorzulegen.

So wäre ein vollständiger Sieg – nicht nur für die KollegInnen bei Thomas Cook, sondern für alle Menschen der Arbeiterklasse – im Bereich des Möglichen gewesen, da die Versuche der Gerichte und des Staates, die gesamte Arbeiterschaft einzuschüchtern und zu drangsalieren, hätten vollkommen zurückgewiesen werden können. Darüber hinaus hätte das den Menschen enorme Zuversicht verschafft.

Das Agieren des Staates während der Besetzung bei Thomas Cook wird die Menschen nicht daran hindern zu kämpfen, und in der Tat hat es viele Menschen sehr wütend gemacht. Nichtsdestotrotz wird diese Erfahrung gleichzeitig auch einen beträchtlichen Effekt haben. Aus diesem Grund haben die Gewerkschaften die Pflicht, praktische Schritte einzuleiten, um die Rechte der ArbeiterInnen zu verteidigen, ergebnisreiche Maßnahmen zu ergreifen.

Die KollegInnen haben der Geschichte der Arbeiterbewegung in diesem Land ein weiteres kraftvolles und stolzes Kapitel hinzugefügt. Der Kampf, den die ArbeiterInnen geführt haben, hat Thomas Cook zurück an den Verhandlungstisch gezwungen. Bisher ist nicht abzusehen, was dabei heraus kommen wird. Aber diese ArbeiterInnen sind – wie etliche andere auch – von Arbeitslosigkeit bedroht.

Das ist umso mehr Grund genug dafür, weshalb die Gewerkschaftsbewegung nicht ruhen darf, bis sämtliche KollegInnen bei Thomas Cook substantiell abgesicherte Angebote erhalten, die sie wenigstens über die Zeit zu bringen helfen. ArbeiterInnen sollten sich aufgrund dieses beeindruckenden Kampfes, der gewagt wurde, ein Herz fassen. Mit ähnlicher Entschiedenheit müssen wir auch die Gewerkschaften zu kämpfenden Organisationen machen, die die Arbeitsplätze und die Rechte der Menschen der Arbeiterklasse gegen diese kapitalistische Krise verteidigen.