Home / Themen / Internationales / Arabische Welt & Naher Osten / Israel: Protest gegen Stellenkürzungen bei der Bahn in Tel Aviv

Israel: Protest gegen Stellenkürzungen bei der Bahn in Tel Aviv

Print Friendly, PDF & Email

Landesweite Welle von Klassenkämpfen


 

Bericht von KorrespondentInnen von Maavak Sotzyalisti (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Israel) für www.socialistworld.net, 24. Juni 08

Mit täglich stattfindenden Arbeitskämpfen, KollegInnen, die Dienst nach Vorschrift schieben, Streiks, Protesten und Fabrikblockaden erlebt Israel eine Welle von Klassenkämpfen. Am 19. Juni, dem Tag, an dem auch die LKW- und TaxifahrerInnen aus Protest gegen die emporschnellenden Benzinpreise viele Straßen im Land blockierten, organisierte Maavak Sotzyalisti (Sozialistischer Kampf) eine Protestkundgebung gegen die von der israelischen Bahngesellschaft geplanten Massenentlassungen. Die Entlassungen sind Teil des Privatisierungsprozesses im israelischen Bahnsystem, welcher auch den Austausch besser bezahlter und gewerschaftlich organisierter Arbeitsplätze mit niedriger entlohnten Vertragsjobs beinhaltet. Der Protest richtete sich gegen die Versuche des Bahnmanagements, mit der Zustimmung einer in hohem Maße korrupten Gewerkschaftsführung den kämpferischen Arbeitervertreter Aharon Cohen zu entlassen, der in einem Bahnhof im südlich gelegenen Dimona arbeitet, einer ärmlichen Stadt in der Nähe einer Nuklearanlage.

Die Protestkundgebung wurde während einer Anhörung von Arbeitervertretern beim Bahnmanagement in Tel-Aviv abgehalten. Stunden vor dieser Anhörung und der Kundgebung, erhöhten die Beschäftigten den Druck auf Management und die Gewerkschaftsführer. Dazu gehörte auch, dass der wichtigste Betriebsrat aus dem Süden Israels damit drohte, den Gewerkschaftsbund Histadrut (die wichtigste gewerkschaftliche Dachorganisation) zu verlassen. Der Chef des Rechnungshofes veröffentlichte einen Erlass, die Entlassungen bei der Bahn bis zur weiteren Untersuchung im Korruptionsskandal, von dem Konzernleitung wie Gesamtbetriebsrat betroffen sind und der über einen Bericht des Rechungshofes vor einigen Wochen bekannt wurde, auszusetzen. Die Anhörung in Tel-Aviv ging dennoch weiter – ebenso der Protest dagegen.

Lautstarker und deutlicher Protest

Obwohl der Protest mitten an einem Arbeitstag stattfand, war es gut 30 Menschen kurzfristig möglich, daran teilzunehmen. Unter den ProtestiererInnen waren auch der Betriebsratsvorsitzende der Tageszeitung Haaretz, VertreterInnen eines jüngst bei Cinema City Entertainment gegründeten Betriebsrates, der ehemalige Bertriebsratsvorsitzende der Israelischen Rundfunkanstalt sowie UnterstützerInnen und Mitglieder von Maavak Sotzyalisti.

Der Protest war lautstark. Selbst die Teilnehmer der Anhörung konnten unseren Slogans nicht ausweichen. Wir riefen: „Nein zur Entlassung von Aharon Cohen; Nein zur Entlassung der KollegInnen in Dimona; Nein zur Entlassung von BahnerInnen“.

PassantInnen zeigten großes Interesse und Sympathie für unseren Protest. Wir forderten: „Höhere Löhne für alle Bahnbeschäftigten“, „Tarifverträge für alle – Wir wollen keine Zeitarbeitsfirmen“, „Wir werden den Verkauf der Bahn nicht durchgehen lassen“, „"`Eyni [Vorsitzender des Gewerkschaftsbundes Histadrut] stimmt Privatisierungen und Entlassungen zu und verrät die Beschäftigten“, „Die Preise steigen, die Löhne sinken“, „`Eyni ist ein Verräter – Rücktritt!“.

Entschlossen marschierten die ProtestiererInnen vom Eingang des Tel-Aviver Hauptbahnhofes zum Eingang der Bahn-Konzernzentrale. Die Türen wurden vor unserer Nase dicht gemacht und die Polizei wurde gerufen, was allerdings der Wirksamkeit des Protestes keinen Abbruch tat.

Zum Ende des Protestes hin stoppte ganz in der Nähe ein Bus und der Fahrer brüllte in sein Außenmikro: „Weiter so! Ihr habt vollkommen Recht, wir sind auf eurer Seite, es ist nötig, den Kampf aufzunehmen“. Die Beschäftigten dieser Busgesellschaft stehen in einer äußerst langen Lohnauseinandersetzung!