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Köln-Nippes: Kein Schwimmbad für 109.000 Einwohner?

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Kampagne für den Erhalt des Schwimmbads


 

Mit so viel Widerstand hatten die Kürzungspolitiker wohl nicht gerechnet, als sie den Plänen zustimmten, das Schwimmbad in Köln-Nippes und zwei weitere Bäder in anderen Stadtteilen zu schließen. Das war im Frühjahr.

von Georg Kümmel, Köln

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne begann das kommunale Bündnis gemeinsam gegen sozialraub (ggs) die Öffentlichkeit zu informieren und zu mobilisieren. (Die SAV ist im ggs aktiv, Claus Ludwig, SAV-Mitglied, ist für das Bündnis in den Stadtrat gewählt worden und ist Teil der Fraktion DIE LINKE. Köln).

Schon bei der ersten Flugblatt-Verteilaktion wurde klar, wie groß die Empörung über die Schließungspläne ist. Dabei ist das Bad in Nippes schon seit vier Jahren für die Allgemeinheit geschlossen, nur noch Schulen, Gruppen und Vereine dürfen dort schwimmen. Wir gaben den Anstoß zur Gründung der Initiative Bäder für Alle. Die Forderungen der Initiative: Sanierung und Wiederöffnung des Bades in Nippes für die Allgemeinheit und Erhalt aller Bäder.

Als Erstes wurde eine Demonstration im Bezirk durchgeführt. Es folgten Mahnwachen vor dem Bad, kleinere und größere Protestaktionen, eine Veranstaltung im Schwimmbad. Vor allem aber wurden mehrere Monate jeden Samstag Infostände im gesamten Stadtbezirk durchgeführt und bisher über 7.000 Unterschriften gesammelt.

Frauen vorn

Das Rückgrat des Widerstandes der Initiative bildet eine Gruppe von Gesundheitsschwimmern im Seniorenalter. Unter diesen sind es wiederum die Frauen, die mit bewundernswerter Ausdauer den Kampf für den Erhalt des Bades führen; die auch bei Kälte drei Stunden ununterbrochen am Infostand stehen und Unterschriften sammeln. Das beste Beispiel für die Kampfbereitschaft ist sicher der ältere Herr, der, wenn er zu den Kundgebungen kommt, einen Stuhl braucht, weil ihm das Stehen schwerfällt und dann eine Rede für den Erhalt des Schwimmbades hält: für die Schulkinder, für die Schwimmer aus den Vereinen, für die Allgemeinheit. Welch ein krasser Widerspruch zur Arroganz der Kürzungspolitiker: Vertreter der Grünen wollten vor einer Ausschusssitzung nicht einmal ein Flugblatt der Initiative annehmen.

Aber mittlerweile dämmert es auch den etablierten Parteien, dass sich – aufgrund der Proteste – die Menschen bei der nächsten Kommunalwahl daran erinnern würden, wer 109.000 Einwohnern ihr einziges Schwimmbad wegnehmen wollte. Für den 10. Dezember wurde eine Sondersitzung des Sportausschusses angesetzt, der sich nochmal mit der Zukunft der drei Bäder befasst. Die Initiative Bäder für Alle wird auch da sein!