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Berlin: GDL-Streik – Ein voller Erfolg

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Heute Nacht ab 2 Uhr legten die Lokführer der GDL im Nah- und Regionalverkehr für 22 Stunden die Arbeit nieder. Die Berliner SAV war am Ostbahnhof vor Ort, um sie dabei zu unterstützen.


 

von Anne Engelhardt, Berlin

Bis 0 Uhr soll der Streik diesmal andauern. Das Bahnmanagement weigert sich weiterhin die Forderungen der Lokführer nach höheren Löhnen ernsthaft entgegenzukommen. Stattdessen werden Gerichte herangezogen, die die juristisch rechtmäßigen Streikaktionen einschränken bzw. sie komplett verbieten sollen. Streik ist die richtige Reaktion auf die Vorgehensweise von Mehdorn und Co.

Die Bahnhofshalle im Ostbahnhof ist für diese Zeit verhältnismäßig ruhig. Auf der Suche nach streikenden Beschäftigten treffen wir einen Kollegen an, mit dem wir eine Woche zuvor beim GDL-Streik diskutiert hatten. Aufgeschlossen berichtet er uns, dass es laut GDL-Geschäftsführung in der Nacht nach Streikbeginn Drohungen auf Streikbeteiligte gab. Die Streikenden wurden daher aufgefordert in den Meldestellen zu bleiben und keine Streikposten zu bilden.

„Nur noch 20 % der Züge fahren“, teilt uns einer der streikenden S-Bahnfahrer in Berlin-Ostbahnhof zufrieden mit. Im Notfallplan der Geschäftsführung war vorgesehen gewesen, die Stadtbahn wenigstens im 20 Minutentakt abfertigen zu können. Doch nichtmal alle halbe Stunde rollt ein Zug an, der die wenigen, übriggebliebenen Passagiere transportiert.

Die Beschäftigten sind zurecht stolz auf ihren Streik. Die Kollegen werden nicht erst vereinzelt aus ihren Bahnen geholt oder müssen erst den nächsten Bahnhof anfahren, um mit dem Streiken anzufangen. Da die Arbeit schon in der Nacht niedergelegt wurde und die Züge in den Depots stehen, ist ein kollektiver Streikbeginn möglich. Einige Lokführer haben sogar die Nacht durchgemacht und nutzen auch ihre Freizeit, um den Streik zu unterstützen.

Der Erfolg der Arbeitsniederlegung ist offensichtlich und motivierend. Leider wird die Gelegenheit verpasst, Bahnkunden und Beschäftigte durch öffentliche Aktionen wie die Bildung von Streikposten mit Transparenten oder Flugblattverteilungen zu erreichen. Denn letztendlich kann ein Erfolg nur durch die Unterstützung der Bahnpassagiere – und aller Beschäftigten – erreicht werden. In der Meldestelle, d.h. in geschlossenen Büroräumen soll auf Grund der Drohungen und Übergriffe verharrt werden. Dabei wäre es sinnvoll, wenn die GDLer in Gruppen auf oder vor den Bahnhöfen vor Ort sein würden und sich an die Betroffenen wenden.

Mehdorn kündigte an, bis zum Montag ein neues Verhandlungsangebot vorzulegen. Der Bahnchef fordert von der GDL eine Friedenspflicht während erneuter Verhandlungen. Das kann nur als eine weitere Provokation gewertet werden und sollte von der GDL zurückgewiesen werden. Denn nur unter dem Druck weiterer Protest- und Streikaktionen im gesamten Nah- und Regionalverkehr können die Verhandlungen zu einem Erfolg führen.