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Rente mit 67: IG Metall verstärkt Druck

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Die IG Metall hat die Proteste gegen die Rente mit 67 am Dienstag massiv ausgeweitet. Mehr als 63 000 Beschäftigte aus verschiedenen Betrieben des Bundesgebiets legten vorübergehend die Arbeit nieder und machten ihrem Unmut über das Vorhaben der Regierung Luft.


 

von Daniel Behruzi, zuerst veröffentlicht in der jungen Welt, 31. Januar 07

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di rief in mehreren Städten zu Demonstrationen auf. Unternehmervertreter reagierten wiederum mit Drohungen und Kritik.

Allein bei DaimlerChrysler in Sindelfingen nahmen mehr als 10 000 Beschäftigte an einer Kundgebung während der Arbeitszeit teil. Bei Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen gingen über 2000 und beim Autozulieferer Bosch im Stuttgarter Stadtteil Feuerbach rund 2500 Arbeiter und Angestellte auf die Straße. Alles in allem beteiligten sich im Südwesten 23000 Metaller an den Aktionen. In Stuttgart folgten zudem mehr als 2000 Beschäftigte aus 25 Betrieben und Einrichtungen einem Aufruf ihrer Gewerkschaft ver.di zum Protest während der Arbeitszeit. In Aalen mobilisierten ver.di und IG Metall zu einer gemeinsamen Kundgebung.

In anderen Regionen kam es ebenfalls zu Aktionen. So demonstrierten 6500 Beschäftigte des Volkswagen-Werks in Emden. In Hannover kamen laut IG Metall 3000 Gewerkschafter aus verschiedenen Unternehmen zu einer Kundgebung zusammen. In Nord­rhein-Westfalen nahmen 5000 an den Protesten teil. In Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und im Saarland waren es insgesamt rund 20000. Dort waren u.a. die Werke von DaimlerChrysler in Frankfurt/Main, Kassel und Wörth sowie von Opel in Eisenach und Kaiserslautern von Arbeitsniederlegungen betroffen. Im Stammwerk Rüsselsheim kamen 4000 Opelaner zu einer Kundgebung, bei der IG-Metall-Chef Jürgen Peters erklärte: »Die Ignoranz der großen Koalition treibt die Menschen auf die Straße. Ich appelliere an die Bundesregierung, diesen Unmut nicht zu überhören.« Zuvor hatte Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) Änderungen am Gesetzesvorhaben im ZDF-Morgenmagazin erneut kategorisch ausgeschlossen.

In der gleichen Sendung betonte Peters, es seien die Unternehmer, die die Politik immer wieder zur Verlängerung der Arbeitszeiten aufforderten. »Das ist das Thema, über das wir hier reden. Die Arbeitgeber sollen nicht so tun, als ob sie nichts damit zu tun hätten«, sagte er. Die Unternehmerverbände riefen die große Koalition am Dienstag auf, an ihren Plänen für eine verlängerte Lebensarbeitszeit festzuhalten. Franz-Josef Mäckler vom Verband der Metall- und Elektroindustrie Rheinland-Rheinhessen warf der Gewerkschaft zudem vor, »illegale Streiks« zu organisieren. »Wer die Arbeit niederlegt, um den IG-Metall-Aufrufen zur Demonstration gegen die Rente mit 67 zu folgen, handelt arbeitsvertragswidrig, weil politische Streiks in Deutschland verboten sind.« Peters konterte mit den Worten: »Das Demonstrationsrecht als ein sehr hohes, ausdrücklich geschütztes Gut ist nicht am Werkstor abzugeben.«

Die Gewerkschaft kündigte an, die Proteste am heutigen Mittwoch fortzusetzen. So sollen die Beschäftigten bei Audi im bayerischen Ingolstadt die Arbeit in jeder Schicht für jeweils eine halbe Stunde niederlegen. Auch weitere Standorte des Volkswagen-Konzerns sollen einbezogen werden.