Blockade stoppt Verkauf

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Beschäftigte der Freudenberg Bausysteme KG im nordbadischen Weinheim zwangen Konzernspitze mit spektakulärer Aktion zum Rückzug
 

von Daniel Behruzi, zuerst erschienen in junge Welt, 24. Januar 07

Mit einer spektakulären Aktion haben die Beschäftigten der Freudenberg Bausysteme KG (FBS) den geplanten Verkauf ihres Unternehmens vorerst verhindert. Nach einer zehnstündigen Blockade aller Tore des Industrieparks Freudenberg im nordbadischen Weinheim am Freitag machte das Management zu Wochenbeginn einen Rückzieher und sicherte schriftlich zu, die Verkaufsgespräche auszusetzen.

Seit Monaten schwelt bei FBS ein Konflikt zwischen Beschäftigtenvertretern und Konzernspitze. Letztere will den Betrieb, in dem Bodenbeläge unter anderem für Flughäfen, Krankenhäuser und Schulen hergestellt werden, verkaufen. »Wir wissen, daß wir an einen direkten Konkurrenten verscherbelt werden sollen – und das würde Produktion und Arbeitsplätze langfristig in Gefahr bringen«, erklärte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende, Helmut Schmitt, am Dienstag gegenüber jW. Wütend sind die rund 900 Arbeiter und Angestellten insbesondere darüber, daß die Konzernspitze ihnen jegliche konkreten Informationen vorenthielt. Vergangenen Donnerstag hatten sie – nach einigem Hin und Her auf seiten der Geschäftsleitung – dann die Nase voll. Auf einer Betriebsversammlung beschlossen sie deren unbegrenzte Fortsetzung und für den Folgetag eine Blockade der Zufahrtswege zum Industriepark. Auf diesem sind auch andere – vom FBS formal unabhängige, aber zum Teil ebenfalls zum Freudenberg-Konzern gehörende Unternehmen – tätig. »Ab Freitag früh waren die Tore dicht. Zehn Stunden lang kam kein LKW rein oder raus«, berichtete Schmitt. Der Rückstau reichte zwei Kilometer weit – bis zur Autobahnausfahrt und in die Weinheimer Innenstadt. Trotz Drohungen der Polizei, die Aktion sei rechtswidrig und müsse sofort beendet werden, wurde die Blockade bis in den späten Nachmittag fortgesetzt. Dabei war nahezu die komplette Belegschaft – inklusive der Angestellten und einiger Führungskräfte – beteiligt. Viele Beschäftigte der anderen Betriebe des Industrieparks legten spontan die Arbeit nieder und schlossen sich ihren Kollegen von FBS an. Auch Aktivisten des Mannheimer Kraftwerksbauers Alstom Power, die 2005 mit einer siebentägigen Betriebsversammlung gegen Arbeitsplatzabbau für Aufsehen gesorgt hatten, erklärten ihre Solidarität.

Obwohl die Geschäftsleitung ihre Verkaufsabsichten noch am Freitag nachmittag bekräftigte, folgte bald darauf der Rückzieher: In einem jW vorliegenden Schreiben vom Montag kündigte die Konzernspitze an, »die Gespräche mit potentiellen Partnern für das Bodenbelagsgeschäft jetzt nicht fortzusetzen«. Dadurch solle der Betriebsfrieden wiederhergestellt und die Belieferung der Kunden gewährleistet werden. Dem Betriebsrat wurde die Beteiligung an eventuellen künftigen Verkaufsverhandlungen zugesichert. Einstimmig beschlossen die Beschäftigten daraufhin am Montag nachmittag, die Betriebsversammlung zu beenden. »Für uns ist das ein enormer Erfolg. Die Leute sind zusammengewachsen und haben bewiesen, daß man auch in Zeiten des Neoliberalismus erfolgreich Widerstand leisten kann«, meinte Schmitt. Er betonte, der Protest sei von der zuständigen Gewerkschaft IG BCE zwar unterstützt, aber von der Belegschaft eigenständig organisiert und getragen worden. Man werde »genau verfolgen, was jetzt passiert«, so der Betriebsrat. »Wir haben alle Möglichkeiten, jederzeit wieder in Aktion zu treten«, drohte er.