Lehrerstreik in Griechenland

Seit vier Wochen streiken die 73.000 GrundschullehrerInnen und KindergartenerzieherInnen in Griechenland.
 

Am letzten Montag und Dienstag wurden sie von ihren KollegInnen in den weiterführenden Schulen unterstützt, außerdem besetzten SchülerInnen über 300 Schulen im ganzen Land, die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes traten am 11.10. ebenfalls in einen 24- stündigen Generalstreik. Busse und Bahnen standen still, Banken und Ämter blieben geschlossen.

von Conny Dahmen

Selbst in den abgelegensten Inseln kämpften die Beschäftigten des Bildungswesens für ihre Forderungen. Das sind zum einen eine Lohnerhöhung auf 1500 €. Zurzeit verdienen GrundschullehrerInnen und ErzieherInnen gerade einmal 950 € im Monat Auch an den weiterführenden Schulen übersteigt das Gehalt selbst nach 20 Jahren Dienstzeit nicht 1500 €. Der Protest de LehrerInnen richtet sich auch gegen Schulinspektionen, die den Druck auf die Beschäftigen erhöhen sollen, und gegen ein neues Lehrplansystem, wobei immer mehr Entscheidungen über die Lehrinhalte der Schule und der Kommune überlassen werden sollen. Mit dem Bologna – Abkommen wird Eu-weit das Bildungssystem zum Verkauf auf dem freien Markt vorbereitet. Der Staat zieht sich immer mehr aus der Bildung zurück, Schulen sollen „mehr Autonomie“ bekommen, also immer mehr wie eigenständige Unternehmen funktionieren. Mit Studiengebühren für die staatlichen Universitäten und private Eliteuniversitäten ist Hochschulbildung bald Luxus für die Reichen. Statt Kürzungen und Privatisierungen im Bildungssystem fordern die LehrerInnen eine Erhöhung des landesweiten Bildungsetats von 3% auf 5% des BIP. Doch die griechische Regierung will im nächsten Haushalt soll weiter kürzen, um unter dem Defizit von 3% zu bleiben, was der EWU-Stabilitätspakt vorschreibt.

Trotz mehrer landesweiter Demonstrationen mit zehntausenden TeilnehmerInnen weigert sich die Regierung, nachzugeben, die Forderungen seien angeblich nicht finanzierbar. An vielen Schulen wurde LehrerInnen mit Gerichtsverfahren und Entlassung gedroht, falls sie weiterhin streikten. Auf einer Demonstration, die zum Sitz des Premierministers führen sollte, griff die Polizei mit Tränengas an. Gegen einen Polizisten wird jetzt wegen dem versuchten Einsatz eines Schlagrings bei einer anderen Protestaktion ermittelt.

Aber der gemeinsame Kampf von Beschäftigten, SchülerInnen und StudentInnen gegen den Ausverkauf der Bildung geht weiter: die Gewerkschaft des öffentlichen Dienstes ADEDY hat einen weiteren Generalstreik am 18. Oktober angekündigt, die Mittel- und Oberschulen sollen auch nächste Woche mehrere Tage bestreikt werden. Die Studentenvollversammlungen zahlreicher Universitäten hatten ebenfalls beschlossen, die LehrerInnen aktiv unterstützen, Unibesetzungen für die Zeit nach den Prüfungen sind in Planung. Bereits im Frühjahr waren fast alle Universitäten aus Protest gegen Studiengebühren und Privatisierung besetzt worden. Dadurch konnten die Angriffe verhindert werden, aber jetzt sollen im Herbst sollen die Gesetzesvorschläge erneut im Parlament diskutiert werden.

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