Fünf vor Zwölf

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Demonstration gegen den Abbau von Arbeitsplätzen in Weinheim und der Region
 

Pünktlich um 11.55 Uhr begann eine Demonstration, die unter dem Motto: „Es ist fünf vor zwölf“ am vergangenen Samstag, 1000 Menschen aus Weinheim und der Region am Tor 1 der Firma Freudenberg, versammelte. Der geplanten Arbeitsplatzabbau gleich bei mehreren Weinheimer Firmen hatte sie mobilisiert, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Freudenberg, Naturin und Drei Glocken in Weinheim einzusetzten.

Über die Eisenbahnbrücke in der Mannheimerstraße bewegte sich der Zug durch die Bahnhofstraße in die Hauptstraße bis zur Abschlusskundgebung am Marktplatz, vorbei an Passanten und Ladenbesitzern, lautstarkes Trommeln der dem Zug voranmarschierenden Guggemusiker aus Dossenheim machte Passanten und Ladenbesitzer aufmerksam Transparente mit Parolen wie „Arbeit für alle“, „Wir wehren uns“ ,„Hartz IV für die Bosse“ oder „Widerstand gegen Globalisierung und Arbeitsplatzabbau“ stimmten auf die Anliegen der vorbeiziehenden Menschen ein.

Allein die Firma Freudenberg habe im Jahr 1970 noch 14.700 Arbeitsplätze gehabt gegenüber jetzt unter 6.000, so Helmut Schmidt vom Betriebsrat der Freudenberg Vliesstoff KG. Dass ein weiterer Abbau von 349 Arbeitsplätzen noch lange nicht das Ende dieses Prozesses bedeute, sprachen verschiedene Redner an, so Udo Belz vom Gesamtbetriebsrat der Alstom Power in Mannheim. Belz brachte ebenso wie Schmidt und Norbert Köhlert von der Vliesstoff KG zum Ausdruck, dass angesichts hoher Gewinne zum Beispiel bei Freudenberg wurden über 180 Millionen Euro allein im letzten Jahr erzielt, die Erhöhung der Arbeitszeiten und Lohnverzicht völlig ungeeignete Mittel zur Lösung der anstehenden Probleme seien. Jeder Verzicht der Arbeitnehmer in der Vergangenheit habe nicht zu Stabilisierungen der Firmen geführt, wie immer wieder von den Geschäftsleitungen beteuert worden sei, sondern habe zu weiteren Stellenstreichung oder Verlagerungen geführt Dies habe dann oft auch zu einem Verlust eben der verlagerten Arbeitsplätze geführt.

Und auch Arbeitnehmer in Polen oder Tschechien, die heute noch von der Verlagerung deutscher Arbeitsplätze in ihre Länder scheinbar profitierten, seien ihrerseits jetzt schon von noch billigeren Konkurrenzangeboten aus China bedroht.

Dass jeder verlorene Industriearbeitsplatz zwei weitere Arbeitsplätze in der Region koste wurde als eine für Weinheim und seine Infrastruktur als besonders gravierende Perspektive hervorgehoben. Dies erklärt auch, dass an der Demonstration nicht nur Beschäftigte aus den von Kündigungen bedrohten Betrieben teilnahmen, sondern auch Menschen, die um die Infrastruktur ihrer Stadt in Sorge sind. Die Auseinandersetzungen um den Arbeitsplatzabbau bei Naturin, Drei Glocken und Freudenberg in Weinheim scheinen also unter diesen Umständen noch lange nicht beendet zu sein.

von SAV-Mitgliedern in Weinheim