12 Tage Streik bei Eichbaum

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Interview mit Georg Dohr, Vorsitzender des Betriebsrates bei Eichbaum Mannheim
 
Bei der Urabstimmung gab es mit 92% ein eindeutiges Ergebnis zugunsten eines Streiks ? wie ist jetzt die Stimmung nach 12 Tagen Streik?

Man kann es nur erstaunlich finden daß auch nach so vielen Tagen alle wirklich durchhalten, die Stimmung ist also sehr gut unter der Belegschaft. Man braucht hier keine großartigen Durchhalteparolen ? die Leute wissen, worums geht; wir sagen immer, wir haben Hunderte Tarifexperten hier bei Eichbaum, die wissen was es geschlagen hat. Also gute Stimmung.

Das Verhalten der Geschäftsleitung in verschiedenen Aspekten war sehr drastisch ? da könnte man den Eindruck gewinnen, denen geht es um mehr als ?nur? den neuen Tarifvertrag…

Genau so ist es. Es geht darum, ACTRIS zur Tarifvertragsfreien Zone zu machen, es geht darum, Mitsprache und Rechte der Interessensvertretung zurückzudrängen, und es geht um Dinge wie die Einführung einer Zweiklassengesellschaft, Jahresarbeitszeit, und vieles mehr ? also die Feststellung ist richtig ? man muß die Tarifrunde in Verbindung mit den Dingen sehen, die seitens des Vorstandes innerbetrieblich gegenüber dem Betriebsrat gefordert werden.

In den Medien wurde berichtet daß die Geschäftsleitung plant, Bier aus der Bellheimer Brauerei als Eichbaum-Bier zu verkaufen, um die Produktionsausfälle während des Streiks auszugleichen. Was ist da dran und was ist davon zu halten, wenn das stimmt?

Definitiv kann ich das auch nicht sagen, weil keine Detailkenntnisse vorliegen, allerdings haben entsprechende Meldung auch die Streikleitung erreicht.

Es hat letzte Woche auch in Bellheim einen Warnstreik gegeben ? das Verhalten des Konzerns an anderen Standorten ist bekannt. Da wird sicherlich die Solidarität von anderen Betrieben, sowohl aus der ACTRIS AG als auch von anderen Betrieben hier in Mannheim und in der Region eine wichtige Rolle spielen, wenn dieser Kampf erfolgreich sein soll?

Wir haben von vielen Betrieben, z.B. von Daimler, oder auch von anderen Brauereien Solidaritätsadressen ? also die stapeln sich zu hauft. Es erklären sich viele solidarisch ? du hast Park-Bellheimer angesprochen: in Pirmasens und in Bellheim hat es Warnstreiks gegeben. Das sind beides Brauereien die neu zum Konzern gehören und gleich am Anfang erleben, daß es das Ziel ist, das sogenannte ?Freiberger? Modell auf alle Betriebe des Konzerns auszuweiten. Obwohl die Beschäftigten dort nach einer Insolvent gerade schwierige Zeiten hinter sich haben, waren sie bereit, mit einem Warnstreik ihre Solidarität zum Ausdruck zu bringen, und zu zeigen, daß sie nicht bereit sind, freiwillig dieses Modell Freiberg zu übernehmen.

Die Geschäftsleitung hat, Streikbrecher reingebracht und versucht, die Produktion aufrechtzuerhalten. In wiefern gelingt das ? zum einen was die Produktion betrifft und zum anderen was die Zu- und Abfahrtswege des Betriebes betrifft?

Zu- und Abfahrtswege sicherzustellen ist noch eines der leichtesten Aufgaben, weil man durch Speditionsfirmen natürlich bestimmte Dinge in Auftrag geben kann. Sicherlich wird man da auch Verluste erleiden, weil die Fachkenntnisse unserer Facharbeiter fehlen, aber kurzfristig kann man da was abdecken. Schwieriger wird?s in der Produktion ? man muß sich vorstellen: das Kernstück, das Sudhaus, steht ? das bekommt niemand zu laufen, die Facharbeiter fehlen. So kommt es zeitverzögert ? wir rechnen Ende dieser Woche damit ? zu echten Ausfällen. Wir sind eine Sortimentsbrauerei, das heißt bestimmte Biersorten werden dann Stück für Stück zu Ende gehen. Darüber hinaus muß man sagen, es wird versucht mit Leiharbeitern, Ich-AGs und sonstigen Leuten hier die Anlagen am laufen zu halten, aber es fehlt eben das Fachpersonal, und das wirkt sich auf die Qualität aus ? Reinigungsprozesse laufen nicht so, wie es sein soll, auch bei den Maschinen können schwierige Reparaturen nicht durchgeführt werden weil die Fachleute fehlen. Man versucht also, einen Teil der Produktion aufrecht zu erhalten, es wird aber mit Sicherheit in den nächsten Tagen zu Problemen kommen, spätestens wenn dann in den nächsten Tagen die Lager leer sind.

Im letzten Jahr gab es eine Reihe von größeren Arbeitskämpfen ? Daimler und Opel sind die bekanntesten Beispiele ? in denen teilweise auch der Wut über den Sozialabbau der Regierung zum Ausdruck kam. Gibt es hier bei Eichbaum auch eine solche Stimmung?

Also sicherlich denken wir, daß das auch bei uns ein Thema ist. Der Betriebsrat hat in den Betriebsversammlungen diskutiert wie die sozialen Kosten ? Gesundheit, oder auch Rente vom Arbeitgeber auf die Arbeitnehmer übertragen werden. Auch für uns ist das ein Thema, und das ist auch ein Bestandteil unserer Forderungen in der Tarifrunde. Da werden die Arbeitnehmer zur Kasse gebeten. In sofern muß das auch in der Tarifrunde eine Rolle spielen.

Das Interview führte Sean McGinley